Fettes Brot – die Drei von der Tanzfläche sind zurück

Die deutsche Hip-Hop-Band Fettes Brot: Björn Warns (Schiffmeister), Martin Vandreier (Doc Renz) und Boris Lauterbach (König Boris).
Die deutsche Hip-Hop-Band Fettes Brot: Björn Warns (Schiffmeister), Martin Vandreier (Doc Renz) und Boris Lauterbach (König Boris).
Foto: Archiv/dpa
Die neue Platte von Fettes Brot heißt „3 is ne Party“. Im Interview spricht das Trio über Vorbilder, kreative Pausen und humorvolle Neuanfänge. Zum Jahreswechsel sind Fettes Brot live bei Konzerten in der Region zu sehen: am 28. Dezember in der Köln Arena, am 22. Januar in der Bielefelder Stadthalle und am 30. Januar in der Dortmunder Westfalenhalle.

Essen.. „Einer ist Gesellschaft, zwei sind eine Menge und drei sind eine Party.“ Den Gedankengängen von Andy Warhol erweisen sich Boris Lauterbach, Martin Vandreier und Björn Warns von Fettes Brot überaus würdig. Nicht nur im Ausborgen des Titels für ihr gerade erschienenes Album „3 is ne Party“, sondern auch im künstlerischen Selbstverständnis. Warum es wieder besonders schön ist, eine Party zu sein, erzählt die Band, die gerade 21 Jahre alt geworden ist, unserem Mitarbeiter Michael Loesl bei einem Interview-Spaziergang.

Als Gesamtkunstwerk wirkt „3 is ne Party“ ruppiger als Ihre bisherigen Alben.

Björn Warns: Der Eindruck ist nicht falsch. Aber wir benutzen keine moderne Internetsprache, keinen Straßenslang, der uns nicht steht. Wir wissen inzwischen, wie Humor funktioniert, der ungestüm erscheinen kann.

Martin Vandreier: Ja, wir haben 20 Jahre lang ganz viel Sprache genutzt, um endlich die Witze ausdrücken zu können, dir wir immer schon loswerden wollten.

Haben Sie den Titel „3 is ne Party“ anlässlich der feierlichen Wiedergeburt von Fettes Brot gewählt?

Boris Lauterbach: Auch. Aber es ist keine ausschließliche Partyplatte im Feiern-Sinn. Wir wollen auch behaupten, dass es nicht mehr als dreier Leute bedarf, um etwas auf die Beine stellen zu können. Wir haben lange mit der Behauptung gezögert, uns Musiker zu nennen, weil keiner von uns Klarinette studiert hat. Das ist Quatsch, wie wir inzwischen wissen. Du kannst sein, was du sein willst, solange du es mit Leidenschaft betreibst.

Welche sind die anderen bedeutenden Trios in Ihrem Leben?

Warns: Definitiv De La Soul. Die haben damals die Hip-Hop-Leidenschaft bei uns entfacht.

Lauterbach: Bei mir gehören auch Tick, Trick und Track zu den großen Dreier-Kombinationen.

Vandreier: Und „Die Ärzte“.

Ihre „Trennung auf Zeit“, die Sie vor drei Jahren verkündet haben, ist offenbar vorbei. Haben Sie sich gegenseitig vermisst?

Vandreier: Ja, aber die Angst davor, dass alle drei wieder zusammen wollten, aber nichts mehr zustande bringen würden, was schocken kann, hat sich in der Zwischenzeit auch breitgemacht.

Lauterbach: Letztlich war die Trennung auf Zeit aber gut für uns. Auch, um die Maschine, die Fettes Brot ja auch geworden war, ein bisschen zum Stillstand gebracht zu haben. Auszubrechen, Neues zu wagen hat gut getan. Dadurch haben wir wieder an kreativer Kraft gewonnen.

Herr Lauterbach, Sie hatten in der Zwischenzeit das Soloalbum „Der König tanzt“ aufgenommen. Wie haben Björn Warns und Martin Vandreier Sie dazu bewegen können, wieder für Fettes Brot ins Studio zu kommen?

Lauterbach: Es stand schon fest, dass wir wieder eine Platte zusammen aufnehmen wollten. Aber tatsächlich trafen sich Martin und Björn im Studio zum Biertrinken und nahmen ein Demo auf.

Vandreier: Wir hatten an jenem Tag sehr viel im Studio geschafft und Boris tatsächlich ein Demo geschickt. Als er es hörte, merkte er wohl, wie sehr er sich beeilen musste, um überhaupt noch mitreden zu können in der Band.

Lauterbach: (lacht) Also, um ehrlich zu sein, dachte ich bei dem Demo, dass die beiden ganz dringend meiner professionellen Hilfe bedurften. Deswegen bin ich schnell ins Studio gefahren.

Und welche Geschichte stimmt?

Warns: Keine, weil der Song, der jetzt auf der Platte ist, genauso klingt wie das Demo. Wie kann das nur sein? Das kann ich mir mit Demokratie nicht erklären, Boris!

Lauterbach: Das war mein Geschenk an meine beiden Kollegen.

Danke, schon verstanden. Wie wichtig ist Ihnen eigentlich Humor?

Lauterbach: Also, wir machen keinen Optimierungs-Jazz.

Warns: Natürlich ist Humor wichtig. Das hört man auf der Platte an einigen Stellen sogar in musikalischer Hinsicht.

Auf der Deutsch-Pop-Rampe der leeren Parolen wie „Depri war gestern, heute wird alles wunderbar!“ ist Fettes Brot aber schwer vorstellbar.

Warns: Solche Aussagen trifft man ja auch nur auf sehr eindimensionalen Partys.

Vandreier: Bei uns gibt es drei Mal hundert Prozent. Das bedeutet unterm Strich, dass wir dürfen, was wir dürfen wollen.

  • Zum Jahreswechsel sind Fettes Brot live bei Konzerten in der Region zu sehen: am 28. Dezember in der Köln Arena, am 22. Januar in der Bielefelder Stadthalle und am 30. Januar in der Dortmunder Westfalenhalle. Weitere Infos im Internet auf www.fettesbrot.de.
 
 

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