„Ganz große Geister“ entschweben aus Essen

Essen..  Mit dem Abbau der Skulpturengruppe „Ganz große Geister“ von Documenta-Künstler Thomas Schütte vor der Essener Philharmonie ist eine Debatte darüber entbrannt, ob und wie man Kunst im öffentlichen Raum vor Beschädigung und Diebstahl sichern kann und muss. Der Essener Sammler Thomas Olbricht, der in Berlin auch ein eigenes Museum betreibt, hat die spektakuläre Leihgabe nach knapp zwölf Jahren abziehen lassen. Sein Argument: Niemand könne langfristig ausschließen, dass große Werke wie die „Geister“ beschädigt werden.

Doch ausgerechnet beim Abtransport nahm die Kunst gestern schweren Schaden. Einer der drei Skulpturen, die bislang wie eine grandiose Mischung aus Marsmensch und Michelinmännchen vor dem Konzerthaus posierten, wurde beim Abbau versehentlich der Kopf abgetrennt. Offenbar war die tonnenschwere Skulptur so fest im Boden verankert, dass beim Versuch, die Figur mit dem Kran anzuheben, eine Schweißnaht riss. Sammler Olbricht nannte den Zwischenfall gestern „ein Desaster. Ich bedaure zutiefst, was da passiert ist.“ Der Schaden sei aber reparabel.

Deutliche Kritik am Abbau kam vom Künstler selbst. Thomas Schütte nannte die Verhandlungen zwischen Leihgeber und der Stadt Essen „ein Kasperletheater“. „Ich habe für keine der beiden Seiten irgendein Verständnis. Die Figuren sind ja bestellt worden und speziell für den Ort gemacht.“ Die Diskussion um die Sicherung vor Vandalismus hält er für eine „Scheindebatte“: „Auch ein Graffito kann man wieder entfernen.“ Der drastisch gestiegene Wert der Schütte-Kunst und die damit auch immer höhere, von der Stadt Essen zu zahlende Versicherungssumme hatte letztlich zum Abzug der Werke geführt.

 

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