"The Voice of Germany" hat das Casting-Genre neu belebt

"The Voice of Germany" ist ein Gegenentwurf zu anderen Castingshows, sagt ProSieben-Chef Jürgen Hörner.
"The Voice of Germany" ist ein Gegenentwurf zu anderen Castingshows, sagt ProSieben-Chef Jürgen Hörner.
Foto: ProSieben/Sat.1
Mit "The Voice of Germany" landet ProSieben derzeit einen Quotenerfolg nach dem anderen und wird auch noch für das Format der Castingshow gelobt. Im Interview erklärt Senderchef Jürgen Hörner, was "The Voice of Germany" von "Deutschland sucht den Superstar" unterscheidet. Und warum "Wetten, dass...?" im ZDF noch eine Chance hat.

München. Für ProSieben läuft es unerwartet gut: Die Castingshow „The Voice of Germany“ peppt ein schlaff gewordenes Genre auf. Jürgen Overkott sprach mit dem Chef des Münchner Senders: Jürgen Hörner.

ProSieben nutzt Lenny Kravitz als neue Werbe-Figur. Dabei ist er mit 47 der werberelevanten Zielgruppe schon fast entwachsen. Richtet sich der junge Sender demnächst verstärkt an ältere Semester?

Jürgen Hörner: Als Vollprogramm ist ProSieben grundsätzlich daran interessiert, so viele Zuschauer wie möglich zu erreichen. Das gelingt gerade mit Leuchtturmprogrammen wie „Schlag den Raab“ sehr, sehr gut. Daneben wollen wir Marktführer in der Zielgruppe der unter 30-Jährigen sein, und dieses Ziel haben wir zuletzt wieder erreicht.

Wo liegt die Schnittmenge zwischen Kravitz und ProSieben?

Jürgen Hörner: Lenny Kravitz hat mit dem Video zu seinem Titel „Rockstar City Life“ Comic-Elemente aufgenommen, und daran knüpfen wir mit der neuen „Superheroes for Super-TV“-Kampagne an. Zudem ist Kravitz sehr ikonenhaft, er macht im Comic eine gute Figur, und obendrein ist der Song sehr rockig, hat viel Drive…

…und das ProSieben-Programm hat auch viel Drive?

Jürgen Hörner: Ein Sender wie ProSieben hat unterschiedliche Farben. Manchmal sind wir langsam und emotional, an anderen Tagen sind wir jung, rotzig, frech, schnell. Aber wenn man eine so junge Zuschauer-Struktur wie ProSieben hat, muss man auch mal frech und rotzig sein.

Lassen sich Weltstars heutzutage nur noch mit Hilfe großer Fernsehsender vermarkten?

Jürgen Hörner: Das Fernsehen ist, auch im Zeitalter von YouTube, ein großer Treiber von Musik. Stefan Raab zeigt das immer wieder bei „TV total“. Für junge Musik ist ProSieben ein sehr geeigneter Sender, wie wir schon häufig bewiesen haben.

Stefan Raab präsentiert Musiker nicht nur – er plaudert auch mit ihnen. Sind diese Elemente besonders wichtig, um bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen?

Jürgen Hörner: Der große Thomas Gottschalk hat das auch schon bei „Wetten, dass..?“ so zelebriert, je nach Flughöhe der Band, dem Konzept seiner Sendung oder seinen Vorlieben. Aber keiner macht bessere Aktionen mit Musikern als Stefan Raab. Wer kann schon von sich behaupten, mit Rap-Rüpel Eminem live „Zucker im Kaffee“ gesungen zu haben.

Gottschalk und Raab – ein super Stichwort. Bei der Diskussion um die Gottschalk-Nachfolge bei „Wetten, dass..?“ hat sich Raab auffällig still verhalten. Ist er auf dem Absprung?

Jürgen Hörner: Das kann ich klar verneinen.

Hat „Wetten, dass..?“ ohne Gottschalk noch eine Chance?

Jürgen Hörner: Ich glaube schon, dass eine Show im ZDF mit einem anständigen Wetten-Konzept im Hauptabendprogramm eine Chance hat.

"The Voice of Germany" ist anders als klassische Castingshows

Musik im Fernsehen wird auch bei Castingshows gern genommen. Dabei fällt auf, dass „The Voice of Germany“ ein Zuschauer-Hit wurde. Warum hat das Publikum genug vom Krawall-Casting?

Jürgen Hörner: Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens ist der Beweis erbracht worden, dass mit einem kleinen Kniff ein Genre neu belebt werden kann: nämlich erst die Stimme zu kennen und dann den Sänger. Dadurch ist es uns gelungen, Musiker als Coaches zu gewinnen, die sonst nie etwas mit Casting zu tun haben wollten. Zweitens war die Zeit reif für einen Gegenentwurf zum Casting, das Kandidaten vorführen will. Das hat dazu geführt, dass sich bei uns ganz andere Menschen beworben haben als bei den klassischen Castingshows. Und drittens hat es unserer Senderfamilie gut getan, dass wir Mut bewiesen haben. Donnerstags auf ProSieben, freitags in SAT.1 – das war ein Experiment, und niemand konnte sagen, wie das ausgehen würde. Andererseits haben wir bereits mit „Unser Star für Oslo“ und der Zusammenarbeit mit der ARD gute Erfahrungen gemacht.

Ein weiterer TV-Trend sind US-Sitcoms. Amüsiert sich das Publikum in Zeiten der Euro-Krise zu Tode?

Jürgen Hörner: In Zeiten der Krise gibt es eine Bewegung zu eskapistischen Formaten und Serien, zu Lockerungsübungen. „Two and a Half Men“ hat viel dazu beigetragen. Die Serie ist außergewöhnlich gut geschrieben und besetzt. Und jetzt kommt eine zweite Welle der Produktion, mit weiblich besetzten US-SitComs wie „New Girl“, die Anfang Januar bei uns an den Start gehen. Dazu kommen noch zwei weitere neue Formate.

„Two and a Half Men“ gibt es schon lange. Die Serie hat aber erst vor einiger Zeit so richtig Fahrt aufgenommen. Welche Rolle spielte der Wirbel um Charlie Sheen dabei?

Jürgen Hörner: Als der Wirbel losging, war „Two and a Half Men“ schon außerordentlich erfolgreich. Ich glaube nicht, dass die Geschichten um Charlie Sheen wesentlich zu dem Trend beigetragen haben. Bevor wir im Januar die neue Staffel mit Ashton Kutcher zeigen, strahlen wir nicht nur einen „Two and a Half Men“-Marathon aus, sondern auch „The Roast of Charlie Sheen“ , und dabei gibt es auch bittere Momente.

Welche Chancen hat Ashton Kutcher?

Jürgen Hörner: Die Lösung, die die Produktion gefunden hat, ist klasse. Die erste Staffel mit Ashton Kutcher funktioniert in den USA besser als die letzte Staffel mit Charlie Sheen. Erst setzt sie einen Kontrapunkt, und dann findet die Serie wieder zur klassischen Form zurück.

 
 

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