Schnellcheck: So war der Stuttgarter „Tatort: Stau“

So lösen Autofahrer Stau aus
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Im „Tatort: Stau“ ermittelten die Kommissare in der Blechlawine. Ein spannender Fall mit Situationskomik. Der Krimi im Schnellcheck.

Berlin.  Ein Krimi im Verkehrschaos – was für ein passendes Setting für Stuttgart, Deutschlands Stauhauptstadt Nr. 1. Die Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) mussten in der Blechlawine einen Fall von Fahrerflucht aufklären.

Eine alltagsnahe Geschichte, die auch einen Blick auf die großen Themen des Lebens warf: Hektik, Stress, Beziehungsprobleme, Betrug, Kinderlosigkeit und Verlust – im Stau wurden die Probleme und Träume der Menschen spürbar.

Regisseur Dietrich Brüggemann, es war übrigens sein erster „Tatort“, machte daraus aber kein emotionales Drama, sondern inszenierte ein Kammerspiel mit spannendem Täterraten und erfrischender Situationskomik.

Das ist der „Tatort: Stau“ im Schnellcheck:

Der Drehort: Nichts geht mehr, im „Tatort: Stau“ ermitteln die Kommissare in einer Blechlawine. Im Feierabendverkehr hängen die Autofahrer auf der Neuen Weinsteige fest, eine der Hauptverkehrsadern Stuttgarts mit einem beeindruckenden Blick über den Talkessel.

Die bekannte Panoramastraße hätte der Sender nicht tagelang sperren können. Deswegen wichen die „Tatort“-Macher aus – nach Freiburg. In einer Messehalle wurde die Weinsteige mit Styropor, Sperrholz und einem Stau aus etwa 30 Autos nachempfunden. Auf der einen Seite simulierte ein 80 Meter langer Bluescreen den Blick auf die nächtliche Skyline Stuttgarts.

Stuttgart und der Stau: Die Schwaben-Stadt gilt als Deutschlands Stauhölle. Laut einer Erhebung des Navigationshersteller TomTom verliert dort jeder Fahrer durchschnittlich 34 Minuten Fahrtzeit pro Tag auf der Straße durch Staus. In einem Jahr summiert sich das für Berufspendler auf 132 Stunden – mehr als drei Arbeitswochen.

Skurrilster Monolog: Die Kindergärtnerin schwäbelt zweieinhalb Minuten lang ohne Punkt und Komma über die Hackordnung der Kleinsten: „Der Noah isch in der Gruppe so im Mittelfeld. Also wenn der Matteo da isch, dann isch der Matteo der Anführer. Und der Marlon und der Hendrik und der Wilhelm sind seine G’volksleut. Aber wenn der Matteo mal nich da isch, dann isch da gloich so’n kleines G’schupse zwischen dem Noah und dem Wilhelm. Also, wir basche ja schon uff, dass die Kinder sich net so arg hauet. Aber die finda ja immer Mittel so ne Hackordnung auszufechte. Wenn ich den Jamie und die Hanna-Lena miteinander in den Sandkasten setze, dann weiß ich: Das pascht. Die sind einfach a subbr Team. Die Hanna-Lena und der Otto-Karl dagegen, kannschte vergesse. Spätestens nach zwei Minuten fliege die Fetzsche. Und manche, die kommen auch mit gar keinem klar. Aber des liegt dann fascht immer am Elternhaus.“

Alles klar?!

Diese Songs hören die Autofahrer: Die Protagonisten werden direkt zu Beginn durch die Musik, die sie im Auto auf der Fahrt hören, charakterisiert. Sechs Hits in G-Dur, wie Regisseur Dietrich Brüggemann in einem Interview erklärte.

Der Ingenieur hört lautstark Metallica, um seine Wut auf den Chef zu vergessen. Die Familienmutter spielt der Tochter Peter Licht mit „Wettentspannen“ vor. Eine Wirkung auf das Kind hat der Song aber nicht. Aus dem Autoradio des Krankentransportfahrers dröhnt Billy Joel mit „We Didn’t Start the Fire“, der Rentner hört „American Pie“ von Don McLean und der Familienvater „Rockafeller Skank“ von Fatboy Slim. Die streitenden Eheleute träumen sich zu „Reality“ aus „La Boum“ in eine bessere Welt – mit ausgetauschten Partnern.

Da knisterte es: Ein Dreijähriger ist der einzige Zeuge und will den Unfall gesehen haben Sebastian Bootz (Felix Klare) kümmert sich um ihn und versucht wichtige Informationen über den möglichen Täter zu erfahren. Bootz gibt den Ersatzpapa – und kommt der Mutter des Kleinen näher, intensiver Blickkontakt inklusive. Vielleicht wird der Zuschauer sie im nächsten „Tatort“ wiedersehen.

Das nervt: Viel zu überdreht wirkt der aggressive Mob, der die Revolution im Stau erprobt und in Wutbürger-Manier „Wir wollen raus!“ skandiert. Später wollen die genervten Autofahrer auch noch einen Verdächtigen lynchen.

Dieser Moment lässt den Zuschauer schaudern: Kommissar Lannert vermutet, dass Familienmutter Tina Klingelhöfer (Susanne Wuest) das Mädchen angefahren hat. Er erzählt ihr, wie grausam der Tod der 14-Jährigen gewesen sein muss. Eine brutale Schilderung des Tathergangs. Dem Zuschauer lief es eiskalt den Rücken hinunter: „Das Auto hat sie eher sanft erwischt, da wäre gar nicht so viel passiert. Aber sie ist so unglücklich gegen einen Poller geflogen, dass sie sich den obersten Halswirbel gebrochen hat. Klassischer Genickbruch. Da ist man aber nicht gleich tot, das führt nur zur kompletten, sofortigen Querschnittslähmung.“

Sie hätte überleben können, so Lannert. „Gestorben ist sie aber an Atemlähmung. Man kann dann nämlich nicht mehr aus eigener Kraft atmen und erstickt langsam.“ Sie hätte noch drei Minuten bei Bewusstsein sein können. „Das ist so, wie wenn jemand einem eine Plastiktüte über den Kopf zieht“, berichtet der Kommissar weiter.

Dieses Detail hinterlässt Fragezeichen: Kommissar Lannert erklärt Chauffeur Bernd Hermann (Jacob Matschenz), dass ein Mädchen angefahren wurde. Der ist sehr erleichtert, als er hört, dass der Unfall erst wenige Stunden her ist. „Ich hab gestern Nachmittag einen Hund angefahren. Also ich glaube, es war ein Hund. Das hat so „buhub“ gemacht. Das war was kleines Weißes. Ich glaub, das war ein Hund.“

Als später Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare) mit dem Freund des getöteten Mädchens spricht, erfährt er, dass ihr Hund einen Tag zuvor verschwunden ist. Viele Zuschauer werden da direkt einen Zusammenhang mit der Aussage von Bernd Hermann gesehen haben. Doch aufgeklärt wird diese Verbindung im „Tatort“ nicht.

 
 

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