Tatort-Kommissare stürmen für den Frauenfußball

Mona Contzen
Frauenfußball und Integration – der neue Tatort wagt sich an große Themen heran. Mit Gastauftritten der DFB-Spitze soll vor der WM das Interesse am Frauenfußball gestärkt werden. Dabei ist der Krimi aktueller als vielleicht beabsichtigt.

Essen. Frauenfußball und Integration – der neue Tatort „Im Abseits“ wagt sich an zwei große Themen heran, die die Gemüter bewegen.

Mit Gastauftritten von Fußballgrößen wie DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, Nationaltrainer Joachim Löw, Steffi Jones als Organisations-Präsidentin der Frauenfußball-WM, Oliver Bierhoff und der Nationalspielerin Celia Koyino da Mbabe soll vor der Weltmeisterschaft der Frauen im eigenen Land das Interesse am Frauenfußball gestärkt werden. Dabei besitzt der Ludwigshafen-Krimi mehr Aktualität als vielleicht beabsichtigt. Fühlt sich der Zuschauer doch unweigerlich an die Skandale um Sepp Blatter und die korrupte Fifa erinnert, wenn Platzwart Steffen Rennert (Michael Lott) sorgenvoll feststellt: „Wenn es nur noch ums Geld geht, dann verliert der Fußball seine Seele.“

Fadime (Filiz Koc, die selbst in der türkischen Nationalmannschaft spielte), eine aufstrebende türkischstämmige Profifußballerin, wird in der Umkleide des FC Eppheim ermordet. Motive gibt es so viele wie Grashalme auf dem Fußballrasen. Der verschmähte Verlobte ist eifersüchtig auf den Fußball, die sportliche Rivalin auf die Aufmerksamkeit, die der hübschen Türkin zuteil wird. Der Manager fürchtet den Verlust seines Aushängeschildes, die Trainerin den Verlust ihres Jobs. Und dann sind da noch Fadimes Eltern, die mit der Karriere ihrer Tochter ganz und gar nicht einverstanden sind.

Leiden unter Klischees

Die Ludwigshafener Tatort-Kommissare Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, Mitglied des Teams „Top 11 für 2011“, das für die Frauen-WM wirbt) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) ermitteln in einer Welt, die es erst zu verstehen gilt. Kopper wartet gleich zu Beginn mit allen gängigen Vorurteilen gegen kickende Frauen auf und begegnet im Zuge der Ermittlungen Menschen, die seine Leidenschaft für den Fußball teilen, aber unter genau diesen Klischees leiden. Die Akzeptanz mag zunehmen, doch Frauenfußball wird in Deutschland immer noch vielfach belächelt, die Spielerinnen werden als „Kampflesben“ tituliert.

Gleichzeitig sieht sich Odenthal einem türkischen Vater gegenüber, der nur einem männlichen Kommissar die Aufklärung des Mordes an seiner Tochter zutraut. Und einer Mutter, die zwar fließend deutsch spricht, aber den Polizeibeamten vorwirft, hierzulande würden die religiösen Sitten der Muslime nicht geachtet.

Frauenfußball eben doch kein „Kinderkram“

Zwischen all diesen Stühlen hat die ermordete Fadime gesessen. Sie liebte den Fußball, war ehrgeizig, wollte im Sport Karriere machen. Sie respektierte ihre Eltern und hatte – in Deutschland aufgewachsen – doch ihren eigenen Kopf.

Wenn auch der Tatort das Integrationsproblem und die finanziellen Unwägbarkeiten im Sport nicht lösen kann, den Mörder finden Odenthal und Kopper – so viel ist sicher. Die Auftritte der prominenten Fußballgäste wirken zwar recht laienhaft, ihr Engagement für den Frauenfußball scheint jedoch ernst gemeint zu sein. Immerhin können sie am Ende zumindest einen davon überzeugen, dass Frauenfußball eben doch kein „Kinderkram“ ist: Kommissar Kopper.

Der Tatort „Im Abseits“ läuft am Sonntag, 19. Juni, 20.15 Uhr in der ARD.