Wie "Der Club der roten Bänder" Damian Hardung verändert hat

Leo (Tim Oliver Schultz), Emma (Luise Befort), Alex (Timur Bartels), Toni (Ivo Kortlang), Hugo (Nick Julius Schuck) und Jonas (Damian Hardung, v.l.) sind "Der Club der roten Bänder".
Leo (Tim Oliver Schultz), Emma (Luise Befort), Alex (Timur Bartels), Toni (Ivo Kortlang), Hugo (Nick Julius Schuck) und Jonas (Damian Hardung, v.l.) sind "Der Club der roten Bänder".
Foto: VOX /Martin Rottenkolber
Fast über Nacht ist Damian Hardung durch "Der Club der roten Bänder" bekannt geworden. Er spielt in der Vox-Serie den Jonas. Wir haben ihn getroffen.

Köln.. Man erkennt Damian Hardung nicht auf Anhieb, wie er da im Foyer eines Kölner Hotels sitzt. Wieder gewachsen ist das Haar, und als er sich zur Begrüßung aus dem Sessel drückt, steht er auf zwei Beinen. Ganz anders als im Fernsehen, wo der 17-Jährige derzeit Jonas heißt und gegen den Krebs kämpft. Von der Chemo gezeichnet, glatzköpfig, ein Bein amputiert. Einer von sechs schwer kranken Jugendlichen, die im Krankenhaus einen Club gründen, um sich gegenseitig zu helfen und dem tristen Alltag in der Klinik zu entfliehen.

„Der Club der roten Bänder“ (Vox, montags 20.15 Uhr) heißt die oft traurige, nicht selten sarkastische, manchmal sogar witzige, aber stets berührende Serie, die auf einer wahren Geschichte beruht, von Kritikern und Publikum mit Lob förmlich überschüttet wird und Damian fast über Nacht bekannt gemacht hat.

"Der Club der roten Bänder" basiert auf wahren Erlebnissen

Dabei steht er schon lange vor der Kamera. „Angefangen habe ich mit Kurzfilmen, Low Budget“, winkt er bescheiden ab. „Nichts Großes.“ Aber immerhin groß genug, dass sie ihn anfragen für die deutsche Version des Clubs, der auf den wahren Erlebnissen von Albert Espinosa beruht.

Damian liest sein Buch, schaut in das Original hinein und ist begeistert. Nicht nur, weil hier nicht wie üblich aus Arzt-, sondern aus Patientensicht erzählt wird, sondern weil sich die Geschichte „nicht über Leid definiert“, sondern auch einen „positiven Schimmer“ hat.

Reaktionen in Sozialen Netzwerken berühren Damian Hardung

War es schwierig, sich als gesunder junger Mann in die Rolle eines todkranken Teenagers hineinzufinden? Damian überlegt kurz. Er hat mehrere Praktika in Krankenhäusern gemacht, war vor einiger Zeit nach einem Beinbruch selber lange Zeit ans Haus gefesselt und musste während der Dreharbeiten auch privat mit Glatze herumlaufen, was ihm viele „mitleidige Blicke“ beschert hat, „die einem jede Normalität rauben“.

Das alles hat geholfen, den Jonas zu spielen, aber letztendlich, glaubt Damian, „kann man vieles nur erahnen“. Das machen er und seine Mitspieler aber offenbar so überzeugend, dass sich in den sozialen Netzwerken viele Menschen melden, die erleben, was Damian nur spielt. „Sie fühlen sich ernst genommen und sagen, die Serie mache ihnen Mut“, sagt der Schauspieler. Das berührt ihn. „Manchmal weiß ich gar nicht, was ich antworten soll.“

"Der Club der roten Bänder" läuft noch bis zum 7. Dezember

Noch bis zum 7. Dezember läuft die erste Staffel von "Der Club der roten Bänder". „Wir hoffen natürlich alle, dass es weitergeht“, sagt Damian. Er wäre jedenfalls dabei, er hätte Zeit. Derzeit aber sind Dreharbeiten kein Thema. „Im März mache ich Abi, bis dahin habe ich alles andere abgesagt.“ Obwohl er Schule und Film bisher gut unter einen Hut bringen konnte, wie sein derzeitiger Notenschnitt von 0,7 zeigt. Nur aus der Fußball-A-Jugend von Fortuna Köln, die in der Bundesliga kickt, hat er sich verabschieden müssen.

„Für Training war keine Zeit mehr.“ Schließlich spielt der junge Mann auch noch Klavier und lernt derzeit Chinesisch. Aber über so etwas redet Damian nicht von sich aus. Und auch von dem einjährigen Stipendium für Hochbegabte, das er mit 14 Jahren für eine angesehene Privatschule in New York bekam, erzählt er nur, wenn man ihn ausdrücklich danach fragt.

Erst die Schule - dann ein Medizinstudium?

Dass man ihn immer öfter erkennt auf der Straße, findet er „ganz lustig“, ahnt aber, dass das „auch mal anstrengend sein kann“. Schon jetzt sei es „ein komisches Gefühl“, wenn jemand bei einem Kneipenbesuch heimlich Fotos von ihm mache. „Man muss nicht alles mit der Öffentlichkeit teilen.“ Wie etwa die Freundin, deren Existenz Damian zwar bestätigt, mehr aber nicht sagen will zu diesem Thema.

Wie es weitergehen soll, Damian kann es nicht sagen. Gerade hat er sich für ein Medizinstudium in Oxford beworben. „Ich weiß aber nicht, ob ich dort angenommen werde.“ Vielleicht weiß er nicht einmal, ob er im Augenblick dort angenommen werden will. „Ich möchte mich nicht festlegen. Kann ja sein, dass es auch interessante neue Rollenangebote gibt.“ Zu sehr verlassen will er sich auf eine Karriere vor der Kamera allerdings nicht. „Man muss da ganz realistisch bleiben“, sagt Damian. „Schon morgen kann der ganze Hype wieder vorbei sein.“

 
 

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