„Undercover Boss“ bei RTL – Der Chef als Praktikant

Mika Ramm, Geschäftsleiter der Firma Eismann, wird eine Woche lang undercover in dem eigenen Unternehmen arbeiten, um sich ein genaues Bild von der Arbeit an der Basis zu verschaffen. Foto: RTL
Mika Ramm, Geschäftsleiter der Firma Eismann, wird eine Woche lang undercover in dem eigenen Unternehmen arbeiten, um sich ein genaues Bild von der Arbeit an der Basis zu verschaffen. Foto: RTL

Essen.. Der Praktikant dort könnte Ihr Chef sein. Macht Ihnen das Angst? Muss es vielleicht gar nicht. RTL schickt in seiner neuen Doku-Reihe „Undercover Boss“ Chefs in die unteren Etagen. Sie wollen sehen, wo es so hapert im Unternehmen. Keineswegs sei dies aber eine neue Form der Mitarbeiterkontrolle, schwört der erste Boss, der an dem Experiment teilnimmt.

Alfred „Ali“ Traut ist Rollimann mit Leib und Seele. Er leitet eine Betriebsstation des Lebensmittellieferanten Eismann. Täglich macht er unbezahlte Überstunden, weil er die Arbeit sonst, wie er sagt, nicht schafft. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass die, die das entscheiden, gar nicht wissen, was sie da machen“, lautet sein Urteil über die Unternehmensführung. Was er nicht weiß: Sein Chef steht neben ihm und hört zu. RTL schickt in der neuen Doku-Reihe „Undercover Boss“ jeden Montag ab 21.15 Uhr Chefs in die verschiedenen Abteilungen ihrer Firma. Unerkannt, versteht sich. Ein Experiment, über das sich sicherlich viele Angestellte freuen würden.

Eigentlich trägt Mika Ramm, 43 Jahre alt und Geschäftsführer des Tiefkühllieferanten Eismann, bei der Arbeit Anzug und Krawatte. Sein Job findet in einem Büro statt, wo ihm die Sekretärin Kaffee an den Schreibtisch bringt. Manchmal versammelt sich Mika Ramm mit anderen Krawattenträgern in einem Konferenzraum und sie treffen gemeinsam wichtige Entscheidungen. Aber etwas läuft schief: Die Verkaufszahlen, sagt der charmante Chef in die Kamera, stagnieren deutschlandweit. Um herauszufinden, woran das liegen könnte, will sich Ramm in verschiedene Bereiche seines Unternehmens einschleusen lassen. Mal sehen, wie es da so läuft. Aber er betont: „Das wird keine Mitarbeiterkontrolle!“ Ein leicht schaler Beigeschmack bleibt dem Zuschauer wohl trotzdem.

Mit Dreitagebart, Brille, Jeans und Snoopy-Shirt

Mit Dreitagebart, Brille, ausgewaschener Jeans und Snoopy-Shirt sieht Mika Ramm zwar nicht mehr aus wie ein Manager – wie ein Hartz-IV-Empfänger auf Arbeitssuche wirkt er aber auch nicht. Damit die Eismann-Mitarbeiter keinen Verdacht schöpfen, behauptet Ramm nämlich, die Kamera filme ihn beim Jobs-Testen. Er sei ein Arbeitsloser namens Rico Meisner, der verschiedene Berufe ausprobieren wolle. Die Versuchskaninchen glauben ihm das.

Erhofft hatte sich der Chef auf geheimer Mission, dass seine Untergebenen frei heraus zugeben, was ihnen nicht passt an ihrem Job. Mit dem Kamerateam im Raum ist das aber nicht besonders einfach. Lagerist Ali Traut spricht zwar an, dass es seinen Vorgesetzten manchmal an Praxiserfahrung mangele, mehr Negatives ist aber aus ihm nicht heraus zu bekommen. Seinen Praktikanten Rico Meisner findet er aber durchaus angenehm: „Du fragst nur so viel“, meint er jedoch am Ende.

Beförderungen, Ehrungen oder Gratisurlaub

Mika Ramm wird seinen Chef-Charakter einfach nicht los. Auch wenn er sich redlich bemüht. So macht er der 24-jährigen Lena Schneider, die Kataloge an potenzielle Neukunden verteilt, sofort einen Vorschlag zur Arbeitsteilung: „Sie gehen da lang und ich da.“ Da zieht die junge Frau aber die Handbremse: Er habe hier seinen ersten Tag und da lasse sie ihn nicht sofort alleine auf die Leute los, stellt sie klar.

Vielleicht liegt es daran, dass RTL mit Mika Ramm einen durchweg sympathischen und offenbar aufrichtigen Chef gefunden hat. Denn die Vorahnung, dass es sich bei dem Experiment doch nur um eine versteckte Mitarbeiterkontrolle handeln könnte, bei der die Menschen in Privatsender-Manier bloßgestellt werden, bewahrheitet sich nicht. Ganz im Gegenteil: Ramm ist erstaunt, wie hart der Job seiner Angestellten wirklich ist. Als er nach seinen fünf Praktikumstagen die Mitarbeiter in die Firmenzentrale einlädt, warten dort nur positive Überraschungen auf sie: Beförderungen, Ehrungen oder Gratisurlaub. Vor laufenden Kameras sagt ein Boss eben auch ungern Negatives über seine Angestellten.

 
 

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