Wie DSDS verzweifelt gegen "The Voice of Germany" kämpft

Ingmar Kreienbrink
Der Kampf der Casting-Shows ist eröffnet: Dieter Bohlen verliert gegen "The Voice of Germany" mit der Jury aus The BossHoss, Nena, Rea Garvey und Xavier Naidoo in der Gunst der Fans an Boden.
Der Kampf der Casting-Shows ist eröffnet: Dieter Bohlen verliert gegen "The Voice of Germany" mit der Jury aus The BossHoss, Nena, Rea Garvey und Xavier Naidoo in der Gunst der Fans an Boden.
Foto: Montage: DerWesten
Verzweifelt kämpft DSDS-Chef Dieter Bohlen mit verbalen Attacken gegen die Konkurrenz von "The Voice of Germany" und "Unser Star für Baku". Doch die neue DSDS-Staffel ist mit so einer schwachen Zuschauerquote wie seit Jahren nicht mehr gestartet. Viele Castingshow-Fans ziehen offenbar guten Gesang menschenverachtenden Kritiken vor.

Essen. Ob Dieter Bohlen wohl schon vor dem Start der neuen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) eine böse Vorahnung hatte, als er zum verbalen Rundumschlag gegen andere Casting-Formate wie "The Voice of Germany" oder "Unser Star für Baku" ausholte? Die neunte Staffel von DSDS startete am Samstag bei RTL so schwach wie seit neun Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte die Resonanz um 1,3 Millionen auf 6,17 Millionen Zuschauer.

Dabei hatte DSDS-Aushängeschild Dieter Bohlen in einem Interview vor dem Start noch verzweifelt versucht, sich von Vergleichen frei zu strampeln. "Wir sind das Original. Das ist doch alles Gequake - die sollen erst mal 'ne Nummer auf die 1 kriegen", kommentierte Dieter Bohlen angesprochen auf das hohe gesangliche Niveau und die propagierte Suche nach echten Stars in Shows wie "The Voice of Germany" und "Unser Star für Baku".

Lieber Niveau bei "The Voice of Germany" statt talentfreier DSDS-Sänger

Doch viele Fans von Casting-Formaten sind es offenbar leid, dass talentfreie DSDS-Kandidaten von Dieter Bohlen mit derben Sprüchen niedergemacht werden. Stattdessen sehnen sie sich nach sachlicher Kritik. Auch wenn etwa bei "The Voice of Germany" der Kuschelkurs der Jury mit Nena, Ray Garvey, Xavier Naidoo und The BossHoss mit den Kandidaten teilweise etwas übertrieben ist. Konstruktive Kritik ist allerdings auch erst möglich, wenn die Sängerinnen und Sänger ein gewisses Mindest-Niveau erreicht haben.

Das fehlt leider allzu häufig bei "Deutschland sucht den Superstar". Selbst die Kandidaten, die es in die DSDS-Liveshows geschafft haben, werden regelmäßig von der Jury um Dieter Bohlen in der Luft zerrissen. Kritik an diesem Vorgehen lässt Bohlen nicht gelten: "Das ist leider blinde Hilflosigkeit, weil sie unseren Erfolg nicht verstehen und sonst keine Argumente haben." Für den Pop-Titan, wie Bohlen häufig genannt wird, ist die Entwicklung der No-Name-Talente während der Show die eigentliche Geschichte.

DSDS will weiter mit schrägen Kandidaten-Auftritten punkten

Dass der Zuschauer dabei immer wieder miese Gesangsdarbietungen geboten bekommt, nimmt Dieter Bohlen gerne in Kauf. Doch auch hier scheiden sich nun die Geister. Die Shows "The Voice of Germany" und "Unser Star für Baku" starten bereits ausschließlich mit Kandidaten, bei denen man nicht direkt den Ton am Fernseher leiser stellen will.

Was DSDS als Alleinstellungsmerkmal bleibt, sind also die skurrilen, zum Teil bemitleidenswerten, Kandidaten, die sich mit einem schrägen Auftritt vor der Jury von "Deutschland sucht den Superstar" mit Dieter Bohlen, Cascada-Sängerin Natalie Horler und Bruce Darnell und einem Millionen-Publikum der Lächerlichkeit preis geben.

Peinliche Parodie auf "The Voice of Germany"

Doch auch hier setzte schon in der ersten Show am Samstag der Gähnfaktor ein. Der "Party Boy" Alexander Fähnrich, der sich die Klamotten vom Leib riss und im String-Tanga um Natalie Horler herum tänzelte, war für DSDS-Fans der Casting-Runden nichts Neues. Gnade ließ Bohlen bei dem nuschelnden Umzugshelfer Sascha walten, dem der Juror lediglich bescheinigte, dass dieser nicht singen kann. Skandale, über die sich die DSDS-Fans das Maul zerreißen können? Fehlanzeige!

Da ist schon eher der peinliche Versuch der DSDS-Jury, das Konzept von "The Voice of Germany" zu parodieren, ein Gesprächsthema. Bei Kandidatin Christin Nititzki krochen Dieter Bohlen, Natalie Horler und Bruce Darnell unter den Tisch, um vielleicht zu beweisen, dass auch bei "Deutschland sucht den Superstar" die Stimme zählt.

RTL wird wohl bei DSDS auf die Faktoren Sex und Tränen setzen

Auch der Trailer auf die zweite DSDS-Folge am Mittwoch um 20.15 Uhr auf RTL verheißt nichts Gutes: Dieter Bohlen schreit nach einem Joe-Cocker-Cover nach Klopapier. Ein anderer Kandidat zeigt sich von seiner sportlichen Seite und schlägt ein völlig verunglücktes Rad. Spätestens wenn die besten Teilnehmer auf die Malediven fliegen, muss RTL im Kampf gegen "The Voice of Germany" und "Unser Star für Baku" wohl wieder auf den Sex-Faktor mit Mädchen in knappen Bikinis hoffen. Auch heftige Heulkrämpfe sind schon abgedreht, verrät die DSDS-Seite von RTL. Ob das die Quoten wieder auf das Niveau der Vorjahre heben wird, ist trotzdem fraglich.