Spannender Dresden-„Tatort“ endet mit Ermittler-Abschied

Die Ermittlerinnen Henni Sieland (Alwara Höfels, links) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) stürmen im Fall „Wer jetzt allein ist“ eine Wohnung.
Die Ermittlerinnen Henni Sieland (Alwara Höfels, links) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) stürmen im Fall „Wer jetzt allein ist“ eine Wohnung.
Foto: Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato / MDR
Im neuen „Tatort“ aus Dresden führt die Spur des Täters zu einem Dating-Portal. Der letzte Fall von Alwara Höfels hat viel Tiefgang.

Dresden.  Der Mörder lauert in der Dunkelheit. In panischer Angst läuft eine junge Frau aus der Disco zu ihrem Auto. Aber die Sicherheit trügt, ein Vermummter reißt die Fahrertür wieder auf: der Mann erdrosselt Doro brutal in wenigen Sekunden. „Was macht eine 22-Jährige auf einer Ü30-Party?“, fragen sich die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) wenig später neben der Leiche.

Die Ermittlungen erfordern ihren ganzen Einsatz, zum Ärger ihres Chefs Schnabel (Martin Brambach). Der spannend und sehr emotional inszenierte sechste Fall des Dresdner „Tatort“-Teams wird an diesem Montag (21. Mai) um 20.15 Uhr unter dem Titel „Wer jetzt allein ist“ im Ersten ausgestrahlt.

Keine verwertbaren Spuren, keine Augenzeugen, nur eine traumatisierte Freundin des Opfers. Laura hatte mit der Studentin telefoniert, den Mord unfreiwillig mitangehört – und ist nun selbst in Gefahr. Von ihr erfährt die Kripo, dass Doro als „Birdy“ im Onlinedating-Portal „Love Tender“ mit reiferen Männern flirtete, „die nicht gleich eine feste Beziehung wollten, sie liebte ihre Freiheit“.

Sieland und Gorniak ermitteln verdeckt

Einige haben Doro verfolgt und wollten das Geld, um dass „Birdy“ sie mit falschen Liebesversprechen gebracht haben soll, zurück. „Aber Doro hatte ihren Account längst gelöscht“, sagt die Freundin. Jemand muss „Birdy“ gehackt und in ihrem Namen abkassiert haben. Aber die Betrogenen, die sich „Vogeljäger“ nennen, halten sich an Doro. Zwei von ihnen waren am Tatabend auch bei der Ü30-Party – und haben kein Alibi. Aber Schnabel will Beweise.

Sieland sieht nur eine Chance: Undercover-Einsatz. Und meldet sich und ihre Kollegin kurzerhand bei „Love Tender“ an. Sie selbst fühlt als „Kinki“ Patrick auf den Zahn und Gorniak als „Star“ Andreas. „Es ist doch vollkommen klar, dass das gefährlich ist“, regt sich ihr Chef auf, fassungslos über die Naivität der Mädels. Da hilft auch das Gutachten nichts, wonach der Täter ein Psychopath sein muss.

Auf der Jagd nach dem Mörder geraten die Single-Frauen Sieland und Gorniak in völlig verschiedene Welten: Der verklemmte Patrick lebt in einem heruntergekommenen Haus am Stadtrand und pflegt seine todkranke Mutter, Andreas ist ein smarter Narzisst mit herrschaftlicher Villa und schnellen Autos. Beide sind einsam und suchen Nähe, aber auf unterschiedliche Art.

Die wichtigsten Tipps fürs Online-Dating
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Emotional erzählter „Tatort“ mit viel Tiefgang

Für Sieland, verlassen von Freund Ole und ungewollt schwanger, endet der Abend mit Festnahme. Die alleinerziehende Gorniak indes erliegt dem Charme des Verdächtigen. Der fackelt nicht lange und schenkt ihr Familienschmuck nach der ersten Nacht. Das Liebesspiel im Pool am Abend darauf wird zum Showdown des emotional und mit viel Tiefgang erzählten Krimis, in dem viel Blut fließt.

Das Drehbuch habe sie nachdenklich gestimmt und betroffen gemacht, sagt Regisseurin Theresa von Eltz („Der Kriminalist“) über ihr „Tatort“-Debüt. Online-Dating zeuge von Vereinsamung und Isolierung, viele Menschen sehnten sich nach Nähe und seien zugleich hilflos. So verzweifelt Patrick, als das Auto streikt und er seine Mutter nicht retten kann. „Das Geld für die Reparatur habe ich „Birdy“ gegeben“, gesteht er Sieland im Verhör.

Für den erfahrenen „Tatort“-Autor Erol Yesilkaya lag der Reiz des Themas Online-Dating darin, „sich zu einem potenziellen Mörder hingezogen zu fühlen“. Sichtbar wehrt sich Gorniak gegen die Gefühle, ringt mit privaten Sehnsüchten und beruflichen Prinzipien, um sich letztlich doch hinzugeben – und brutal aufzuwachen.

Schnabel hütet den Sohn seiner Ermittlerin

Auch Schnabel macht einen Ausflug in ungewohnte Gefilde: Er „hütet“ Gorniaks halbwüchsigen Sohn Aaron und „knackt“ ihn mit männlicher Strenge und Humor. Das Ringen um Matheaufgaben und Schlagermusik zählt zu den lustigen Episoden des ansonsten sehr ernsten Films, der die Tragik mancher Existenz zeigt und in menschliche Abgründe leuchtet.

Für Alwara Höfels ist es wie angekündigt der letzte „Tatort“. Die in Berlin lebende Schauspielerin, die 2007 mit ihrem Kinodebüt in Til Schweigers „Keinohrhasen“ bekannt wurde, teilte Ende Dezember mit, sie ziehe diese persönliche Konsequenz, bedauere aber, sich von ihren großartigen Kollegen verabschieden zu müssen.

Als Begründung gab sie an: „Unterschiedliche Auffassungen zum Arbeitsprozess und ein fehlender künstlerischer Konsens haben nach vielen Gesprächen diesbezüglich dazu geführt, dieses renommierte Format zu verlassen, da ich meine Verantwortung als Künstlerin ansonsten gefährdet sehe.“

Die Gründe für ihren Abschied offenbart Ermittlerin Sieling allerdings erst ganz am Schluss des fordernden Falls.

(dpa/ba)