Gerburg Jahnke - Kabarett trotzt Klimakterium

Martina Schürmann
Entspannte Mittfünfzigerin: Gerburg Jahnke                                                               Foto: Uwe Schaffmeister
Entspannte Mittfünfzigerin: Gerburg Jahnke Foto: Uwe Schaffmeister
Foto: Uwe Schaffmeister

Düsseldorf. Hits und Hitzewellen: In der Revue „Heiße Zeiten“, die am Donnerstag ihre Düsseldorfer Premiere feiert, nimmt die Oberhausener Regisseurin und Kabarettistin Gerburg Jahnke die Folgen der Wechseljahre mit Humor. Warum das Klimakterium kein Tabuthema mehr ist, erklärt die 56-Jährige im Gespräch mit Martina Schürmann.

Frau Jahnke, vor ein paar Jahren hat man das Thema noch verschämt mit seinem Frauenarzt besprochen. Inzwischen dreht sogar das ZDF Wechseljahre-Serien. Und die Revue zum Schweißausbruch gibt’s nun auch. Was hat sich geändert?

Jahnke: Als „Missfits“ haben wir das Thema ja schon vor 15 Jahren gestreift, da hat sich das Publikum noch in zwei Lager gespalten: Die einen konnten mit dem Thema ganz offen umgehen. Bei den anderen merkte man gleich: Die thematisieren das nicht und ihre Männer wissen auch nichts. Inzwischen kommen aber die Frauen in die Wechseljahre, die mit 18, 20, wie ich selber auch, viel mit Frauenbewegung zu tun gehabt haben, die also schon länger einen reflektierten Umgang mit weiblicher Identität gepflegt haben.

Und lachen hilft gegen Wechseljahr-Beschwerden?

Jahnke: Lachen hilft, meistens. Ich hab beispielsweise die feierliche Beerdigung meiner letzten Binde gefeiert. Das haben wir ja damals schon im „Missfits“-Programm gemacht und ich fand die Idee schön. Die Reaktionen meiner Freundinnen waren allerdings sehr unterschiedlich.

Lange hieß es, für Frauen ab 50 sei auf der Bühne nichts mehr zu holen. Inzwischen sieht das besser aus.

Jahnke: Ich habe den Eindruck das liegt am Selbstwertgefühl der Frauen. Die schon mit 20, 30 geübt haben, sich was zuzutrauen, beruflich, privat, die wollen auch nach den Wechseljahren nicht in der Versenkung verschwinden wie vor 60 Jahren. Ich erinnere mich an Lehrerinnen von früher, die waren mit Ende 50 scheintot. Das hat sich komplett geändert.

Haben Sie Ihr Geburtsdatum trotzdem mal unter den Tisch fallen lassen?

Jahnke: Von mir verlangt gottlob ja keiner wie von anderen ewigjungen Schauspielerinnen, dass man mich auch locker für zehn Jahre jünger halten könnte. Das muss furchtbar anstrengend sein. Ich hab allerdings zur Kenntnis genommen, dass Madonna mal mein Jahrgang war, aber dass sie seit einer Weile plötzlich vier Jahre jünger ist als ich. Vielleicht sollte ich da mal drüber nachdenken. Bei Madonna regt sich keiner drüber auf, aber mich würden wahrscheinlich sofort alle verbessern.

Gibt’s den solidarischen Humor unter Frauen?

Jahnke: Von Zuschauerinnen-Seite auf jeden Fall. Frauen beherrschen so ein eher aufmunterndes Lachen, nach dem Motto: Das wird noch, auch wenn’s jetzt noch nicht ganz so lustig ist. Wie sie auch bei ihren Kindern immer alles schön finden, was die machen. Männer lachen eigentlich nur, wenn sie nicht mehr anders können

Wie viele Männer haben sich in „Heiße Zeiten“ verirrt?

Jahnke: Mit verirren ist da nicht viel. Da kaufen wie immer die Frauen die Theaterkarten und die Männer müssen mit. Nur ist es so, dass die Jungs sich tatsächlich köstlich amüsieren. Manche brauchen vielleicht die erste Viertelstunde, aber es ist halt ein sehr unterhaltsamer Abend, es gibt viele Lieder, die Geschichte ist amüsant.

Der Abend ist auch eine musikalische Erinnerungsreise

Jahnke: Ja, es gibt jede Menge Musik von früher. Ich nenn’s mal Frauenmusik: „It’s raining Men“, „All by myself“, „We don’t need another hero“

Haben Sie manchmal nicht Lust mitzumachen?

Jahnke: Nö. Bei diesem Programm nicht, das ist echt anstrengend. Die Frauen können richtig gut singen, die tanzen wie die Wilden, da müsste ich erstmal aufhören zu rauchen. Die rasen durch den Abend wie die Wilden und es macht Spaß, ihnen dabei zuzusehen.

Noch ein persönlicher Tipp für heiße Zeiten?

Jahnke: Fächer kaufen!