VW-Chef Diess klagt: Zu viele Emotionen in Diesel-Debatte

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Der Streit um Diesel-Abgase wird erbittert ausgetragen. VW-Boss Diess meinte bei „Maybrit Illner“: Es sind zu viele Gefühle im Spiel.

Berlin.  Der Dieselskandal stellt die Politik vor ein Dilemma: Einerseits will man es sich mit den Autokonzernen nicht verscherzen. Schließlich handelt es sich um große Arbeitgeber – und noch größere Lobbyisten. Andererseits ist auch schwer vermittelbar, dass am Ende die Verbraucher die Leidtragenden sein sollen.

Und so eiert die große Koalition seit Wochen zwischen Umtauschprämien, Hardware-Nachrüstungen und Dieselgipfeln umher. Die zentrale Frage, die am Donnerstagabend auch bei „Maybrit Illner“ auf den Tish kam, ist freilich noch immer nicht geklärt: Wer zahlt am Ende für den Skandal?

Gefahr für die Gesundheit

Gravierend ist, dass es bei dem Thema längst nicht nur um das Geld geht. „Stickoxyde sind sehr gefährlich, sie machen krank“, erklärte die Umweltmedizinerin Claudi Traidl-Hoffmann. Man wisse, dass sie unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Allergien führen. Dass es 2014 insgesamt 6000 vorzeitige Todesfälle wegen Stickoxyden gab, nannte Traidl-Hoffmann realistisch. Insbesondere gesundheitlich Schwache und Kinder seien für den Einfluss empfindlich.

Doch was tun? Fahrverbote würden laut Traidl-Hoffmann nur kurzfristig helfen. Wichtiger seien neue Mobilitätskonzepte, die auf eine schadstofffreie Fortbewegung setzen, forderte die Wissenschaftlerin. Schließlich sei man in der Stadt mit einer ganzen Suppe von negativen Umwelteinflüssen konfrontiert.

Was tun die Autohersteller?

„Wir sehen da schon Verantwortung bei uns“, sagte VW-Chef Herbert Diess zu der Angelegenheit. „Dennoch halte ich die Diskussion, die wir jetzt führen, für zu emotional.“ Zudem habe sich die Lage an vielen Messstationen bereits deutlich gebessert, auch habe Volkswagen unter anderem mit den Software-Updates bereits einiges getan. Zudem bietet VW Verschrottungs-Prämien beim Neukauf.

Interessant war, dass sich Diess trotzdem relativ offen für technische Nachrüstungen zeigte. „Wir werden uns daran beteiligen, wenn das funktioniert – und der Kunde es will“, sagte der VW-Chef. Um gleich nachzuschieben, dass der Umbau lange dauere und einen starken Eingriff in das Fahrzeug bedeute.

Was tut die Politik?

Die Bundesregierung muss Diess dabei noch immer nicht fürchten. Das machten die Aussagen von Kanzleramtschef Helge Braun deutlich, der nach wie vor ein wahres Kunststück vollbringen will: Fahrverbote, wie sie jetzt auch in Mainz drohen, vermeiden und gleichzeitig die Stickoxyde senken.

„Fahrverbote sind nur eine Möglichkeit“, sagte der CDU-Politiker zu dieser Herkulesaufgabe. Daneben gebe es viele Optionen, die den Dieselfahrern nicht schaden würden. Wie diese schnell und umfassend wirken können, ließ Braun allerdings offen.

Und wer zahlt? Braun: „Es gibt die klare Erwartung, dass die Diesel-Kunden nicht zur Kasse gebeten werden.“ Die Konzerne müssten sich um die Autobesitzer kümmern – und auch die Kommunen hätten mit Blick etwa auf intelligente Verkehrssteuerung eine Aufgabe.

Eine innovationsfeindliche Branche

Die Journalistin Cerstin Gammelin stellte dagegen den Imageschaden für die Autokonzerne heraus. „Man konnte sich nicht vorstellen, dass deutsche Maschinenbauer so einen Betrug begehen“, sagte die Journalistin der „Süddeutschen Zeitung“. Deshalb habe es mitunter auch so lange gedauert, bis die Vorgänge ans Licht gekommen seien.

Zugleich machte Gammelin deutlich, wie innovationsfeindlich die Branche ist. Immer wieder seien sinnvolle Veränderungen mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt und verschleppt worden. „Vor Jahren hieß es: Das Auto an der Ampel ausschalten schadet dem Motor. Heute haben viele Fahrzeuge eine Start-Stop-Automatik.“

Das Fazit

Der Dieselskandal, das machte diese Ausgabe von „Maybrit Illner“ deutlich, wird uns noch lange beschäftigen. Zu tief reichen die Verfehlungen, die von einer angeblich so kompetenten Industrie begangen wurden.

Wie widersinnig das Ganze auch unternehmerisch ist, machte schließlich Grünen-Politiker Cem Özdemir deutlich. VW habe in den USA wegen des Skandals Rückstellungen von 25 Milliarden Dollar gebildet, hielt der Grüne Konzernchef Diess vor. „Mit diesem Geld hätte man die Nachrüstung aus der Portokasse zahlen und in die Zukunft investieren können.“

Update: Klima-Debatte bringt „Hart aber fair“ harten Schlagabtausch

Zur Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek.

 
 

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