Warum „Tatort“-Kommissar Murot noch ärmer dran ist als Faber

Immer wieder neu, immer wieder stark: Ulrich Tukur als LKA-Ermittler Felix Murot.
Immer wieder neu, immer wieder stark: Ulrich Tukur als LKA-Ermittler Felix Murot.
Foto: HR
Jetzt auch noch Suff und Depressionen? Wir zeigen, warum es kaum eine bemitleidenswertere „Tatort“-Figur gibt als LKA-Mann Felix Murot.

Berlin.. Okay, am Ende ist es dann doch wieder gut ausgegangen für Felix Murot. Kurz vor 21.45 Uhr war auch der Bösewicht des jüngsten „Tatort“ ausgeschaltet, und der von Ulrich Tukur wie gewohnt großartig gespielte LKA-Ermittler konnte mit seiner Sekretärin in Ruhe Kaffee trinken gehen. Trotzdem musste man sich einmal mehr fragen: Was muss der arme Murot denn noch alles überstehen?

Wir zeigen, warum der Kommissar aus Wiesbaden die wohl bemitleidenswerteste Figur der „Tatort“-Reihe ist.

Das Nahtod-Problem

Zugegeben: Horst Schimanski (gespielt von Götz George) hatte auch nie ein Problem damit, dorthin zu gehen, wo es wehtut. Aber was Felix Murot in sechs Episoden durchmachen musste, das schaffen manche nicht ein einem Jahrzehnt als „Tatort“-Kommissar.

Erst musste er sich mit abgetauchten RAF-Mitgliedern rumschlagen, dann mit einem Organhändler, der ihn ausweiden wollte, schließlich mit einem rachelüsternen, exil-bolivianischen Drogenbaron – und nun mit einem Serienkiller, für den er sich die Pulsadern aufschneiden musste. Für so viel Nahtod-Erfahrung müsste selbst Nick Tschiller (Til Schweiger) noch ein paar Kinofilme drehen.

Apropos Til Schweiger: Der hat ja seinen „Tatort“-Ableger immer als besonders actionreich und wild angepriesen. Den inoffiziellen Rekord für die meisten Leichen in einer Episode hält allerdings die Murot-Reihe. In „Im Schmerz geboren“ zählte der Blog tatort-fundus.de 51 Leichen. Müßig zu erwähnen, dass Murot um ein Haar Nummer 52 geworden wäre.

Das Gesundheitsproblem

Kommissare sind ja auch nur Menschen. Und die haben nun mal ihre Zipperlein. Wie zum Beispiel Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Die Ermittlerin aus Kiel ist Epileptikerin und war dadurch in einigen ihrer Fälle zumindest vorübergehend gehandicapt. Ein Leiden, das Felix Murot zeitweise wahrscheinlich gerne gegen seines eingetauscht hätte.

Denn der wackere Wiesbadener ermittelte volle zwei Episoden mit einem Gehirntumor, von dem man nicht wusste, was genau er mit Murot machen würde. Es setzte Kopfschmerzen ohne Ende, vorübergehenden Orientierungsverlust und regelmäßige Halluzinationen. Letztere konnten für den Zuschauer durchaus unterhaltsam sein – weniger aber für Murot. Oder meinen Sie, es sei hilfreich, wenn sich ein dubioser Organhändler mitten in der Befragung in ihrem Kopf in die singenden Kessler-Zwillinge verwandelt?

Naja, Murot ist den Tumor seit seinem dritten Fall los. Leider werden die anderen Probleme dadurch nicht weniger.

Das Trauer-Problem

Was die Trauer mit einem „Tatort“-Kommissar machen kann, dürfte spätestens seit der Ankunft von Peter Faber (Jörg Hartmann) bei der Kripo in Dortmund jedem klar sein. Faber hat seine Frau und sein Kind verloren – und damit offenbar auch Selbsterhaltungstrieb und Skrupel. Bei seinem Mundwerk kommt man manchmal durcheinander, ob er eigentlich der Bulle oder der Böse ist.

Das Mundwerk bei Murot freilich ist ein anderes, auch sein Auftritt ist deutlich galanter als der von Im-Auto-Schläfer Faber. Allerdings nur bis zum Feierabend, wie wir jetzt erfahren haben. Denn auch Murot kommt nicht über den Tod eines Familienmitglieds hinweg. In einer Rückblende haben wir am Sonntag den Murot im Kinderalter gesehen, wie er seinen Vater im Garten sucht – und ihn tot an einem Baum baumelnd findet.

Um das alles zu vergessen, gibt’s bei Murot abends gerne mal einen Drink. So ähnlich wie beim ehemaligen Frankfurt-Ermittler Frank Steier (Joachim Król). Der brachte immerhin sieben Fälle mit Dauerpegel hinter sich – allerdings nur mit Bier und Schnaps. Bei Murot ist es ein Cocktail aus Alkohol, Tränen und Verzweiflung.

Das Familienproblem

Die glückliche Familie, die der Kommissarin oder dem Kommissar den Rücken stärkt und nach Feierabend mit ihm auf der Couch entspannt, ist im „Tatort“ ja eher eine Rarität. Die Hannoveranerin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) zum Beispiel ist alleinerziehend, der Kölner Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) hat kaum mal was Langfristiges, dem Stuttgarter Sebastian Bootz (Felix Klare) ist neulich erst die Frau weggelaufen. Und Murot? Hat sich das alles wohl abgewöhnt.

Eigentlich erfährt man von seinem Liebesleben nur, dass er mal eine Dreier-Beziehung mit einer Frau und einem Mann hatte. Der Mann, das ist der exil-bolivianische Drogenbaron, der in „Im Schmerz geboren“ so viele Leichen hinterließ und einst mal Murots bester Freund war, wanderte mit der Frau aus. Murot blieb allein – und erfuhr niemals, dass die verlorene Frau seinen Sohn zur Welt brachte. Vielleicht auch besser so: Denn die Frau starb bei der Geburt und der Sohn wurde ein vielfacher Mörder.

Einmal kam Murot dann aber doch noch einer Frau näher. In „Wie einst Lily“ erinnerte ihn eine abgetauchte RAF-Terroristin an seine Jugendliebe. Allerdings wurde sie vor seinen Augen erschossen.

Fazit

Murot hat’s nicht leicht. Es wäre aber schön, wenn es noch eine Weile zum Überleben reichen würde. Denn man muss Murot einfach mögen. Nicht nur wegen Ulrich Tukur, sondern auch wegen seiner ganzen Probleme.

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