„Tagesschaum“ – Friedrich Küppersbusch teilt scharf und schnörkellos im WDR aus

Da isser wieder: Friedrich Küppersbusch kehrt mit „Tagesschaum“ vor die Kamera zurück.
Da isser wieder: Friedrich Küppersbusch kehrt mit „Tagesschaum“ vor die Kamera zurück.
Foto: dpa
Mit „Tagesschaum“ kehrt Friedrich Küppersbusch nach 15 Jahren Abstinenz vor die Kamera zurück. Das Satiremagazin will Wegbegleiter zur nahenden Bundestagswahl sein. Ein gelungenes Comeback für den ehemaligen ZAK-Moderator, weil so schnörkellos, so scharf und auf den Punkt gebracht.

Essen.. Keine Sorge, über kurz oder lang bekommt hier jeder sein Fett weg. Bloß nicht drängeln. Und weil „Tagesschaum“ – wie der Name schon sagt – ein tagesaktuelles Format ist, geht’s immer denen zuerst an den Kragen, die in der Woche den größten Mist gebaut haben. Und weil das Ganze ja auch irgendwas mit der Bundestagswahl zu tun haben soll, darf auch Peer Steinbrücks Inkontinenzteam, pardon, Kompetenzteam nicht fehlen.

Doch schön der Reihe nach: „Tagesschaum“ ist das neue TV-Format von und mit Friedrich Küppersbusch. Friedrich wer? Der Mann ist eine TV-Legende. Na gut, zumindest einer, der sich in den 90ern einen Namen gemacht hat mit gehobener Fernsehunterhaltung, mit Politsatire. „Zak“ hieß das Format und lief seit 1988 im WDR, ab 1993 auch in der ARD. Schluss war 1996. Den Nachfolger „Privatfernsehen“ moderierte der Wahldortmunder Küppersbusch bis 1997 – und verschwand anschließend fast 15 Jahre von der Mattscheibe.

InterviewEine halbe Stunde früher auf YouTube

Um jetzt mit einem fast 15-minütigen Format zurückzukommen: „Tagesschaum“. Montagabend, 23.15 Uhr, war Erstausstrahlung im WDR. Eine halbe Stunde früher stand die Sendung schon auf YouTube bereit. Deshalb auch die Kürze, internet-kompatibel halt. Das ist Konzept. Und dass das Format gerade jetzt kommt übrigens auch. Denn „Tagesschaum“ soll angeblich gegen Wahlmüdigkeit helfen. „Wir wollen die Leute mit sanftem Nachdruck bis an die Tür des Wahllokals begleiten. Was sie da machen – links, rechts, ungültig wählen, Schwalben falten – wumpe. Doch gerade bei dieser vermeintlich egalsten Wahl seit langem möchten wir noch mal darauf hinweisen: Wählen, solange es nichts Besseres gibt“, hatte Küppersbusch vor dem Start der Sendung erklärt.

Interviews wollte der Moderator und TV-Produzent übrigens nicht geben. In der taz befragte er sich einfach selber. Und dort war dann das zu lesen: „Tagesschaum“ sei „ein Meinungs- und Kommentarmagazin, mit dem wir die Leute bis zur Bundestagswahl begleiten. Eine Viertelstunde Haltung, Erbauung und Trost. Die ,Tagesschau’ auf Koks.“

Zack, zack, zack: Küppersbusch teilt aus

Wo wir wieder beim Steinbrück und seinem Kompetenzteam wären. „C-Promis, ein hüftsteifiger Moderator und ne lausige Location – das ist das Erfolgsrezept von 'Das perfekte Sozi-Dinner', ätzt Küppersbusch über den SPD-Kanzlerkandidaten. Tröpfchenweise habe der nur durchsickern lassen, wer ins Schattenkabinett kommt. „Manche sprachen deshalb schon vom SPD-Inkontinenzteam“, sagt Küppersbusch, ohne dabei eine Miene zu verziehen. „Tagesschaum“ ist ein bisschen wie Oliver Welkes „heute show“, nur ohne Publikum und ohne viel Brimborium. Und das steht der Sendung gut.

Zack, zack, zack: Küppersbusch teilt aus. Ob Obama, Thomas de Maizière, die „Nebelgranate der Herzen“, oder Markus Lanz, sie alle haben diese Woche versagt, sie alle blieben vom „Tagesschaum“ nicht verschont. Schön ist das anzuschauen, weil so schnörkellos, so scharf und auf den Punkt gebracht – Küppersbusch eben. Zu schade, dass schon im September ein neues Parlament gewählt wird.

Oder um es mit den Worten des Moderators zu sagen: „Noch 104 Tage bis zur Bundestagswahl, aber keine Sorge, wir melden uns sofort wieder, wenn in Magdeburg ein Sack Sand umfällt.“ Und jeden Montag, Dienstag und Donnerstag im WDR, auf EinsFestival und auf YouTube.

 
 

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