The Voice of Germany – Percival explodiert, Kim Sanders verzaubert

Ingmar Kreienbrink
Percival und Kim Sanders zeigten bei “The Voice of Germany” überragende Auftritte. Bei dem Niveau können DSDS als auch „Unser Star für Baku“ bei weitem nicht mithalten. Yasmina Hunzinger und Benny Fiedler sind raus bei „The Voice of Germany“.

Essen. Gegensätzlicher hätten die zwei absoluten Höhepunkt bei „The Voice of Germany“ nicht sein können. Erst verzaubert Kim Sanders alle Musik-Fans. Anschließend fegt Percival mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz durch den Saal. Damit bewies „The Voice of Germany“ am Freitag auf Sat.1, warum die derzeit ebenfalls laufenden Castingshows „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) und „Unser Star für Baku“ im direkten Vergleich bei den Kandidaten keine Chance haben.

Dabei waren es nicht nur Percival und Kim Sanders, die die Zuschauer und die „The Voice of Germany“-Jury mit Nena, The BossHoss, Rea Garvey und Xavier Naidoo von den Stühlen rissen. Auch die anderen sechs Sängerinnen und Sänger unterstrichen mit ihren Auftritten das allseits gepriesene hohe Niveau unter den Kandidaten. Am Ende entscheiden Nuancen, wer es in die nächste Runde schafft.

Teams von Rea Garvey und Nena haben derzeit die Nase vorn

Jedenfalls dürfte nach Donnerstagabend den Coaches The BossHoss und Xavier Naidoo ein bisschen mulmig werden im Kampf um den Sieg der Teams bei „The Voice of Germany“. „Wir reden hier heute über Platz 1 und 2“, kündigte Rea Garvey vollmundig zu Beginn der Liveshow an. Und er sollte recht behalten. Denn derzeit scheinen die Teams Rea und Nena im Vergleich zu The BossHoss und Xavier Naidoo die einen Tick stärkeren Kandidaten in ihren Reihen zu haben.

Rea Garvey hat Percival bereits zum Start von “The Voice of Germany” als Teufel bezeichnet. Kein Kandidat gibt sich so exzentrisch wie der Kölner. Die Zuschauer lieben die ausgeflippte Art von Percival – „und ich liebe, was ich tue“, betont er selbstbewusst.

Percival ließ bei „The Voice of Germany“ die Sau raus

Am Donnerstag explodierte der Paradiesvogel förmlich auf der Bühne. Hatte Percival bereits mit Pamela Falcon im Battle von „The Voice of Germany“ stimmlich den besten jemals in Deutschland gezeigten Auftritt in einer Castingshow hingelegt, so zeigte er diesmal, dass er auch solo ein absoluter Superstar werden kann.

Zu dem stadiontauglichen Klassiker „Seven Nations Army“ der "White Stripes" rockte Percival die Bühne wie noch keiner bei „The Voice of Germany“. Mit halbnackten Oberkörper, Brustpiercing und seiner neuen Tätowierung sah er aus wie ein echter Rockstar. Dann bewegte sich Percival in seiner exzentrischen, unnachahmlichen Art über die Bühne wie ein Rockstar. Und mit seiner Stimme fesselt er sowieso jedes Mal seine Fans.

Bot die Perci-Show bei „The Voice of Germany“ für den Geschmack der beiden Jungs von The BossHoss etwas zu viel Entertainment, so konnte Nena sich gar nicht satt sehen an Percival: „Wir halten uns alle im Leben immer zurück. Aber wenn du auf diese Bühne gehst, dann wissen wir, dass auch wir die Sau rauslassen müssen.“

Kim Sanders rührte das Publikum zu Tränen

Für die Zuschauer war die Sat.1-Show ein Wellenbad der Gefühle. Nur wenige Minuten vor der Percival-Explosion durften sie der Wiedergeburt eines Stars lauschen. Kim Sanders – einst bei dem Dance-Projekt Culture Beat an vorderster Front – hatte zwar schon mit guten Leistungen in den bisherigen Shows von „The Voice of Germany“ aufhorchen lassen, doch sie selbst gab zu, dass sie durch private Probleme am Boden gewesen sei.

Da war der unbeschwerte Ponyhof von Nena genau die richtige Therapie für Kim Sanders. „Ich habe durch Nena mein Selbstbewusstsein wieder entdeckt“, stammelte sie mit Tränen in den Augen. Dabei hatte Kim Sanders selbst gerade erst das Publikum von „The Voice of Germany“ zu Tränen gerührt.

Ohne Band sang sie die ersten Zeilen von Roberta Flacks „Killing Me Softly“, und eine Gänsehaut-Welle rollte durch den Saal bis in zahlreiche Wohnzimmer. Mit dem Wechsel zu einem souligen Rhythmus und wieder zurück zu ihrer sanften Stimme, kreierte Kim Sanders eine ganz eigene Version des schwierig zu singenden Klassikers.

Jasmin Graf wirft Benny Fiedler mit ihrer Stimme raus

Klar, dass Kim Sanders und Percival nach diesen Auftritten bereits über das Zuschauer-Voting in die nächste Liveshow von „The Voice of Germany“ gelangen sollten. Bei den weiteren Kandidaten aus den Teams Rea Garvey und Nena wurde es da schon wesentlich enger.

Das Zuschauer-Voting bei Rea Garvey war der beste Beweis dafür, dass bei „The Voice of Germany“ auch nach den Blind Auditions die Stimme weiterhin eine große Rolle spielt. Jasmin Graf besitzt eine fantastische Stimme, die sie zu „Stark“ von „Ich und Ich“ perfekt einsetzte. Michael Schulte mit „Human“ von „The Killers“ und Benny Fiedler mit „Wenn Worte meine Sprache wären“ von Tim Bendzko konnten da nicht ganz mithalten.

Rea Garvey gibt Michael Schulte bei „The Voice of Germany“ noch eine Chance

Allerdings sind die beiden Jungs die klassischen Castingshow-Typen, die gerade bei den jüngeren Zuschauern eine große Fangemeinde besitzen dürften. Doch die Fans von „The Voice of Germany“ honorierten die starke Leistung von Jasmin Graf. Und wählten sie neben Percival aus dem Team Rea in die nächste Runde.

Der irische Coach wollte schließlich Michael Schulte als dritten Kandidaten aus seinem Team im Wettbewerb halten. „Du bist an einem Punkt, wo du ohne Coach an deiner Karriere arbeiten musst“, gab Rea seinem Schützling Benny Fiedler mit auf den Weg. Benny Fiedler scheint aber auf einem guten Weg. Mit seinem Cover des „Philipp Poisel“-Stücks hatte er mit Platz 4 den höchsten Einstieg in den Download-Charts aller „The Voice of Germany“-Kandidaten.

Nena entschied sich für Sharron Levy und gegen Yasmina Hunzinger

Im Team Nena wurde Behnam Moghaddam für seine Performance zu Hurt von Trent Renzor (später gesungen von Johnny Cash) von den Zuschauern in die nächste Live-Show von "The Voice of Germany" gewählt. Das Coach-Ticket für die nächste Runde erhielt Sharron Levy von Nena. Levy ist als klassische Rockröhre mit Funken sprühender E-Gitarre in ihrer Art dem Jurymitglied Nena ein Stück näher als Yasmina Hunzinger.

Diese ist eine erfahrene Sängerin, die zudem als Vocal-Coach arbeitet. „Du bist sonnig und freundlich, aber in der musikalischen Ausrichtung sind wir völlig unterschiedlich“, hatte Nena bereits nach dem Auftritt („Baby Love“ von „Mothers Finest“) von Yasmina Hunzinger gesagt.

In der nächsten Runde von „The Voice of Germany“ treten die verbliebenen zwölf Kandidaten aus den vier Teams von The BossHoss, Nena, Xavier Naidoo und Rea Garvey am kommenden Freitag an. Bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele Kandidaten in der Zukunft einen Produzenten finden, der ihnen musikalisch als auch textlich einen Song auf den Leib komponiert. Es wäre schade, wenn einige Talente mit dem Ende von „The Voice of Germany“ wieder in der Versenkung verschwinden würden.