Zuschauer kritisieren Wotan Wilke Möhrings "Tatort" für sein schwaches Drehbuch

Jonas Erlenkämper
Wotan Wilke Möhring überzeugte die Zuschauer im "Tatort" - das Drehbuch nicht.
Wotan Wilke Möhring überzeugte die Zuschauer im "Tatort" - das Drehbuch nicht.
Foto: dpa
Zehn Millionen Menschen sahen Sonntagabend den neuen "Tatort" mit Wotan Wilke Möhring. Viele schrieben schon während des Films im Internet, wie er ihnen gefällt. Fazit: guter Schauspieler, langweiliges Drehbuch. Aber Längen besser als Til Schweiger.

Essen. Der Mann trinkt Milch aus der Tüte, sagt ständig "Digger" und spricht mit seiner Katze. Er ist aber auch: ein Einzelgänger, der raucht, herumschreit und sich mit Liegestützen fit hält. Wotan Wilke Möhrings Einstand als "Tatort"-Ermittler am Sonntagabend warf Fragen auf: Ist der von diesem Herner Schauspieler verkörperte Hamburger Polizist ein interessanter Charakter oder eine Vereinigung gängiger Kommissar-Klischees? Und welcher der beiden neuen, in Hamburg agierenden "Tatort"-Stars hat den besseren Eindruck hinterlassen - Wotan Wilke Möhring oder Til Schweiger?

Wer das Internet als Gradmesser heranzieht, kann den Film in drei Sätzen zusammenfassen: 1) Wotan Wilke Möhring machte eine gute Figur. 2) Das Drehbuch war recht langweilig. 3) Kaum einer will Schweiger wiedersehen.

Zu viele Klischees verhinderten, dass der Film wirklich gut war

Zehn Millionen Menschen sahen die Premiere, und viele davon begannen schon während des Films, ihre Meinung via Facebook und Twitter kundzutun. "Metin" etwa twitterte: "Ziemlich real das Ganze, brutal und gut umgesetzt. Kann man mögen." Sein Beitrag war insofern beispielhaft, weil die Netzgemeinde eine kritische ist - uneingeschränktes Lob gab's kaum. Nicht nur "Frank" verband auf der Facebookseite der WAZ Mediengruppe seine Einschätzung mit Kritik an anderen Ermittlerteams: "Es braucht weder verkrampfte Skurril-Komiker noch Möchtegern-Actionhelden. Eine gute Story und vor allem gute Schauspieler reichen völlig aus, um mich prima zu unterhalten."

Dass Wotan Wilke Mähring ein guter Schauspieler ist, stellte kaum ein User in Frage. Das Drehbuch aber war vielen zu versatzstückhaft. "Andrea" schreibt uns auf Facebook: "Vorhersehbar. Erst mögen sich Hospitantin und Kommissar nicht, zicken sich an, dann haben sie sich lieb. Dazu echte Männerfreundschaft inklusive übers-Feuer-Springen und herzhaftes Lachen wie am Ende der alten Hörspiel-Kassetten. Und natürlich wieder beziehungsunfähig. Kein wirklich schlechter ,Tatort', aber es gibt Bessere."

In einigen Details war der Film nicht stimmig, finden die internetaffinen "Tatort"-Fans. "Viele nachsynchronisierte Szenen", kommentierte "Friedel" auf der Facebookseite der Sendung. "Stefan": Die synchronisierten Passagen wirkten direkt immer wie aus 'nem Schwedenkrimi." "Miriam" mutmaßte: "Vielleicht war irgendein Mikro ausgefallen." Und "Werry Dangerous" fühlte sich auf den Schlips getreten, als der Kommissar über eine antifaschistische Gruppe als "Studentenverein" lästerte: "Den Antifa-Diss hättet Ihr Euch einfach mal sparen können."

Wotan Wilke Möhring oder Til Schweiger?

Die Frage aller Fragen lautete indes: Wer ist der bessere Hamburger, Wotan Wilke Möhring oder Til Schweiger? "Endlich mal wieder ein wirklich guter ,Tatort' aus Hamburg", schrieb "Marcus" nach dem Krimi. Und "Iris" meinte: "Wotan, dat is' nich so 'ne gewollte Coolness, sondern 'ne natürliche." "Schlechter als Schweiger geht gar nicht. Wotan mit diesem Clown zu vergleichen, ist fast schon eine Beleidigung", schrieb "Steffen". Nur wenige warfen sich für Schweigers Action-Interpretation in die Bresche. So wie "Bloxxter": "Das Wotan-Konzept gibt es doch jeden Sonntag. Lasst den Til doch einmal im Jahr was anderes machen."