Viel Lob für brutalen Kölner Tatort "Franziska"

Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann) hat Franziska (Tessa Mittelstaedt) in einer Szene des "Tatort - Franziska" in seiner Gewalt.
Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann) hat Franziska (Tessa Mittelstaedt) in einer Szene des "Tatort - Franziska" in seiner Gewalt.
Foto: Foto: Martin Valentin Menke/WDR
Mit dem Tatort "Franziska" hat die ARD am Sonntagabend viel gewagt: Eine Ermittlerin sterben lassen - und dann auch noch so brutal, dass es erst um 22 Uhr gesendet werden kann. Im Netz überwogen die wohlwollenden Kommentare, der doppelte Tatort bescherte der ARD zudem Top-Quoten.

Köln. Gleich zwei Folgen "Tatort" sendete die ARD am Sonntagabend: Zur gewohnten Sendezeit ermittelte Joachim Król in Frankfurt. Um 22 Uhr folgte die Kölner Episode "Franziska". Sie war so brutal, dass die ARD sie nur im Spätprogramm ausstrahlen wollte.

Der Grund: Franziska (gespielt von Tessa Mittelstaedt), die die Zuschauer seit über zwölf Jahren als Kollegin der Kommissare Schenk und Ballauf kennen, wird von einem Sexualstraftäter als Geisel genommen und am Ende - ermordet.

Die ungewohnte Härte machte beim Publikum offenbar Eindruck - zumindest, wenn man die Kommentare auf Twitter und Facebook liest.

Frank Weissberg schrieb auf Twitter: "Boahh. Eine der seit urlanger Zeit besten Folgen vom Tatort". Und: "Da sitzt man echt noch 5 Minuten mit offenem Mund da. Der hat das Zeug zum 'Klassiker'."

Auch Tessa Mittelstaedts Tatort-Kollege Jan Josef Liefers meldete sich am Sonntagabend zu Wort. Etwas akademisch schrieb Liefers, der im Münsteraner "Tatort" spielt: "Konsequent war die Ausstiegsgeschichte!"

Aber es gab auch Kritik. Moritz Stiepert twitterte Zweifel an der Geschichte: "Ich nehme meine Bewährungshelferin als Geisel, um meine Unschuld zu beweisen. Der Geiselnehmer ist nicht der hellste!" Und "Herr Rampensen" schrieb: "Dieser Tatort ist so spannend, ich könnte glatt ins Bett gehen."

Auf Facebook gab es Lob für die Schauspieler - nicht nur für Tessa Mittelstaedt: "Kongratulation auch an Herrn Schönemann. Ihr beide habt's echt geschafft, dass ich mir einen Tatort nicht nur anschaue, sondern auch gebannt bin. Danke dafür. Und jetzt ab in die verdiente Elternzeit, Madame!", schrieb Leonie Adam.

Andreas Köhler schrieb: "Einer der wohl besten Tatort- Sidekicks aller Zeiten, die toughe Franziska, stirbt grausam. Vorher brilliert sie, ebenso wie ihr Mörder - mit enormen schauspielerischem Können und macht's einen umso schwerer, ab sofort auf sie verzichten zu müssen."

Aber das ist die Seelenpein, die die Tatort-Zuschauer am Sonntag aushalten mussten. Luke Frasch schrieb auf Facebook: "Da wünscht man sich seit zig Jahren, dass ein Film endlich mal anders ausgeht, als man es erwartet - die Guten überleben, die Bösen sterben oder werden geschnappt. Dann ist es endlich mal soweit, die Gute stirbt tatsächlich - und man sitzt fassungslos davor und will es nicht wahr haben. Sehr guter Tatort, auch, oder vielleicht gerade wegen des unvorhersehbaren Endes."

ARD klarer Quoten-Sieger mit dem doppelten Tatort 

Die beiden Tatort-Erstausstrahlungen haben der ARD dann auch Top-Quoten beschert. Zuerst sahen im Schnitt 9,37 Millionen Menschen (25,3 Prozent Marktanteil) die Frankfurter Folge "Der Eskimo" ab 20.15 Uhr mit Joachim Król als Kommissar Frank Steier, der einen Mord im Park beobachtet und zur Aufklärung Kommissaranwärterin Linda Dräger (Alwara Höfels) zur Seite gestellt bekommt.

Dann schalteten 7,32 Millionen (27,0 Prozent) den vieldiskutierten Kölner Krimi "Franziska" ein, in dem die Ermittler Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) ihre Assistentin Franziska (Tessa Mittelstaedt) bei einer Geiselnahme in einem Gefängnis verlieren. Der "Tatort" wurde wegen des "Gesamtbedrohungspotenzials", wie der Sender es formulierte, erst nach 22 Uhr gesendet. Zum Vergleich: Günther Jauch kam um 21.45 Uhr mit seinem Talk 2013 auf durchschnittlich 4,86 Millionen Zuschauer.

ZDF-Mittelalterdrama "Die Pilgerin" mit 6,39 Millionen Zuschauern

Immerhin kam die erste Folge des zweiteiligen ZDF-Mittelalterdramas "Die Pilgerin" mit Josefine Preuß um 20.15 Uhr auf 6,39 Millionen Zuschauer (17,3 Prozent). Die Vorlage stammte von dem Autorenduo Iny Lorentz, das auch das Buch zum Sat.1-Film "Die Wanderhure" schrieb. Mit größerem Abstand folgte der ProSieben-Fantasyactionfilm "X-Men: Erste Entscheidung", für den sich 3,04 Millionen Menschen (8,8 Prozent) entschieden.

Auf die Sat.1-Krimiserie "Navy CIS", die in einer Doppelfolge ausgestrahlt wurde, entfielen 3,02 Millionen (8,2 Prozent) und 2,67 Millionen Zuschauer (7,5 Prozent), auf die RTL-Komödie "Happy New Year" 2,20 Millionen (6,1 Prozent), auf den RTL-II-Science-fiction-Film "Arctic Blast - Wenn die Welt gefriert" 1,37 Millionen (3,8 Prozent) und auf die Vox-Reihe "Das perfekte Promi Dinner" 1,33 Millionen (3,8 Prozent).

Nach fünf Tagen im neuen Jahr liegen das "Erste" und das ZDF gleichauf mit 13,7 Prozent an der Spitze. RTL als stärkster Privatsender erreicht 10,1 Prozent. Sat.1 folgt mit 7,1 Prozent, ProSieben kommt auf 6,3 Prozent, Vox auf 4,8 Prozent, Kabel eins auf 3,9 Prozent, RTL II auf 3,8 Prozent und Super RTL auf 2,0 Prozent. (abe/dpa)