Tatort Frankfurt: Paul Brix, einsamer Wolf in der Unterwelt

Frank Preuß
Im zweiten Frankfurter "Tatort: Hinter dem Spiegel" verschlägt es Ermittler Paul Brix (Wolfram Koch) in die Unterwelt.
Im zweiten Frankfurter "Tatort: Hinter dem Spiegel" verschlägt es Ermittler Paul Brix (Wolfram Koch) in die Unterwelt.
Foto: HR/Degeto/Bettina Müller
Mit dem zweiten Fall "Hinter dem Spiegel" ist den Machern des Frankfurter Tatorts ein spannender Cop-Krimi gelungen, der an alte Zeiten erinnert.

Frankfurt. Hinter ihrem tüdeligen Getue und ihrer schwatzhaften Art auf dem Revier steckt natürlich ein wacher Verstand, aber der Job macht es ihr nicht leicht: Im Grunde muss Quereinsteigerin Anna Janneke erst einmal gegen den eigenen Kollegen Paul Brix ermitteln, das Vorleben eines Mannes ausleuchten, der nicht nur nach dunkler Vergangenheit riecht, wenn er sich daheim im Unterhemd den Wodka ins Wasserglas schüttet. Eine reizvolle Ausgangslage, die Autor Erol Yesilkaya und Regisseur Christian Marka zu einem Top-Krimi veredeln: Der zweite Frankfurter „Tatort: Hinter dem Spiegel“ lässt den eher durchwachsenen Start des Duos Wolfram Koch/Margarita Broich sofort vergessen.

Geschäfte mit der Russenmafia

Koch gibt den einsamen Wolf, der im Rotlichtmilieu alte Rechnungen zu begleichen hat, sein windiger Kollege aus früheren Zeiten (grandios verkommen: Dominique Horwitz) bezahlt seine Geschäfte mit der Russenmafia mit dem Leben, und überhaupt scheint sich die Korruption tief in den Polizeiapparat gefressen zu haben.

Schmutzige Geschäfte und fragwürdige Loyalitätsbegriffe perforieren die Moral und ziehen die Betroffenen tief in den Sumpf: Ein eiskalter Drogenermittler mit Biedermann-Attitüde (stark: Justus von Dohnanyi) tötet gar seinen Schwager und lenkt den Verdacht auf Brix. So geht ein Cop-Krimi der alten Schule. Und dieser ist so originell wie er spannend ist.

Eine Unterwelt, die von vorgestern scheint

Yesilkaya und Marka schicken Brix auf geradezu lustvolle Art in eine Frankfurter Unterwelt, die von vorgestern scheint, in Kellerbars, wo schmierlappige Aufpasser in Hinterzimmern auf olle Überwachungsbildschirme starren und Informationen für einen Hunderter verkaufen, auf Schrottplätze mit herrlich verlottertem Personal. Selbst der Synthiepop, der die milchigen Bilder garniert, scheint irgendwo aus den späten 70ern gefischt worden zu sein. Es passt einfach alles zusammen.

TatortUnd wenn man glaubt, die Klischees nähmen überhand, bricht Yesilkaya sie einfach auf: Das Böse an der Spitze der Russenmafia entpuppt sich als kühle Geschäftsfrau, die über einen neuen Frankfurter Freizeitpark ihre Schmuddelmillionen waschen will – und der Macho Wolf katapultiert sich mit chauvinistischen Frechheiten gleich mal auf den Spitzenplatz ihrer Todesliste.

Ein bisschen verwirrend sind die Erzählstränge schon

Man muss hellwach bleiben, um sich als Zuschauer im Geflecht nicht zu verheddern, ein bisschen verwirrend sind die Erzählstränge zuweilen schon. Fragen bleiben aber am Ende nicht offen. Wie beim Dortmunder „Tatort“ bauen auch die Frankfurter Folgen aufeinander auf, enthüllen Stück für Stück die Abgründe ihrer Charaktere. Trotzdem bleibt man in den wesentlichen Dingen immer auf Ballhöhe, selbst wenn man eine Folge nicht gesehen hat.

Während Wolf als harter Junge die Erwartungen des Publikums erfüllen dürfte, könnte Broich es schwerer haben: Sie wirkt in ihrem überpointierten Spiel manchmal so, als habe sie sich aus einem Vorabendkrimi in den „Tatort“ verirrt. Kann ja noch werden.

Fazit: Harter, spannender und gut gespielter Cop-Krimi aus dem Milieu.

ARD, Sonntag, 13. September, 20.15 Uhr