"Sisi"-Neuverfilmung: Anspielen gegen den Mythos

DerWesten
Foto: Bernhard Berger

Wien. Die Neuverfilmung des Lebens der österreichischen Kaiserin Elisabeth soll nach dem Willen der Macher eine hochmoderne Version des Stoffes werden. "Franz Joseph"-Darsteller David Rott rechnet mit Verriss durch die Kritiker.

2000 Komparsen, 700 Kostüme, 100 Pferde: Die Neuverfilmung des Lebens und Sterbens der österreichischen Kaiserin Sisi ist ein Projekt der Superlative."Das ist ein richtig großes Ding", freut sich Regisseur Xaver Schwarzenberger. Noch bis Anfang Juli wird an Schauplätzen in Österreich, Ungarn und Italien gedreht. Am 27. und 30. Dezember strahlt das ZDF die elf Millionen Euro teure deutsch-österreichisch-italienische Gemeinschaftsproduktion aus.

Bis dahin gibt es noch viel Arbeit für die Mitwirkenden. Vor allem die Komparsen müssen früh aufstehen. Ab 4.00 Uhr geht es in der Maske hoch her, damit zum Drehbeginn um 9.00 Uhr alle fertig sind. So lange dauert es, die Taillen der prächtigen Roben zu schnüren, kunstvolle Korkenzieherlocker zu drehen oder die sauber gebürsteten Uniformen anzuziehen und so die perfekte Illusion vom Leben im 19. Jahrhundert zu schaffen.

Alle auf Anfang

Allein 45 verschiedene Roben hat Kostümbildnerin Enrica Biscossi für Sisi (Cristiana Capotondi) geschaffen. "Wir wollten unseren eigenen Stil finden", erklärt sie. "Die Atmosphäre muss stimmen, nicht jedes historische Detail." Der "Ah"-Effekt, den sich Biscossi erhofft, ist ihr in jedem Fall sicher: Gebannt und beinahe als hätten sie ein Gespenst gesehen, staunen Besucher des Wiener "Sissi-Museums" dem "Kaiser" (David Rott) hinterher, als dieser nach einer Szene am Balkon wieder ins Innere des Hauses schlüpft. Beim Dreh des kaiserlichen Ja-Worts in der Michaelerkirche herrscht andächtige Stille, als würde tatsächlich eine Trauung vollzogen. "Danke, und Klappe", ertönt es kurz darauf von der Regie - und schon ist der Zauber dahin.

Erschöpft plumpst "Sisi" in ihrem Brautkleid auf den roten Teppich. "Ich muss auf's Klo", greint eines der kleinen Mädchen, die ihre meterlange Schleppe tragen, "ich will eine Semmel - aber nur mit Schinken", ein anderes. Beleuchtungstechniker schleppen Leitern und Kabel vorbei, zwischendrin in all dem Durcheinander tupft die Maskenbildnerin Puder auf die im gleißenden Kameralicht glänzenden Gesichter, eine andere zupft Locken und Hochsteckfrisuren zurecht. "Alle auf Anfang, aufstehen, und bitte", tönt es kurz darauf schon wieder über den Set. "Danke und Klappe", der Gang zum Altar ist im Kasten.

20 Kilo mehr

"Wenn Schwarzenberger drei Takes braucht, ist das schon viel", erzählt einer der vielen mit Knopf im Ohr herumeilenden Helfer am Set. "Er weiß sehr schnell, was er will. Schwarzenberger ist da schon vorbildlich." Das Ja-Wort wird dennoch ein ums andere Mal gedreht. "Wie oft wollen die den Mist denn noch drehen", raunt ein Ministrant entnervt, "das gibt's ja nicht". Dann, endlich, ist Schwarzenberger zufrieden. Mittagspause.

"Mit dem Kleid wiege ich 20 Kilogramm mehr", seufzt "Sisi"-Darstellerin Capotondi, die zum Essen kurzerhand Bademantel zu ihren hochhackigen Film-Schnürstiefeln kombiniert. Obwohl die zierliche Italienerin in ihrem Kostüm entweder jämmerlich friert wie beim Dreh in der Michaelerkirche oder im dicken Winterkleid in der prallen Sonne schwitzt: "Für mich ist das wirklich ein Traum."

Mächtig, politisch, intelligent

Angst, ständig mit dem Inbegriff aller bisherigen Elisabeth-Darstellerinnen verglichen zu werden, hat sie nicht. "Ich kann auch nicht an Sisi denken, ohne das Gesicht von Romy Schneider zu sehen", gibt sie freimütig zu. "Wir versuchen, eine andere Geschichte zu erzählen: die einer mächtigen, intelligenten und politisch interessierten Frau."

Ihr Film-Mann, Rott, geht noch weiter: "Der Streifen wird mit Sicherheit zerrissen werden", glaubt er. Es besser zu machen als Karlheinz Böhm, "Franz Joseph"-Darsteller aus der berühmten "Sissi"-Trilogie von Ernst Marischka aus den 50er Jahren, versucht er erst gar nicht. "Wir wollen unsere Fassung eher gegeneinander stellen." Ob und wie das gelingen kann, bleibt selbst für die Darsteller spannend: "Ich bin mal gespannt, was d'raus wird, wenn man ein 'S' weglässt", witzelt Herbert Knaup alias Herzog Maximilian über den Filmtitel "Sisi". (ddp)