Ganze Kerle tragen Pumps

Foto: Kai Schulz / Komödie

Düsseldorf. Wann sind Männer ganze Kerle? Wenn Sie auf Pumps und im Fummel einen Theatersaal zum Lachen bringen! DerWesten hat sich die Show "Ganze Kerle" in der Düsseldorfer Komödie angeschaut und mit einem der Hauptdarsteller gesprochen - dem "Verbotene Liebe"-Schauspieler Jo Weil.

Ein guter Wein braucht ein bisschen, bis er zum exzellenten Tropfen reift. Nur wer Geduld hat, wird belohnt. Was auch für „Ganze Kerle“ gilt, die derzeit in der Düsseldorfer Komödie auf der Bühne stehen. Das Stück um vier Paketboten beginnt keineswegs lahm, steigert sich aber vom beschaulich weihnachtlichen Geschenke auspacken kontinuierlich bis zu einem furiosen Finale – Standing Ovations inklusive.

12.000 Euro müssen beschafft werden

Eine olle Halle in einer westdeutschen Kleinstadt, das Jahr neigt sich dem Ende. Die vier Kollegen Georg (Lutz Reichert), Sigi (René Hofschneider), Enrico (Jo Weil) und Klaus (Matthias Kostya) arbeiten als Paketboten bei einem privaten Kurierdienst. Lilly, die Tochter des Filialleiters, benötigt nach einem Unfall dringend eine „Delfin-Therapie“, die jedoch 12.000 Euro kostet. Eine Summe, die der Chef nicht aufbringen kann. Nun wollen die Angestellten zwar helfen, doch die Ersparnisse reichen nicht aus. Was liegt da näher als eine Travestie-Show nach Pariser Vorbild auf die Pumps zu stellen?

Weibliche Ader, Mascara und Lippenstift entdeckt

Was Enrico, der nebenher in einer Schwulen-Bar als Go-Go-Tänzer arbeitet, da vorschlägt, stößt zunächst auf wenig Gegenliebe. Klaus ist ein Ganzer Kerl, heißt schließlich auch Hartmann mit Nachnamen, der macht so etwas nicht. Der spießige – und großartig gespielte – Sigi, der noch bei Muttern wohnt, ist ebenfalls entsetzt. Und Georg kommt etwas dazwischen. Die Idee droht zu scheitern, bis schließlich einer nach dem anderen seine weibliche Ader, Lippenstift und Mascara entdeckt. Ein herrlicher Sinnes- und Outfitwandel, der in einer Show mündet, die ein Feuerwerk aus Chanson, Schlager und Operette abfackelt. Ein ganz besonderes Wiedersehen mit Liza Minnelli, Gitte, Zarah Leander, Marlene Dietrich – mal haben sie einen Sixpack, mal einen Bierbauch.

„Ganze Kerle“ – unter der Regie von Matthias Freihof – ist wegen der guten Resonanz im vergangenen Jahr wieder ins Programm aufgenommen worden. Nach der Premiere im Sommer 2007 tourten die Männer im Fummel durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz. Nun also wieder in der Düsseldorfer Komödie – und da noch bis zum 9. Januar. An Silvester kleben sie sich übrigens gleich dreimal die falschen Wimpern an und stopfen sich Socken in den Büstenhalter: um 16 Uhr, 19.15 Uhr und 22.30 Uhr. Danach kann man direkt aufs neue Jahr anstoßen – mit einem guten Wein auf ein gutes Stück.

Interview mit Jo Weil

Eigentlich trägt Jo Weil selten Perücke, Frauenkleid und hochhackige Schuhe. Trotzdem ist er in dem Stück "Ganze Kerle" auch auf Pumps gut zu Fuß...

Sie bewegen sich verdächtig gut auf Pumps, wie kommt das?

Jo Weil: Ich habe das Stück jetzt knapp hundert Mal gespielt und irgendwann lernt man, auf diesen Dingern zu laufen. Das war aber nicht immer so. Als ich das erste Mal in diese Schuhe geschlüpft bin, dachte ich: „ich sterbe“, weil der klassische Männerfuß nicht für diese Art von Schuh geschaffen ist – und meiner schon gar nicht. Das war ein hartes Stück Arbeit.

Welche Schuhgöße haben Sie?

Weil: Größe 44. Wir tragen zwar extra Tanzschuhe, aber die sind trotzdem eng und drücken. Der Choreograph hatte seine liebe Mühe, uns da einigermaßen elegant drauf laufen zu lassen.

Wie lange haben Sie trainiert?

Weil: Wir hatten für das Stück fünf Wochen Probe – die ersten zwei Wochen waren ausschließlich für die Schlussshow, die Choreographie und den Tanz reserviert. Unser Choreograph Danny Costello hat das Unmögliche geschafft. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich kann mich auf solchen Dingern bewegen.

Der Fummel, den Sie dazu tragen, ist etwas knapp…

Weil: Ich habe mich zu Beginn auch etwas nuttig gefühlt.

Es gibt Menschen, die haben kein Problem damit, etwas nuttig herumzulaufen.

Weil: Ich bin privat doch etwas bedeckter und in lässigeren Klamotten unterwegs. Als ich den Fummel zum ersten Mal bei den Kostümproben anhatte, dachte ich: „das meint Ihr nicht ernst!“ Und als ich das erste Mal vor ein Testpublikum musste, habe ich mich wirklich geschämt. Ich bin ja fast nackt und jeder kann meinen Hintern sehen. Aber inzwischen fühle mich dann doch einigermaßen wohl.

Hatten Sie Bedenken, dass Sie Freunde oder Verwandte so sehen könnten?

Weil: Nein, das ist ja mein Job und ich bin gewohnt, dass man mich in Outfits sieht, die ich vielleicht nicht so schön finde. Aber als meine Eltern mich das erste Mal darin gesehen haben, war das schon komisch, obwohl sie super offen sind. Ihnen hat es aber sehr gefallen, so gut, dass sie sich das Stück schon öfters angesehen haben. Sie waren vor allem überrascht, wie gut ich mich in den Stöckelschuhen bewegen kann.

Die meisten kennen Sie aus der ARD-Serie „Verbotene Liebe“. Worin unterscheidet sich davon Ihre Arbeit auf der Bühne?

Weil: Der große Unterschied ist, dass wenn ich vor der Kamera spiele, die Kamera ganz nah an mich herankommt. Ich muss fast nur noch denken. Die Kamera kann die Mimik sehr gut transportieren. Auf der Bühne muss ich einen viel deutlicheren Ausdruck haben, damit auch die Zuschauer in der letzten Reihe sehen, was ich spiele. Bei „Ganze Kerle“ kommt natürlich noch das Tanzen hinzu. Das mache ich bei Verbotene Liebe gar nicht. Hinzu kommt das Live-Publikum, ich bekomme direkt ein Feedback für das, was ich tue. Applaus und Lachen ernte ich sofort. Wenn ich drehe, bekomme ich das erste Monate später mit, wenn es ausgestrahlt wird. Durch die Quoten oder Post und E-Mails, die ich von Fans bekomme. Das habe ich natürlich auch gerne und ist mir wichtig, aber direkte Reaktionen sind auch mal sehr schön.

Bald steht wieder Karneval an, die entscheidene Frage: Welches Kostüm wählen Sie?

Weil: (lacht) Definitiv keinen Fummel. Ich bin noch nicht ganz sicher, ich schwanke derzeit zwischen Cowboy und Vampir.

 
 

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