Für die Beatsteaks ist ein gutes Album „richtig viel Arbeit“

Im Retro-Fummel: Die Beatsteaks posieren an der Spree
Im Retro-Fummel: Die Beatsteaks posieren an der Spree
Foto: Warner
Kaum zu glauben: Schon 20 Jahre halten sich die Beatsteaks als Band. Richtig nach oben gegangen ist es für die Berliner Jungs erst mit „Boombox“. Jetzt stellen sie ihr neues Album vor - es trägt schlicht den Namen der Band. Ein Gespräch über Erfolg, Geld, rote Teppiche und darüber, dass Pop gar nicht so ungeil ist.

Berlin.. Gemächlich tuckert das 1929 erbaute Salonschiff „Don Juan“ an einem sonnigen Sommertag die Spree hinauf. An Bord: Die Beatsteaks aus Berlin. Das sind Arnim Teutoburg-Weiß, Bernd Kurtzke, Peter Baumann, Torsten Scholz und Thomas Götz. Ihr neues Album heißt wie die Band. Die einst als Punkband gestarteten Vielseitigkeitsrocker spielen elf Songs lang ihre geballten Stärken aus. Die Platte ist rockig, unterhaltsam, melodisch, richtig gut. Zwecks Interview ging Steffen Rüth mit der Band an Bord.

Jungs, was haben die Beatsteaks mit einem erfolgreichen Fußballteam gemeinsam?

Arnim Teutoburg-Weiß: Mehr als man auf den ersten Blick vermutlich denkt. Wir sind eine Mannschaft, die sich gegenseitig antreibt. Beatsteaks ist der totale Teamsport.

Will ein überzeugendes Album wie „Beatsteaks“ akribisch geplant sein wie ein Weltmeistertitel?

Teutoburg-Weiß: Jogi Löw würde sagen: Wir haben geliefert. Der Schlüssel zu diesem Album war in der Tat die gute Vorbereitung. Wir haben ein halbes Jahr lang im Probenraum gesteckt, die Lieder geschrieben und einstudiert.

Thorsten Scholz: Ich finde, wir haben für Platten schon härter gearbeitet. Und doch war es wieder eine sehr intensive Zeit. Ich stand manchmal schon um 7 Uhr morgens am Bass und feilte an meinem Spiel.

„Wir wollen immer so gut sein wie möglich“

Bei aller Lässigkeit, die ihr zur Schau stellt, seid ihr also ganz schön diszipliniert und ehrgeizig?

Thomas Götz: Wir wollen immer so gut sein wie möglich. Das ist wieder dieser Teamgedanke. Oft denkst du „Die anderen haben gerade einen Superlauf, das darf ich jetzt nicht versauen.“ Erst wenn du wirklich zufrieden bist mit deiner Leistung, dann kannst du dir ein Bier aufmachen und sagen „geil“.

Peter Baumann: Uns fällt das nicht zu. Damit Musik entsteht, müssen wir fleißig bleiben und uns anstrengen.

Teutoburg-Weiß: Die Situation ist heute anders als mit 20. Damals habe ich nichts anderes gemacht als zu singen, Gitarre zu spielen und Konzerte aufzusaugen wie ein Schwamm. Davon zehre ich bis heute. Nur, wenn ich heute etwas schreibe, das mir gefällt, dann kann ich das nicht machen, während ich mit meiner zweijährigen Tochter spiele. Auch wenn es mir schwerfällt: Ich muss also raus aus dem Park und rein in den Keller.

„Was der Cro macht, das macht der richtig klasse“

Auf zackigen Songs wie „DNA“, hört man eure Punkwurzeln raus, „Pass the Message” ist eine Reggaenummer, und dass ihr auch vor Popmusik keine Berührungsangst habt, zeigt ihr mit „Gentleman of the Year”. . .

Thorsten Scholz: So ticken wir einfach. So ein Beat wie ein „Gentleman of the Year“, der ja total zum Tanzen und Abgehen einlädt, der war vorher nicht geplant, der ergibt sich einfach während des Schaffens. Jeder von uns liebt Popmusik, Pop ist voll geil, und ich habe auch zum Beispiel mit den gängigen Radioprogrammen keine Probleme. Santigold finden wir alle super, und ich denke, wer Tom Petty nicht gut findet, der ist kein guter Mensch. Selbst das, was der Cro zu Hause in seiner Butze macht, das macht der richtig klasse.

„Texte soll jeder deuten wie er möchte“

Wer ist „Gentleman of the Year“?

Teutoburg-Weiß: Ich fände es nicht cool, wenn ich jetzt erklären müsste, was das für ein Mensch für mich ist. Texte sind nur ein weiteres Instrument, jeder soll sie deuten, wie er möchte. An dem Tag, als wir dieses Gitarrenriff komponierten, flatterte eine Einladung zum „Gentleman of the Year“-Award ins Haus.

Seid ihr zu der Party hingegangen?

Teutoburg-Weiß: Nein. Erstens sagte meine Frau wortwörtlich „Pah, was wissen die schon?“. Und zweitens ist das nicht so unsere Spezialität. Ich gucke mir lieber ein Fußballspiel an oder gehe mit meiner Frau einen Rotwein trinken, als bei so einer Roter-Teppich-Show aufzulaufen. Das macht uns allen keinen richtigen Spaß.

„Luxus ist, dass wir davon leben können.“

Aber spätestens seit „Boombox“ auf Platz Eins kam, gehört ihr zu den ganz Großen in der Branche.

Teutoburg-Weiß: Mama, Management und Plattenfirma freuen sich darüber, logisch. Für uns spielt das keine so große Rolle. Wir überlegen auch nicht, was wir machen können, um wieder auf Platz Eins zu kommen. Aber okay, jetzt steht das halt bei uns im Lebenslauf.

Peter Baumann: Der Luxus ist, dass wir von den Beatsteaks leben können, ohne Nebenjobs machen zu müssen. Aber wenn wir keine Platte machen und nicht auf Tour gehen würden, wäre nach drei Jahren das Geld alle.

EURE FAVORITEN