Tanja Wedhorn zurück in ihrem Revier

Britta Bingmann

Witten. Das kleine Café am Rande der Wittener Innenstadt hat sie als Treffpunkt vorgeschlagen. „Da kann man nett sitzen“, weiß die 38-Jährige. Recht hat sie. Und so sitzt sie dann da, mit dem Macchiato-Glas in der Hand. Ihre Laufschuhe hat die Schauspielerin sicherheitshalber aber auch in die Handtasche gepackt: „Für den Fall, dass Sie mit mir Fotos bei den Wildschweinen auf dem Hohenstein machen wollen.“ Keine Frage: Tanja Wedhorn kennt sich aus. Sie ist eine von hier.

Die Schweine waren nicht nötig. Tanja Wedhorn allein ist Motiv genug. Sie ist eine dieser Frauen, die auch im schlichten schwarzen Pulli alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, allein durch ihre bloße Präsenz – diese Lebendigkeit, diese strahlenden Augen. Aber natürlich: Hier in Witten ist sie ohnehin bekannt, nicht nur aus Kindertagen. Sondern auch, weil man hier mit einem gewissen Stolz verfolgt, was diese Tochter der Stadt in Berlin aus sich gemacht hat.

Gastrollen spielte Tanja Wedhorn schon während ihres Studiums in Berlin, ihr Durchbruch kam dann als Titelheldin der ersten deutschen Telenovela „Bianca – Wege zum Glück“. Als Hanna Sander in der ZDF-Serie in „Meine wunderbare Familie“ wurde sie für Fernseh-Deutschland endgültig ein Begriff. Und nun: „London, Liebe, Taubenschlag“. Ein Zweiteiler, wieder im ZDF. Das könnte Quote bringen, wäre da nicht zeitgleich das Champions-League-Halbfinale der Bayern. „Ist das nicht ärgerlich? Dabei würden wir so gerne weitermachen – und bei einer guten Resonanz ist ein dritter Teil drin. . .“

Man möchte es ihr wünschen: „London, Liebe, Taubenschlag“ ist trotz des irreführenden (und leicht abschreckenden Titels) eine Ruhrgebiets-Komödie und eine recht zauberhafte noch dazu. Kauzige Typen, der Taubenvatter, der Pommesbuden-Besitzer – alle klasse besetzt – und dazu ungewohnte Bilder: Wann sah man schon mal Fachwerkhäuser und idyllische Ecken auf der Mattscheibe, wenn von Bochum-Wiemelhausen die Rede war. Und hier spielt immerhin der allergrößte Teil des Films: in einem verstaubten kleinen Kurzwarenladen, den die Requisite nicht einmal erfinden musste. Der steht da so.

Klischee? Sicher. „Das Ruhrgebiet ist heute bestimmt mehr. Aber das, was wir zeigen, ist eben auch das Ruhrgebiet. Nur eben der nostalgische Teil“, meint Tanja Wedhorn, die eine junge Frau spielt, die in London Karriere gemacht hat und nun nach Bochum zurückkommt, eigentlich nur für ein paar Tage. . . Und so steckt eben auch ein ganzes Stück Wedhorn selbst in der Rolle. „Die Gerüche hier, die Geräusche, wenn die Friedenskirche nebenan läutet – ja, das ist für mich das Gefühl von Heimat.“

Anders als ihre Annina im Film habe sie aber nie das Gefühl gehabt, dass Witten ihr zu eng werden könnte. „Ich wollte nie ausbrechen.“ Sie ging nach Berlin, weil sie dort einen Platz auf der Schauspielschule bekam. Simon Raiser, ihre Liebe seit den Schultagen auf dem Schillergymnasium, kam später nach. Die Umstellung fiel ihr leicht, auch weil der „Berliner Menschenschlag uns hier so ähnlich ist“. Tanja Wedhorn mag die Hauptstadt. Hip sei es da und spannend. „Aber herzlicher ist es hier, so herrlich unaufgeregt. Und man kennt sich eben. Wenn im Kohlensiepen einer stirbt, dann weiß es die ganze Straße. Das ist einfach schön.“

Auch das ist ein Grund, gern nach Hause zu kommen: Die Mutter lebt hier, hütet Söhnchen Theo, wenn Tanja in der Nähe dreht. Ihre Schwester wohnt auch in der Stadt, hat inzwischen das Reisebüro der Eltern übernommen, in das eigentlich auch Tanja einsteigen sollte. Wären da nicht diese Bauchschmerzen gewesen, dieses Gefühl, etwas anderes zu wollen und schließlich der gute Rat der Großmutter: „Kind, such dir einen Beruf, der dir Spaß macht.“

Zurück zum Theater

Tanja Wedhorn hat nicht nur Spaß, sie hat auch noch Erfolg: Im Juli wird wieder für die „wunderbare Familie“ gedreht, davor kommt ein Krimi für RTL, im November steht sie wieder auf der Bühne, in Hamburg mit „Gut gegen Nordwind“. Ja, und dann wäre da ja noch der dritte Teil – oder auch ein zweites Kind. . .

Ihre Pläne für die Zeit im Revier sind allemal konkreter. „Heute Nachmittag nimmt sich meine Schwester frei, wir wollen bummeln in Bochum“, sagt Tanja Wedhorn und drückt sich die Mütze und die freche Kurzhaarfrisur, die so gar nicht mehr an die romantische Bianca erinnert. „Und morgen gehe ich zum Kinderflohmarkt am Kemnader Stausee. Der ist toll – da müssen Sie unbedingt mal hin.“