Graben in Regensburgs Vergangenheit

"Die Archäologie beginnt hier direkt unter Laufniveau." Landeskonservator Sebastian Sommer deutet auf die Ausgrabungen auf dem Regensburger Donaumarkt. Die Grabungstechniker mussten nicht einmal zehn Zentimeter in die Tiefe gehen, um erste Funde zu machen. In den vergangenen Jahrzehnten war der weitläufige Platz am Donauufer von einer Asphaltschicht bedeckt und wurde als Parkplatz genutzt.

Regensburg (dapd-bay). "Die Archäologie beginnt hier direkt unter Laufniveau." Landeskonservator Sebastian Sommer deutet auf die Ausgrabungen auf dem Regensburger Donaumarkt. Die Grabungstechniker mussten nicht einmal zehn Zentimeter in die Tiefe gehen, um erste Funde zu machen. In den vergangenen Jahrzehnten war der weitläufige Platz am Donauufer von einer Asphaltschicht bedeckt und wurde als Parkplatz genutzt. Seit einigen Wochen haben hier die Archäologen das Sagen.

Die Ausgrabungen sind von landesweiter Bedeutung: Denn auf diesem Areal soll in den kommenden fünf Jahren ein Neubau für das geplante Museum der Bayerischen Geschichte entstehen.

Erste Funde aus dem Mittelalter

"Was wir heute sehen, sind vor allem Gebäude, die in den 60er-Jahren abgebrochen wurden", sagt Sommer, der stellvertretende Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, mit Blick auf die bislang freigelegten Fundamente. Unter anderem wurden bisher neuzeitliches Straßenpflaster und die Grundmauern einer ehemals hier beheimateten Essigfabrik freigelegt.

Auf dem Gelände wurden aber auch schon erste Funde aus dem Mittelalter lokalisiert. Fest steht für Sommer: "Die Struktur der Bebauung ist eindeutig mittelalterlich." Man habe es mit sehr alten Bebauungslinien zu tun. Der Landeskonservator rechnet deshalb in den kommenden Wochen mit weiteren interessanten Funden, "wenn wir weiter in die Tiefe kommen".

Anfang September begannen auf dem Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft zur mittelalterlichen Altstadt von Regensburg die archäologischen Voruntersuchungen. Mittlerweile hat sich das Areal auf einer Gesamtfläche von rund 1.200 Quadratmetern in ein Grabungsfeld verwandelt. Bis zu vier Meter tief will das Grabungsteam den kommenden Wochen noch in den Untergrund vorstoßen.

An einen Baubeginn für das geplante Museum ist da vorerst noch nicht zu denken. "Wir werden mit Sicherheit auch im kommenden Jahr noch graben", prognostiziert Landeskonservator Sommer.

Die Zeit ist reichlich bemessen. Das Museum der Bayerischen Geschichte soll nach den bisherigen Planungen erst im Jahr 2018 eröffnet werden. Dann feiert der Freistaat Bayern sein 100-jähriges Bestehen. Im vergangenen Oktober wurde der Architektenwettbewerb für das mehr als 60 Millionen Euro teure Neubauprojekt gestartet.

Auf den Spuren der Römer

Den Archäologen bleibt also noch etwas Zeit, weiter in den Untergrund am Regensburger Donauufer vorzustoßen. Bei den Prognosen, welche Funde auf dem Donaumarkt in den kommenden Wochen zu erwarten sind, ist Landeskonservator Sommer vorsichtig. Spekulationen, auf dem Gelände könnte sich zur Römerzeit eine Schiffswerft befunden haben, beurteilt der Experte zurückhaltend. "Ob hier wirklich strukturell schon etwas war zur Römerzeit, das müssen wir sehen", sagt Sommer.

Bei aller berufsmäßigen Zurückhaltung: Für Archäologen ist das Gelände gerade deshalb so interessant, weil es nur wenige Meter von der Nordostecke des ehemaligen Römerkastells Castra Regina entfernt liegt. Die Chancen auf Funde aus der Römerzeit stehen also gut. Zur Frage ob und wie die römischen Schichten für die Nachwelt erhalten werden können, ist Sommer zufolge eine Prognose derzeit nicht möglich.

Der Landeskonservator hofft natürlich, dass beim Bau des neuen Museums möglichst große Teile der jetzt gefundenen Bodendenkmäler erhalten bleiben können. Er appelliert deshalb an die Planer, nach Möglichkeit auf ausgedehnte Kellerräume zu verzichten: "Muss denn wirklich immer nach unten gebaut werden?", fragt Sommer rhetorisch.

Im Idealfall könnten die Regensburger Ausgrabungen das neue Museum sogar aufwerten. Sommer jedenfalls hofft, dass einige Befunde vom Donaumarkt inhaltlich in das Museum für Bayerische Geschichte integriert werden können.

dapd

EURE FAVORITEN