„Tatort“: Sieben seltsame Szenen aus dem Münster-Krimi

Axel Prahl spielt im „Tatort – Schlangengrube“ Kommissar Thiel, der im Münsteraner Zoo ermittelt.
Axel Prahl spielt im „Tatort – Schlangengrube“ Kommissar Thiel, der im Münsteraner Zoo ermittelt.
Foto: Thomas Kost / WDR
Der „Tatort – Schlangengrube“ aus Münster verspricht meist gute Unterhaltung. Das zeigten auch die guten Quoten für Boerne und Thiel.

Berlin.  Der „Tatort“ aus Münster ist der beliebteste aus der TV-Krimi-Reihe im Ersten. Das zeigte auch die überragende Quote des „Tatorts – Schlangengrube“ am Sonntag. Der „Tatort“ ließ seine Mitbewerber am Sonntagabend weit hinter sich zurück, trotz Skepsis der Kritiker.

Denn der ARD-Krimi mit Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) hatte einige Schwächen. Sieben Szenen aus dem Menü des Sonntagabend-Dinners:

• Die albernste Szene ...

... gab’s diesmal direkt zu Beginn, innerhalb der allerersten Minute, die „Tatort“-Titelmusik mit inbegriffen. Da schiebt Professor Boernes Assistentin Silke „Alberich“ Haller die Leiche zur Seite, Boerne pellt sich aus seinem weißen Kittel und legt die schwarze Kochjacke frei. Haller schiebt einen zum Serviertisch umfunktionierten Sektionstisch ins Bild – und Boerne ist plötzlich Fernsehkoch. Mitten in der Rechtsmedizin. Der forensische Koch serviert: geeiste Entenconsommé an Seegras mit Bleichsellerie-Julienne und eingelegter blasser Hechtschaumlocke. Guten Appetit!

• Das Gericht, das wirklich Appetit macht ...

... lässt trotz Boernes Kochkünsten lange auf sich warten. Entenconsommé? Gedörrte Kartoffel mit Trüffelschaum? Hirschsauerbraten gewürzt mit Wacholder und Lakritz? Gourmet Boerne tischt seinen Kollegen allerlei feine Köstlichkeiten auf. Doch nicht nur Kommissar Thiel, auch den meisten Zuschauern dürfte erst zum Schluss der Sendung, als der Fall gelöst und Thiel in den wohlverdienten Urlaub radeln darf, das Wasser im Mund zusammen laufen.

Da serviert der Rechtsmediziner: Pommes Schranke mit Plastikpicker in der Pappschachtel. „Es sind doch immer noch die schlichten, die einfachsten Genüsse, die besten von allen“, bringt es Boerne auf den Punkt.

• Den modischen Fehltritt des Abends ...

... leistet sich – wer sonst? – Kommissar Thiel. Boerne lädt zum Mehr-Gänge-Menü in Sternequalität ein. Er selbst adrett mit weißem Hemd, Krawatte und schicker schwarzer Chefkoch-Schürze, Assistentin „Alberich“ in Abendgarderobe, genau wie Staatsanwältin Klemm, die sich fürs Dinner sogar extra noch die Haare aufgedreht hat.

Nur Kommissar Thiel schert sich nicht um Etikette bei der Kleiderwahl. Zum feinen Dinner trägt er unfeinen Zwirn: abgetragene Strickjacke offen über farblich unpassendem ollen T-Shirt. Ein Fan-Shirt mit der Aufschrift „Weltpokalsiegerbesieger 2002 – FC St. Pauli“. Hübsch.

• Den besten Spitznamen ...

... hat ja eigentlich schon Boernes Assistentin Silke Haller inne. „Alberich“ nennt der Forensiker die klein gewachsene Frau nach einem Zwergenkönig in der germanischen Mythologie. Ein nettes Wortspiel leistet sich aber auch Staatsanwältin Klemm. Ihre Kollegin und Konkurrentin, Staatsanwältin Ungewetter, wird bei ihr der Einfachheit halber und aus Groll zur „Gewitterziege“.

Die „Gewitterziege“ kennen die Zuschauer übrigens aus einem anderen „Tatort“. Tessa Mittelstaedt war lange Zeit die wirklich geschätzte Kollegin im Kölner Ermittler-Team neben Ballauf und Schenk.

• Der Moment, der am meisten nervt ...

... hat ebenfalls mit Boernes Kochleidenschaft zu tun. Ein Übermaß an Witzen und Schmankerl zur Kochshow in der Forensik sind irgendwann aber einfach zu viel des Guten. Als ein studentischer Mitarbeiter einen gelieferten Hummer in die Gerichtsmedizin trägt, weiß Boerne direkt, wohin mit der Delikatesse. Er lagert den Hummer da, wo sonst die Leichen liegen: „Stellen Sie ihn in die Kühlung, die Zwei müsste leer sein.“

• Für den niedlichsten Moment ...

... sorgt Pinguindame Sandy. Schnatternd watschelt sie durch den Sand auf die Kamera zu, lässt sich von Kommissar Thiel auf den Schoß heben. Sandy, ein 22 Jahre altes Brillenpinguin-Weibchen, spielt im „Tatort“ übrigens sich selbst. 1996 im Nürnberger Zoo geboren, zog sie mit fünf Monaten in den Allwetterzoo Münster.

Für Schlagzeilen sorgte sie damals, weil sie sich in ihren Tierpfleger verliebte, der sie von Hand aufgezogen hatte. Als Handaufzucht besonders zahm, ist Sandy ein wahrer Pinguin-Star und stand schon mehrfach vor der Kamera, unter anderem in der „Harald Schmidt Show“ und bei „TV Total“ – und nun für den „Tatort“ Münster.

• Für die absurdeste Szene ...

... sorgt ebenfalls ein Pinguin. Und zwar in der Gerichtsmedizin. Neben dem Sektionstisch mit der Leiche des Tierarztes liegt eine weitere Leiche – oder besser: ein Pinguinkadaver. Auch den will Boerne untersuchen. Denn er ist fest überzeugt: Eines natürlichen Todes ist das Tier nicht gestorben.

 
 

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