"Wild Island" bietet Langeweile pur statt Natur pur

Wild Island? Das hatten sich auch die Teilnehmer anders vorgestellt.
Wild Island? Das hatten sich auch die Teilnehmer anders vorgestellt.
Foto: ProSieben
Es soll ein Experiment sein: Vier Wochen fernab der Zivilisation ums Überleben kämpfen. Doch die erste „Wild Island“-Folge bietet wenig Spannendes.

Gibraleon.. 30 Grad, strahlender Sonnenschein, Strand und kristallklares Wasser – klingt wie ein Urlaub in der Karibik, doch für die 14 Teilnehmer der neuen ProSieben-Realityshow „Wild Island“ hat der Aufenthalt auf einer einsamen Insel wenig mit Ferien zu tun. Vier Wochen lang haben die acht Männer und sechs Frauen auf der Insel Gibraleon (Panama) zwei Aufgaben: überleben und sich selbst dabei filmen. Am Sonntag wurde die erste Folge ausgestrahlt.

Wer macht denn sowas? – Keine Klischee-Promis

Die Abenteurer sind keine Prominenten wie im Dschungelcamp, entsprechen aber auch nicht dem klassischen Klischee, das man aus Scripted-Reality-Shows von RTL2 und Co. kennt. So finden sich unter den Teilnehmern auch ein Jurist, ein Assistenzarzt und eine Ingenieurin. Sie alle wollen sich auf ein Experiment einlassen, mal ausprobieren, wie es sich lebt ohne Internet und prall gefüllten Kühlschrank.

Der junge Mediziner Johannes will geerdet werden, mehr zu schätzen wissen, was er hat. Schuhverkäuferin Irina will „zeigen, dass sie mehr kann“. Ihre Mitstreiterin Annika wünscht sich Entschleunigung von ihrem Job als Ingenieurin.

Mit Wasser für die ersten 24 Stunden werden die Teilnehmer auf die Insel gebracht, getrennt in Männer und Frauen. Es gilt den Strand zu finden und einen Unterschlupf für die Nacht zu bauen. Gewusel, Stimmengewirr und Chaos. Die Männer stehen ratlos inmitten von Mangroven und wissen nicht, wo lang. Prompt übernimmt Johannes das Ruder und macht sich selbst zum Anführer der Männertruppe. Während sich die Herren der Schöpfung mit Macheten bewaffnet durchs Dickicht schlagen, stehen die Frauen wie der Ochs vorm Berg. „Hmm, ich würde sagen untenrum, oder?“, sagte eine von ihnen und blickt hilflos auf das Buschwerk. Ne, lieber nicht.

Wild Island - „Haben uns das ganz anders vorgestellt“

Sie entscheiden sich lieber im Wasser um die Insel herum zu laufen. Doch das geht nur solange gut, bis Irina auf den glitschigen Steinen ausrutscht und sich das Knie aufschlägt.

„Wir haben uns das ganz anders vorgestellt“, sagt sie in die Kamera. Ernüchterung macht sich breit. Spätestens als die Frauen den Strand gefunden und festgestellt haben, dass der voller Müll und Dreck ist, wird allen bewusst, dass sie nicht im Paradies sind. Allen bis auf Studentin Svenja, die sich wie ein kleines Kind über einen blauen Plastikkamm freut. Es fehlt nur noch ein Spiegel und ihr Glück wäre perfekt.

Erste Streitereien kommen auf: Annika ist keine Teamplayerin, beschwert sich eine der Frauen. Gut, dass mittlerweile Anführer Johannes mit den anderen Männern den Strand erreicht. Wasser suchen, Hütte bauen – er teilt alle in Gruppen auf. Johannes ist auch zur Stelle als das erste Drama über die Abenteurer hereinbricht. Svenja ist barfuß in Dornen getreten. Herzzerreißend schluchzt sie, wie schwer das alles doch sei. „Du musst niemandem etwas beweisen“, sagt der junge Arzt und streicht ihr väterlich über die Schultern.

Lohnt es sich, bei "Wild Island" einzuschalten?

Außer dass die Teilnehmer die Insel erreichen und sich treffen, passiert in der ersten Folge nicht viel. Dschungelprüfungen oder Schatzsuchen, die für Abwechslung sorgen, fehlen. Langeweile pur. Interessant wird es wahrscheinlich erst, wenn es um die Nahrungsbeschaffung und die Suche nach Wasser geht. Was auf der Insel passiert, kann man als Zuschauer nicht beeinflussen. Keine Anrufe, keine Nominierungen, keine witzigen Larissa Marolt-Momente.

Trotz fehlender Ekelprüfungen, haben Irina und Svenja das Potenzial zu Insel-Zicken zu werden. Und genau davon wir die Show leben müssen, will sie die Zuschauer nicht langweilen. Ausgehungerte, durstige und übermüdete Kandidaten, die sich bei der kleinsten Gelegenheit an die Gurgel springen.

„Es ist kein Spiel“ – die Stimme aus dem Off unterstreicht immer wieder den Ernst der Lage. Der Survival-Experte Ross Bawyer erzählt von giftigen Pflanzen, tödlichen Schlangen und anderen Gefahren. Die ständige Kommentierung der Lage, trägt nicht zur Dramatik bei, sondern nervt. Darauf hätte getrost verzichtet werden können, denn seien wir mal ehrlich, die Gefahr, dass einer der Kandidaten bei "Wild Island" stirbt, ist nun wirklich sehr gering – und das weiß auch der Zuschauer.

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