So knapp holte sich Gil Ofarim den Sieg bei „Let’s Dance“

Anja Francesca Richter
Gil Ofarim ertanzte sich mit Partnerin Ekaterina Leonova den Sieg bei „Let's Dance".
Gil Ofarim ertanzte sich mit Partnerin Ekaterina Leonova den Sieg bei „Let's Dance".
Foto: Henning Kaiser / dpa
Finale – und was für eines: Über mehrere Stunden bot RTL einen sehenswerten Staffelabschluss. 4,41 Millionen TV-Zuschauer waren dabei.

Berlin.  Abi Ofarim muss jetzt erstmal Möbel kaufen. Eine hübsche Kommode oder eine Glas-Vitrine, aus der er gleich vier von fünf Einlegeböden herausnehmen kann. Denn wo zum Tanzteufel soll dieses Monstrum von „Let’s Dance“-Pokal sonst stehen? Die Trophäe – eine Diskokugel mit Schriftzug der Show, platziert auf einem Sockel – ist doch größer als Enkelsöhnchen Leo! Tja, nun hatte der Papa des Zweijährigen wiederum seinem Vater aber versprochen, dass er den Pokal im Fall eines Sieges geschenkt bekommt. Und siehe da, Gil Ofarim ist „Dancing Star 2017“!

Und wir möchten meinen: verdient. In einem Finale, das der Jubiläumsstaffel, also dem zehnten Geburtstag von „Let’s Dance“ mehr als würdig ist, setzt sich der 34-Jährige gegen seine beiden Konkurrentinnen durch. 88 von 90 möglichen Punkten verbuchen der Familienvater und Partnerin Ekaterina Leonova am Ende auf das „Team Gilkat“-Tanzkonto.

Aus einem Menschen wurde ein Tänzer

Zwar bekommt er sowohl für seinen Cha-Cha-Cha als auch für den abschließenden Freestyle, also eine Kombination verschiedener Stile, „nur“ 29 statt der gewohnten 30 Punkte. Doch beim Lieblingstanz, und so soll es sein, hagelt es für Gil „Tangofarim“ die volle Punktzahl – die er so oft erhält wie kein männlicher Promi zuvor in der Geschichte des Wettbewerbs. Glückwunsch, war an der schrägen „Avatar“-Idee also doch etwas dran.

Aus einem Menschen ist ein Tänzer geworden – so, und nicht anders, hatte er es sich selbst gewünscht. „Dass ‚Let’s Dance’ so einen Impact auf mein Leben hat, das hätte ich nicht gedacht“, erzählt Ofarim kurz vor der finalen Performance im Stil des erfolgreichsten Kinofilms aller Zeiten. Wie „hot, hot, hot“ (Moderatorin Sylvie Meis) ein blaues, tanzendes Männchen doch sein kann.

Vanessa Mai nur knapp geschlagen

Dennoch: Sicher ist Ofarim der Sieg gefühlt zu keinem Zeitpunkt des Finales. Zuerst bekommt er von der Jury den Cha-Cha-Cha zugewiesen, einen Tanz, den er anfangs nicht so liebt wie die anderen, weil er ihn schlichtweg „nicht kapiert“ (Wovon in der Show selbstredend keine Rede mehr sein kann. Die Hüften, weiß Juror Jorge Gonzalez, „waren da, wo sie sein sollten“, und Kollegin Motsi Mabuse bleibt gar „die Luft weg“).

Aber dann steht einem möglichen Sieg des Musikers auch noch Hauptkonkurrentin Vanessa Mai im Weg – und zwar mit allen Schikanen, mit denen die Schlagersängerin nach mehreren Monaten Walzer-, Salsa- und Tango-Training ausgestattet ist. Nur einen Punkt weniger, nämlich 87 von 90 möglichen, kassiert Mai am Schluss, das wohl größte Lob aller „Let’s Dance“-Shows inklusive.

Das war „out of this world“

„Es gab nie was Besseres – in zehn Staffeln nicht!“, ruft Mabuse nach dem (inoffiziellen) Höhepunkt des Abends, Mais Freestyle, in dem sie ihr gesamtes Können aus Paso Doble, Rumba und Salsa schrittgenau abruft. Das Publikum johlt, grölt, springt von den Studio-Plätzen auf. Joachim Llambi strahlt mit seinem Glitzer-Jackett um die Wette. Schon für ihren Tanz zuvor hätte er der Musikerin am liebsten 20 Punkte gegeben: „Angelinas Cha-Cha war gut, Gils Cha-Cha war sehr gut… deiner war ‚out of this world‘.“ Wer meint, nach den 87-Punkte-Auftritten um kurz vor halb zwölf nachts stehe die Siegerin fest, hätte dazu jedes Recht gehabt.

Kein Mal mussten Mai und ihr Tanzpartner Christian Polanc während der gesamten Staffel zittern, aus dem Wettbewerb zu fliegen; sie bekommen die meisten Punkte aller Paare, die je das „Let’s Dance“-Parkett betreten haben. Und dass, „obwohl Christian und ich anfangs lange nicht zueinander gefunden haben“, erzählt die 25-Jährige.

Angelina Kirsch landete auf Platz 3

In der alles entscheidenden Show, egal ob beim Langsamen Walzer oder der Cha-Cha-Cha, steht das Team aber ausschließlich für die „Crème de la Crème“ des Tanzsports. „Setz dich zu Hause vor den Fernseher, schau dir das an und frage dich: Wer ist diese Chica?“, rät Jorge Gonzalez der Künstlerin. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Und auch Angelina Kirsch muss sich auf ihrem dritten Platz keineswegs hinter dem Bühnenvorhang verstecken. 80 von 90 Punkten gewinnt das Curvy-Model – neben der Erkenntnis, „dass sie als Persönlichkeit auf der Tanzfläche extrem stark erscheint“ (Mabuse). Also darauf kann sie wohl stolz sein. So wie auf ihre Darbietungen eines Cha-Cha-Chas und des Freestyle zur Musik aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“.

Viele schräg-schöne Momente

Ihr Lieblingstanz ist und bleibt aber der Contemporary, bei dem Kirsch schon in einer der Vor-Final-Shows die volle Punktzahl bekommt. „Ich habe so eine tolle Erfahrung dabei gemacht, dass sie es wiederholen möchte“, schwärmt die 28- Jährige, deren großes Ziel sie zu diesem Zeitpunkt längst erreicht hat: überhaupt im Finale zu stehen. „Keiner hat mit uns am Anfang gerechnet und keiner hat mit uns im Finale gerechnet – das macht uns vielleicht gefährlich“, warnt Tanzpartner Massimo Sinató die Konkurrenz. Auch wenn es am Ende nicht gereicht hat, kann Kirsch ihrer Kollegin Mai sicher zustimmen, wenn sie behauptet, dass die „Let’s Dance“-Zeit „mit das Schönste ist, was mir im Leben passiert ist“.

Und weil die Jubiläumsstaffel doch so viele herausragend schräg-schöne Momente bereitgehalten hat (von der Schwangerschaft von Profitänzerin Isabel über den zum böse gebrochenen Fuß von Kollegin Christina bis hin zum Käfigstangen-leckenden Kandidaten Maximilian Arland), darf am Ende von „Let’s Dance“ natürlich eine nicht fehlen: Helene Fischer.

Helene Fischer mit schwarzem Käppi

Aber klar, die „Achterbahn“-Sängerin ist eben eine „Icon“, also eine Ikone, zumindest wenn es nach ihrem schwarzen Käppi (zum goldenen Glitzerfummel) geht. Da wünschen wir uns doch gleich etwas mehr Omnipräsenz von Jörg Draeger (71). Bereits in der ersten Sendung ausgeschieden, darf er noch mal zu „Marmor, Stein und Eisen bricht“ übers Parkett streifen, während es ihm Faisal Kawusi zu „Schüttel’ deinen Speck“ gleichtut.

Am Ende einer einmaligen Staffel ist sich Joachim Llambi jedenfalls sicher: „Mehr geht nicht.“ In diesem Sinn: Bis zur nächsten Staffel von „Let’s Dance“! Und Ihnen, Herr Ofarim, wünschen wir viel Vergnügen mit dem neuen Staubfänger.