„Super Nanny“-Folge wird wegen Schlägen geprüft

„Super Nanny“ Katia Saalfrank schaltete im jüngsten Fall das Jugendamt ein. Die Folge wird wegen möglicher Verstöße gegen den Jugendschutz geprüft. (Foto: dapd)
„Super Nanny“ Katia Saalfrank schaltete im jüngsten Fall das Jugendamt ein. Die Folge wird wegen möglicher Verstöße gegen den Jugendschutz geprüft. (Foto: dapd)
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Die „Super Nanny“-Folge vom Mittwoch wird wegen möglicher Verstöße gegen den Jugendschutz geprüft. In der Sendung wurde gezeigt, wie eine Mutter ihren Kindern droht und sie schlägt. Die zuständige Landesmedienanstalt leitete ein Prüfverfahren ein.

Essen.. Mehr als 2,8 Millionen Menschen haben am Mittwochabend RTL eingeschaltet um zuzusehen, wie „Super Nanny“ Katia Saalfrank einer Familie hilft. Und viele waren schockiert: Da schreit eine Mutter ihre Kinder – gerade drei, vier und sieben Jahre alt – permanent an, droht ihnen aufs Übelste, schlägt sie. Und das Kamerateam filmt, erst einmal schreitet niemand ein.

Als „schweren Fall“ hatte RTL die aktuelle Episode des Coaching-Formats angekündigt und schon vorab betont, dass die Diplom-Pädagogin bei Familie M. das Jugendamt eingeschaltet hat. Saalfrank sei „von den Umständen erschüttert“ gewesen, heißt es.

Gewaltszenen sorgen für Diskussionen im Netz

Und auch der Zuschauer darf erschüttert sein: In der etwa zehnminütigen Anfangsequenz, in der die Familie und ihre Situation vorgestellt werden bevor die „Super Nanny“ auf den Plan tritt, wird das Verhalten der Mutter ausführlich gezeigt: Wie sie dem vierjährigen Sohn droht: „Ich klatsch dich weg.“ Wie sie beinahe stolz wirkend erzählt, dass ihre Kinder Angst vor ihr haben. Wie sie Schläge auf Hände und Hinterköpfe verteilt.

Die Gewaltszenen sorgten schon während ihrer Ausstrahlung für heftige Reaktionen im Netz. Viele Nutzer äußern Mitgefühl mit den Kindern. Einige aber auch Unverständnis für die Darstellung: „Mal ‘ne Frage an RTL“, schreibt einer. „Wann legt ihr eigentlich die Kamera zur Seite und ruft direkt das Jugendamt an?“

„Sofort das Jugendamt eingeschaltet“

Bei RTL versucht Sprecherin Anke Eickmeyer zu beruhigen: „Die psychischen und physischen Misshandlungen, die in dieser Sendung gezeigt werden, sind schon extrem, und die Atmosphäre ist sehr belastend“, räumt sie ein. Viele Kinder erführen aber täglich hinter verschlossenen Türen ähnliche Misshandlungen. „Das darf nicht verschwiegen und weiter tabuisiert werden.“

Eickmeyer sieht den Sender in seiner Darstellung im Recht: „Wenn wir jetzt darüber diskutieren, ob die Offenlegung einer Misshandlung von Kindern im Fernsehen nicht angemessen ist“, sagt sie auf DerWesten-Anfrage, „dann verschließen wir die Augen und schauen weg, vergessen diese Kinder, die Hilfe brauchen, bagatellisieren und tabuisieren!“

Die „Super Nanny“ zeige den Alltag der Kinder in Familien, auch Gewalt, Angst und Misshandlung. Katia Saalfrank benenne diese Gewalt als falsch und zeige Handlungsalternativen auf. Zudem, betont RTL-Sprecherin Eickmeyer, „wurde hier sofort nach Kenntnisnahme der familiären Gewalt durch das Team das Jugendamt eingeschaltet.“

Jugendschützer prüfen die Sendung

Der Sender muss dennoch womöglich ein Nachspiel fürchten: Die für RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) hat bei ihrer – mittlerweile standardmäßigen – Sichtung der Sendung einen Anfangsverdacht für Verstöße gegen den Jugendmedienschutz gesehen. Zudem gab es eine offizielle Beschwerde eines Zuschauers.

„Die Sendung ist in Prüfung“, bestätigte NLM-Sprecherin Uta Spies. Sie werde zudem an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten weitergereicht. Die KJM leitet dann ein formelles Prüfverfahren ein, das mehrere Monate dauern kann und klären soll, ob RTL mit seiner Darstellung gegen geltendes Recht verstoßen hat.

Erst im April dieses Jahres wurde solch ein Verstoß bei einer 2010 ausgestrahlten „Super Nanny“-Episode erkannt. Auch in jener Folge wurde gezeigt, wie eine Mutter ihr fünfjähriges Kind anschreit, ihm droht und wie sie es schlägt. Damals sahen die Jugendschützer eine Verletzung der Menschenwürde: Das Kind würde in seinem sozialen Achtungsanspruch verletzt und zum Objekt der Zurschaustellung degradiert, urteilten sie. (we)

 
 

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