Sky kämpft um die Quote - BVB um mehr Geld

Sky, hier Moderatorin Jessica Kastrop, kämpft um die Quote. Foto: ddp
Sky, hier Moderatorin Jessica Kastrop, kämpft um die Quote. Foto: ddp
Foto: ddp images/dapd/Oliver Lang
Längst nicht jeder möchte Fußball gucken. Vor allem nicht jedes Spiel. Deshalb kämpft Bezahlsender Sky um die Quote und Vereine wie der BVB kämpfen um eine neue Verteilung der Fernsehgelder.

Essen. Das gute alte Fernsehen ist immer noch das Massenmedium der Gegenwart.

Der Tatort vom Sonntag war mit fast zwölf Millionen Krimifreunden ein Volltreffer. Der Marktanteil betrug 33 Prozent, jeder dritte Haushalt suchte den Täter. Endspiele bei Fußball-Welt- und -Europameisterschaften werden zu Ge­meinschaftserlebnissen, bei denen bis zu 30 Millionen Menschen zuschauen.

Das Massenmedium Fernsehen kann aber auch zum Nischenmedium werden. In den Nachtstunden, wenn Bibel-TV aus dem Missionswerk Karlsruhe berichtet oder EinsPlus bei Leas Kochkunst in die Töpfe schaut. Oder, man höre und staune, bei der Fußball-Bundesliga. Die zieht im freien Fernsehen, bei ARD und ZDF, Millionen Fans an. Im Pay-TV sind die Zuschauerzahlen teilweise erschreckend niedrig. Das beweisen die Quoten, die der TV-Sender Sky, der 2,65 Millionen Abonnenten hat, seit kurzem veröffentlicht. Bislang wurden die Zahlen nur für den internen Gebrauch genutzt. Da Sky die Werbeerlöse erhöhen will, lässt der Sender mit dem Kerngeschäft Filme und Sport seine Zahlen von der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung ermitteln und veröffentlicht diese seit wenigen Wochen.

Einzelne Spiele kaum messbar

Bei einem Bundesliga-Spieltag schalten am Samstag etwa eine Million Abonnenten ein, die Konferenz kommt in der Regel auf eine halbe Million Zuschauer. Die Zahlen für einzelne Spiele sind dagegen teilweise kaum messbar. Das Duell zwischen Leverkusen und Hoffenheim am 30. April notierte eine Quote von 0,0 Prozent, nur 1000 Zuschauer schalteten ein. „Auch mit solchen Quoten hatten wir im Vorfeld gerechnet“, sagte Sky-Sprecher Ralph Fürther. Beim Zweitliga-Duell zwischen dem SC Paderborn und dem FSV Frankfurt dürfte sich das Interesse in engsten Grenzen halten.

Wenn Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, solche Zahlen hört, schüttelt er den Kopf. Dann blickt er etwas sarkastisch: „Die Hälfte der Zu­schauer bei Leverkusen gegen Hoffenheim waren BVB-Fans, die sehen wollten, ob wir Meister werden können.“ Beim Spiel von Watzkes BVB in Mönchengladbach, das am 23. April abends ausgestrahlt wurde, fieberten 550 000 Fußball-Fans bei Sky mit. Beim Duell der Schalker in Bayern am vergangenen Wochenende waren es gar 670 000 Sky-Zuschauer.

422 Millionen TV-Geld

Für Watzke beeindruckende Argumente, warum die Deutsche Fußball Liga (DFL) bei ihren Ende 2011 anstehenden Verhandlungen über die Vergabe der TV-Rechte den Verteilerschlüssel überdenken sollte. Bislang wird nach sportlichem Erfolg aus- und aufgeteilt: Von den 422 Millionen Euro TV-Geld in dieser Saison gehen, per Solidarpakt, 79 Prozent an die 1. Bundesliga und der Rest an die 2. Bundesliga. Meister Dortmund erhält in dieser Saison 27 Millionen Euro. Bei den derzeit mittelmäßigen Hoffenheimern sind es noch 19 Millionen Euro.

Das könnte sich ändern. „Wir haben unsere Ideen eingereicht und warten ab“, sagt Watzke und weiß Unterstützer aus anderen Klubs hinter sich. Der BVB hat von den Wirtschaftsprüfern Deloitte Touche eine aufwändige Studie erstellen lassen, die der DFL vorliegt. Dort wird das holländische Modell protegiert. In dem werden 50 Prozent des TV-Gelds nach Erfolg und 50 Prozent nach weichen Faktoren ausgezahlt. Wie viele Fans und welche Sympathiewerte hat ein Verein? Wie stark und werthaltig ist die Marke? Wie, siehe Sky, fällt das TV-Interesse aus? „Das alles lässt sich messen“, weiß Watzke. Bei seinem Wunschmodell würden Vereine mit breiter Fanbasis – Schalke, Mönchengladbach oder Köln – besser abschneiden (und verdienen) als Hoffenheim oder Wolfsburg.

Ende des Jahres beginnt die Ausschreibung der TV-Rechte ab der Bundesliga-Saison 2013/2014. Bis dahin wird die DFL die Sky-Quoten weiter genau beobachten.

 
 

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