„Terror – Ihr Urteil“ – Warum das TV-Experiment glückte

Der Richter (Burghart Klaußner) verkündete das Urteil – gefällt hatten es zuvor die Fernsehzuschauer.
Der Richter (Burghart Klaußner) verkündete das Urteil – gefällt hatten es zuvor die Fernsehzuschauer.
Foto: ARD Degeto/Moovie GmbH
Das Wagnis der ARD, das Publikum urteilen zu lassen, hat sich gelohnt. Man darf nur nicht die falschen Schlüsse ziehen. Ein Kommentar.

Berlin..  Packender Gerichtsthriller plus „Urteil“ durch die Zuschauer – das versprach eine spannende Kombination. Die ARD traute sich, nach dem Film „Terror – Ihr Urteil“ am Montagabend die Zuseher darüber abstimmen zu lassen, ob der Bundeswehrpilot, der eine von Terroristen gekaperte Passagiermaschine abschoss, schuldig ist oder nicht. Das Experiment ist geglückt – wenn auch mit Einschränkungen.

Der fiktive Fall des Eurofighter-Piloten, der auf eindringliche Weise ein moralisch-ethisches Dilemma aufzeigt, war wie gemacht für eine Abstimmung. Wohl jeder, der bei dem Film eingeschaltet hatte, spürte die eigene Zerrissenheit in der Frage nach Schuld- oder Freispruch. Was spricht dann dagegen, die Zuschauer nach ihrer Einschätzung zu fragen?

Kein Plädoyer für mehr direkte Bürgerbeteiligung

Solch ein Voting hat nichts mit „Volksjustiz“ zu tun, wie es in der anschließenden „Hart aber fair“-Runde bei Frank Plasberg anklang. Anders als Ex-Innenminister Gerhart Baum kritisierte, stimmten die Zuschauer am Montagabend eben nicht über das Grundgesetz ab, ja noch nicht einmal über einen realen Fall.

Es ging um einen Film, auch wenn dieser schnell traurige Realität werden könnte. Hier muss man zwischen Fiktion und Wirklichkeit klar trennen. Als Plädoyer für mehr direkte Bürgerbeteiligung oder für Geschworenen-Prozesse wie in den USA ist „Terror – Ihr Urteil“ deshalb nicht geeignet.

Zeit für das Zuschauervotum war viel zu knapp

Das TV-Experiment hatte auch Schwächen, nicht allein wegen der technischen Probleme, die es bei der Abstimmung offensichtlich gab. Die ARD ließ ihren Zuschauern nach Ende des Films nur wenige Minuten Zeit für ihr „Urteil“. Das war viel zu knapp.

Was hätte dagegen gesprochen, den Zuschauern beispielsweise bis zur Halbzeit der Plasberg-Runde Zeit zu lassen für die Abstimmung? Die Hektik war dem anspruchsvollen Stoff nicht angemessen.

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