Tatort kommt als Schweden-Krimi aus dem Saarland daher

Angelika Wölke
Der Tatort "Verschleppt", am Sonntag (22. Januar) im Ersten ist der letzte Fall von Maximilian Brückner und Gregor Weber.
Der Tatort "Verschleppt", am Sonntag (22. Januar) im Ersten ist der letzte Fall von Maximilian Brückner und Gregor Weber.
Foto: SR/Manuela Meyer
Der Finne Hanni Salonen drehte im Saarland einen echten Schweden-Krimi. Düster und brutal ist der letzte "Tatort"-Fall am Sonntag (20.15 Uhr), den das Duo Brückner und Weber lösen muss. Die beiden gehen in der Folge "Verschleppt" mit Würde. Dennoch irritiert ihr frühes Ende. Die Geschichte sei angeblich "auserzählt".

Essen. Wer kennt das nicht? Lange dunkle Wintertage fördern die melancholische Stimmung. Im matten Kerzenlicht können sich Albträume eher Gehör verschaffen als bei strahlendem Sonnenschein. Der Finne als solcher, das ist bekannt, hat im Jahreszyklus wesentlich mehr dieser düsteren Tage abbekommen. Einen Einblick in die abgründigen kriminellen Energien gewährt Regisseur Hannu Salonen im „Tatort – Verschleppt“, Sonntag, 22. Januar, ARD, 20.15 Uhr.

Salonen bietet brutale Kost, für einen Tatort ungewöhnlich, für Freunde der spätsonntäglichen Schweden-Krimis eine frühe Überraschung.

In ihrem letzten Fall müssen die Saarbrücker Fernsehfahnder Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) den Mord an einer jungen Frau aufklären, die jahrelang vermisst gemeldet war. Kappl und Deiniger wird schnell klar, dass das Mädchen entführt und in irgendeinem Verlies gefangen gehalten wurde. Als sie kurze Zeit später eine weitere junge Frau zwar lebend, aber völlig verstört in einem ähnlichen körperlichen Zustand wie die Tote finden, befürchten sie, dass der Täter noch mehr junge Frauen gefangen hält.

Die Drehbuchautoren Khyana el Bitar und Dörte Franke haben den beiden ungleichen Kommissaren zum Abschied ein filmisches Geschenk gemacht. Die Geschichte hat alle unerwarteten Wendungen, die ein guter Krimi braucht.

Dennoch irritiert die Umsetzung durch Regisseur Salonen zuweilen. Hektische Schnitte, fast unerträgliche Maschinengeräusche im Hintergrund, ein wenig zu viel Absurdität verlangen vom Betrachter Durchhaltevermögen. Mancher wird es als Kunst loben, ein anderer als nervig abstempeln.

Auch wenn die Beurteilung dieser „Tatort“-Episode unterschiedlich ausfallen wird, bleibt die Frage am Ende offen, warum die beiden Hauptdarsteller gerade jetzt die Kultreihe verlassen müssen. Der beim Saarländischen Rundfunk für den Tatort verantwortliche Redakteur Christian Bauer hält die Geschichte von Brückner und Weber für „auserzählt“.

Striesow folgt

Das hat überrascht, weil die beiden erst seit 2006 in insgesamt nur acht Episoden, mit immerhin durchschnittlich acht Millionen Zuschauern, zusammen spielen. Im Gegensatz zum Beispiel zu den Dauerbrennern Ballauf und Schenk, die sich seit 1997 52-mal am selben Currywurst-Wagen getroffen haben. Im Saarland, so scheint es, wollte man die abrupte Veränderung. Ähnlich wie 2005, als man Jochen Senf nach 17 Jahren an der Saar über Nacht abservierte. Schaun wir mal, ob es besser wird. Ab der nächsten Folge, so viel ist klar, kommt David Striesow.