Gänswein: Kein Hofstaatgehabe bei Benedikt

München.  Hat Benedikt XVI. im Vatikan zu pompös regiert? Der emeritierte deutsche Papst weist diesen Vorwurf in seinem neuen Interviewbuch zurück: „Wir haben immer sehr einfach gelebt, schon von meiner Herkunft her“, betont Benedikt in dem Buch, das Montag in München vorgestellt wurde. „Schon von daher kann ich nicht Hofstil betreiben.“

Kurz nach dem Papst-Rücktritt 2013 hatte der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx das „Hofstaat-Gehabe“ in der römischen Kirchenzentrale kritisiert und betont: „Der Nachfolger Petri kann kein Monarch sein.“ Dazu erklärt nun Benedikt, der ebenfalls mal Erzbischof von München war: „Was den Kardinal zu seiner Bemerkung veranlasste, weiß ich nicht.“

Benedikts Privatsekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein, legt nun nach. Bei der Präsentation des Buches wirft er Marx indirekt Unkenntnis vor und rät ihm, vor der eigenen Haustür zu kehren: „Man muss vorsichtig sein mit Behauptungen oder mit Bewertungen, a) wenn man die Situation nicht so gut kennt und b) wenn man dann selber mal die eigene Tür aufmacht.“ Insofern sei die Bemerkung von Marx „zumindest verwunderlich“.

Benedikt-Gesprächspartner und Buchautor Peter Seewald sagte zur Reaktion des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auf die Benedikt-Kritik an der Gewerkschaftsmentalität von kirchlichen Mitarbeitern: „Getroffene Hunde bellen“. Zur Kritik des Ex-Papstes selbst sagte er, es gehe hier um die „Sorge eines alten Hirten“. Im Übrigen habe der emeritierte Papst schon als Kardinal Ratzinger seine Vorbehalte gegenüber dem ZdK gehabt.