Freakshow auf der Rennbahn

Fans beim Open Source. Fotos: Jenniffer Felthaus
Fans beim Open Source. Fotos: Jenniffer Felthaus

Düsseldorf. Männer mit Pferdeköpfen, Rapper in Ballonseide und Golfer beim Abschlag – das Düsseldorfer Open Source Festival lebte wieder einmal von skurrilen Gegensätzen.

Für manche Bilder muss man das Open Source Festival einfach lieben. Wo sonst kann man Rapper im Proll-Look beobachten, während im Hintergrund Männer in lachsfarbenen Polohemden Caddies über den Golfplatz ziehen? So geschehen beim Auftritt von Dendemann. Doch dazu später.

Seit letztem Jahr findet das Open Source Festival nicht mehr am Rhein, sondern auf der Düsseldorfer Galopprennbahn statt. Eine richtige Entscheidung: Die Zuschauer verlieren sich nicht mehr in den Weiten des Geländes, bei Regen sitzt man trocken auf der Zuschauertribüne, und der Blick auf den Grafenberger Wald ist ohnehin kaum zu toppen. Thees Uhlmann von Tomte brachte es in der Nacht auf den Punkt: „Wir haben schon viele Konzerte gespielt, aber das hier ist eines der schönsten Areale überhaupt.“

Tomte als Headliner

Das Programm hält zum Glück mit. Da wäre z.B. Dendemann, Deutschlands vermutlich bester Rapper. Wer damit rechnete, dass er einen klassischen Hip-Hop-Auftritt hinlegen würde, sollte sich wundern. Die Devise “two turntables and a microphone“ ist inzwischen passé. Der Hamburger brachte eine ganze Band mit. Zwischendurch klang die Musik mehr nach Rock als nach Hip-Hop – das an AC/DC angelehnte „Dende“-Logo ist kein Zufall. Der Band-Look täuscht allerdings. Trotz Ballonseide-Trainingsanzügen, Baseballkappen und Vokuhila-Frisuren sind Dendemann & Co. alles andere als Prolls (auch wenn so manch clevere Songzeile bei der Rap-Geschwindigkeit kaum zu verstehen ist).

Es sollte nicht die einzige Tarnung bleiben. Um Verkleidung ging es auch beim nächsten Act, der Berliner Band Bonaparte. Auf der Bühne gesichtet: Pferdeköpfe, türkische Armeeuniformen, venezianische Masken, Männer mit Monitoren auf dem Kopf und der Tod persönlich. Was das alles zu bedeuten hat, ist offen für Interpretation. Bonaparte muss man sich vorstellen wie ein zwischen Benny Hill und David Lynch angesiedeltes Punk-Varieté. Wer die Berliner für reine Effekthascher hält, liegt allerdings falsch. Songs wie „Anti, Anti“ oder „Too Much“ haben Substanz. Beim Publikum kommt diese Art von Dance-Punk jedenfalls an. Mehr ist auf dem Platz vor der Bühne zu keinem Zeitpunkt los.

Nicht mal bei Tomte, die beim Open Source ihren einzigen Festivalauftritt in diesem Jahr absolvieren. Trotzdem wandert ein Teil der Besucher beim Headliner zur DJ-Bühne im Eingangsbereich ab. Der elektro-affine Teil des Publikums kann der Band offenbar nicht viel abgewinnen. Das ist schade, denn Tomte spielen nicht den Studentenpop, für den die Hamburger Schule berühmt bzw. berüchtigt ist.

Die verbliebenen Fans können sich dem Charme der Band jedenfalls schwer entziehen. Das liegt auch an Thees Uhlmann. Der Sänger von Tomte versteht es (wie so oft), das Publikum mit ein paar lokal eingefärbten Gags auf seine Seite zu ziehen. Als Intro singt er „Korn, Bier, Schnaps und Wein“ von den Toten Hosen, der erste eigene Song wird von „Was ist los in Hamburg?“ zu „Was ist los in Flingern?“ So geht es munter weiter – Uhlmann im Wechsel zwischen gut gelauntem Geschichtenerzähler und Rockstar. An Hits mangelt es nicht. Von „Schreit den Namen meiner Mutter“ bis zum erstaunlich rührenden „Der letzte große Wal.“ Gegen zehn entlassen Tomte eine glückliche Menge ins Nachtprogramm.

Saunabesuch in der Altstadt

Mit Shuttlebussen ging es in die Düsseldorfer Altstadt, wo vor allem der Salon des Amateurs ein erstklassiges Programm auffuhr. Das hatte sich leider rumgesprochen, und so glich der Auftritt der Band Von Spar einem Saunabesuch. Die Kölner haben eine kuriose Wandlung hinter sich – vom Postpunk der frühen Stunden war nicht mehr viel zu hören. Stattdessen: (sehr) viele Synthies und ein Sound irgendwo zwischen Jean-Michel Jarre und Tangerine Dream. Im Hintergrund laufen Bilder von Raketenstarts, Militärexperimenten und 80er-Jahre-Computern. Die Zukunft von einst sieht heute ganz schön altmodisch aus. Und klingt auch so.

 
 

EURE FAVORITEN