Gelsenkirchen zeigt Oper von Nino Rota

Elisabeth Höving
Klamotte mit Unterhaltungswert: Das Gelsenkirchener Ensemble jagt einem Strohhut hinterher.
Klamotte mit Unterhaltungswert: Das Gelsenkirchener Ensemble jagt einem Strohhut hinterher.
Foto: Pedro Malinowski
Gelsenkirchen bringt Nino Rotas „Der Florentiner Hut“ auf die Bühne. Berühmt aber wurde der Komponist mit Filmmusik zu bekannten Klassikern.

Gelsenkirchen.  Hut ab! Das Musiktheater im Revier wagt sich an einen Stoff, den nur wenige Bühnen auf den Spielplan setzen und gibt mit der überdrehten Salon-Komödie „Der Florentiner Hut“ und der Mini-Oper „Die Fahrschule“ Vollgas. Trotz überschäumender Spielfreude und musikalischem Esprit bleibt die Oper von Nino Rota (1911-1979) am Ende aber auch in Gelsenkirchen das, was sie ist: eine hübsch angestaubte Klamotte mit hohem Unterhaltungswert.

Wer mit großen Operndramen nichts am Hut hat, kommt beim „Florentiner“ durchaus auf seine Kosten. Die Geschichte ist aberwitzig und verrückt, die Musik mit ihren Anklängen an Verdi, Rossini und Pucchini süffig und voller Esprit, Bühne (Dirk Becker) und Kostüme (Julia Reindell) eine Augenweide. Am Musiktheater gerät die Umsetzung der Opera buffa durch Regisseurin Sonja Trebes zu einer rasanten szenischen und musikalischen Spritztour, der sich auch der kaum entziehen kann, der noch vergeblich nach Tiefgang gründelt.

An Monsieur Fadinard klebt das Pech schon im deftigen Prolog „Die Fahrschule“, die das Opernhaus als deutsche Erstaufführung zeigt. Zwischen Kupplung, Gas und Bremse vernascht der Casanova seine lüsterne Schülerin und wird daraufhin vom empörten Vater zur Hochzeit gezwungen.

Ideenreich gelingt der Übergang zur „Hut“-Oper, wenn das Personal in Text und Bildern wie in einem alten Kino-Schinken vorgestellt wird. Eine Hommage an den Italiener Nino Rota, der die Oper 1945 nach der Farce von Eugéne Labiche (1851) komponierte, der aber vor allem durch seine Filmmusik Weltruhm erlangte. Soundtracks zu „La Strada“ oder „Der Pate“ stammen aus seiner Feder.

Der Opern-Slapstick-Spaß kreist um einen Strohhut, den die verheiratete Anaida (Anke Sieloff brillant als verwirrte Grande Dame) während eines Techtelmechtels ins Gebüsch geworfen hatte und den das Pferd des Bräutigams gefressen hat. Ihr Liebhaber Emilio (Piotr Prochera) fordert Ersatz ein, um den eifersüchtigen Gatten (wunderbar trottelig Urban Malmberg) nicht auf den Plan zu rufen. Fadinard, den der charmante Tenor Ibrahim Yesilay, eine echte Entdeckung, beweglich und sicher singt, rast samt Braut Helena (herrlich verhuscht und stimmlich hervorragend Bele Kumberger) und mafiöser Hochzeitsgesellschaft in einer Odyssee dem Hut hinterher. Mit William Saetre als Onkel Vézinet, Joachim G. Maaß als billiger Brautvater und Noriko Ogawa-Yatake als schrille Baronessa gelingen komödiantische Bestbesetzungen.

Eine ausgezeichnete Ensembleleistung, die engagierte Neue Philharmonie Westfalen unter Thomas Rimes und der spielfreudige Opernchor (einstudiert von Alexander Eberle) eingeschlossen. „Der Florentiner“, tatsächlich ein alter Hut, aber in Gelsenkirchen sitzt er!