Tom Buhrow geht auf Europatour

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Essen. An fünf Tagen besucht Tom Buhrow fünf europäische Nachbarländer und möchte für die Wahl am 7. Juni werben. Im Interview verrät der ARD-Moderator, warum der Trip keine Lustreise wird.

Tom Buhrow geht auf Europatour. Vor der Europawahl am 7. Juni will der Tagesthemen-Moderator in der letzten Maiwoche Stimmen bei den Nachbarn einfangen.

Wird das eine nette Lustreise oder wo ist der sittliche Wert der Tour?

Tom Buhrow: (lacht) Leider wird das keine Lustreise. Ich habe vor zwei Jahren etwas Ähnliches zum Jahrestag der Römischen Verträge gemacht. Und ich weiß: Das ist Stress. Man kommt an einem Ort an, muss sich um das Team und die Themen kümmern und reist am nächsten Tag weiter. Manchmal gibt's noch nicht 'mal ein Essen.

Welche Orte werden Sie besuchen und nach welchen Kriterien wurden sie ausgesucht?

Buhrow: Wir haben die fünf Nachbarländer ausgewählt. Los geht's in Prag. Dort werden wir die tschechische Präsidentschaft und die erste EU-Erweiterungswelle thematisieren. In Danzig begeben wir uns auf die Spuren der Solidarnosc. In Salzburg hinterfragen wir die österreichischen Beziehungen zu Osteuropa und beleuchten die immer wieder auftauchtende Rechtslastigkeit. Über die Versuchung des Protektionismus und die Situation der Autoindustrie reden wir in Straßburg. Die Furcht der kleinen Länder vor den großen Nachbarn und der allmächtigen EU wird Diskussionsstoff bei unseren niederländischen Nachbarn in Amsterdam sein.

Ist Europa schwer zu vermitteln?

Buhrow: Ja, das glaube ich schon. Bei dieser Wahl ganz besonders – das spiegelt sich bereits in den unzähligen Wahlplakaten wider, die wir auf jedem Marktplatz sehen.

Hängt es auch damit zusammen, dass man das Gefühl hat, in Brüssel wird mehr entschieden als in Berlin?

Buhrow: Natürlich lässt sich das nicht leugnen. Der Einzelne hat immer häufiger das Gefühl: Meine Entscheidungsmöglichkeiten sind gering.

Oder umgekehrt: Ist es nicht auch so, dass hiesige Politiker positive Entscheidungen gerne für sich reklamieren, bei negativen aber sagen: Das kommt aus Europa?

Buhrow: Die Sündenbockstrategie wird sicherlich angewandt. Allerdings werden auch gerne innenpolitische Streitfälle, wenn hier vor Ort alles ausgereizt ist, nach Europa getragen.

Schließen wir mit der positiven Nachricht: Was finden Sie persönlich richtig klasse an Europa?

Buhrow: Die Freizügigkeit des Wohnens, Lebens und Arbeitens. Es ist wunderbar, dass junge Leute überall studieren können. Die internationalen Treffen sind durch Europa selbstverständlicher geworden. Außerdem erfüllt es mich mit Stolz, wenn Europa als Mitspieler auf der großen internationalen Ebene auftaucht.

 
 

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