Zoff um Ruhrpott-Klischee bei Sat.1-Serie mit TV-Anwalt Lenßen

Katharina Klöber
TV-Anwalt Ingo Lenßen ist jetzt in Essen tätig. Das Motto der neuen Folgen, "Der Pott ist sein Büro", ärgert Ruhrgebiets-Touristiker.
TV-Anwalt Ingo Lenßen ist jetzt in Essen tätig. Das Motto der neuen Folgen, "Der Pott ist sein Büro", ärgert Ruhrgebiets-Touristiker.
Foto: Jakob Studnar
Bilder von rauchenden Schloten und grauen Industriegebäuden in der jüngst nach Essen gewechselten Sat.1-Serie von TV-Anwalt Ingo Lenßen stoßen bei der Ruhr Tourismus GmbH auf Kritik. Die Touristiker bemängeln, Lenßen vermittle ein veraltetes Image vom Ruhrgebiet.

Berlin/Essen. Kaum angelaufen, gibt es schon Zoff um TV-Anwalt Ingo Lenßen. Für die neuen Folgen, die Sat.1 seit dem 5. März im Vorabendprogramm ausstrahlt, hat der Münchener seine Kanzlei ins Ruhrgebiet, nach Essen, verlegt. Auf dem Werbeplakat für die Sendung thront der Mann mit dem gezwirbelten Schnurrbart in seinem Schreibtischstuhl auf einer Halde. Im Hintergrund: Dunkle Industriegebäude und rauchende Schlote.

Das Motto für die neuen Folgen lautet: "Der Pott ist sein Büro". Ein Klischee, dass die Ruhr Tourismus GmbH nervt. „Wir sehen das nicht gerne“, sagt Jochen Schlutius von Ruhr Tourismus. „Das alte Image vom Kohlenpott ist zwar immer noch begehrt“, sagt er, „aber wir wollen den Menschen in Deutschland lieber das neue Bild vom Ruhrgebiet zeigen.“ Auf der ITB Berlin 2012 wirbt Ruhr Tourismus deshalb mit erstklassigen Kulturveranstaltungen, guter Küche und und dem Ruhrtalradweg um Besucher.

SAT.1-Sprecherin Diana Schardt erklärt die Wahl des Plakats so: „Anzeigenmotive arbeiten mit Stereotypen und überspitzten Darstellungen. Das ist auch in diesem Fall so.“ Seine Schönheit wolle man dem Ruhrgebiet aber nicht absprechen. TV-Anwalt Ingo Lenßen meint: „Mir gefällt das Motiv, da es genau das in den Mittelpunkt stellt, was der Pott war und heute noch ist: Er hat seine alten Industrieanlagen in Kulturstätten umgewandelt.“ Ganz so genau nimmt es Sat.1 anscheinend dennoch nicht. Schließlich haben Kulturstätten in ehemaligen Industriegebäuden heutzutage keine rauchenden Schlote mehr.