Getrieben vom Wunsch nach Freiheit

Werner Streletz in der Zirbelstube der Fiege-Brauerei Bochum.
Werner Streletz in der Zirbelstube der Fiege-Brauerei Bochum.
Foto: WAZ FotoPool
Auf der dunklen Seite des Lebens: Johny, der Held in Werner Streletz’ neuem Roman „Rohbau“ schlägt sich nicht nur auf dem Bau durch. Der Literaturpreisträger Ruhr des Jahres 2008 entwickelt seinen verstörenden Stoff gewohnt unaufgeregt.

Essen.. Der Bochumer Autor Werner Streletz (63) – Literaturpreisträger Ruhr 2008 – scheint abonniert zu sein auf jene, die nicht auf der sonnigen Seite durchs Leben gehen. Sein jüngster Roman „Rohbau“ macht da keine Ausnahme: Aus der Schroffheit und Gewalt, die dem nervlich angespannten, nachdenklichen Helden Johny auf einer zweifelhaften Baustelle begegnet, flieht er in eine Affäre mit Bea. Johny versucht, beides strikt zu trennen, um sich das private Idyll gegenüber dem heftigen Alltag zu erhalten. Als ihm dies nach einem Unglück in einem Rohbau nicht mehr gelingt, entgleist alles.

Streletz entwickelt den verstörenden Stoff unaufgeregt und erlaubt es dem Leser, immer wieder aufs Neue hineinzuhören in die Stimmungen und Befindlichkeiten seines Johny, den ein „sehnsuchtsvoller und fast unerträglicher Wunsch nach Freiheit“ durchs Leben treibt. Rasch stellt sich der typische Streletz-Sound ein: ein in seiner Gleichmäßigkeit scheinbar beiläufiger Erzählton, der aber unterschwellig zu bersten scheint vor verschütteter Wut und Aggression.

„Rohbau“ keine Lektüre „so für zwischendurch“

Das Unausgesprochene, das Ersehnte ist überhaupt in diesem Roman das Eigentliche, wobei der lakonische Stil von „Rohbau“ an Streletz’ 2008 erschienen Roman „Kiosk kaputt“ erinnert. Hier wie dort führt der Erzähler seinen Plot wie beiläufig – wenn auch stellenweise etwas ausschweifend – zu einem Ende, das auch diesmal offen bleibt.

Gewiss ist „Rohbau“ keine Lektüre „so für zwischendurch“. Aber das wäre auch der falsche Maßstab für einen ambitionierten Roman wie diesen.

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