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Vegan-Koch Attila Hildmann gewinnt bei „Schlag den Star“ - aber keine Sympathien

Um 100.000 Euro reicher, aber vermutlich viele Sympathien ärmer ist Kochbuch-Autor Attila Hildman nach seinem „Schlag den Star“-Sieg.
Foto: ProSieben / Willi Weber
Battle zwischen Vegan-Koch Attila Hildmann und Comedian Luke Mockridge: Der „Schlag den Star“-Sieger gewinnt Geld, keine Sympathien.
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Berlin.  Schuld ist nur das Hoverboard. Beziehungsweise: die Hoverboards. Das blaue und das grüne und das Modell, das für Hello Kitty konstruiert ist. Oder zumindest danach aussieht. Egal. Die Kraft, die Luke Mockridge das Zerstören der (angeblich) schrottreifen Fahrzeuge kostet, fehlt ihm am Türrahmen. Richtig, „Schlag den Star“ endet Sonntagmorgen um kurz vor halb zwei Uhr nachts in einem Türrahmen.

Nicht, weil der Comedian aufgegeben und das Weite gesucht hätte – was bei seinem deutlichen Vorsprung über viele Stunde Show nur verständlich gewesen wäre. Nein, im Finale müssen der 28-Jährige und sein Konkurrent, Vegan-Koch Attila Hildmann (35), in dem Holzkonstrukt ihr Stehvermögen beweisen. Oder was davon noch übrig geblieben ist.

Der Wendepunkt: das Hoverboard-Debakel

Wendepunkt der Spielshow: das Hoverboard-Debakel. Zu diesem Zeitpunkt nimmt Moderator Elton die Sache – beziehungsweise das Lenkrad – selbst in die Hand. Stimmen die Vorwürfe Mockridges, dass nichts an den Teilen funktionieren will? Dass der Sitz wackelt? Und die Steuerung schlackert? Nö, gar nicht, alles gut.

Trotzdem schafft der Komiker vier der Fahrzeuge, weil er mit den Füßen bremst (Elton: „Das geht nicht!“ Mockridge: „Scheiß Physik!“), und auch Hildmann, der „Veganator“, schießt beim 11. Spiel übers Ziel hinaus. Und zwar mit Karacho auf die 100.000 Euro zu.

Alle 20 Minuten Werbung? Muss nicht sein

So viel zum Ergebnis. Kommen wir also zu einer viel ernsteren Angelegenheit (denn für den Gewinner hat sich eh keiner gefreut). Es wird nämlich mal wieder allerhöchste Zeit, dass wir uns dem Stichwort Werbung widmen. Dass sich eine große deutsche Samstagabend-Sendung wie „Schlag den Stars“ finanzieren muss – keine Frage.

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Dass die „Stars“ Luke Mockridge und Attila Hildmann ein kleines Sümmchen bekommen sollen (und Elton ein deutlich größeres), versteht sich ebenso. Auch die 100.000-Euro-Siegprämie fällt nicht vom Studiohimmel. Aber im Schnitt alle 20 Minuten Werbung und dass sogar während laufender Spiele, nur damit das Ganze bis 1.25 Uhr geht? Ne, komm, das kann nicht sein.

Show startete vielversprechend

Dabei beginnt „Schlag den Star“ auf einem vielversprechenden Niveau. Wie im Vorfeld zur Show keifen sich Mockridge und Hildmann ordentlich an, der Ernährungsexperte will seinen Konkurrenten „zu Püree“ verarbeiten, ihn „wie Tofu zerbröseln“. So viel zur Theorie. Denn die Praxis sieht erstmal anders aus: Nach der Auftaktrunde – Schrauben aus Holz drehen –heißt der Gewinner laufend Luke, Luke, Luke; egal ob es ums Fußbälle kicken, Kugelstoßen oder Bogenschießen geht.

Von ungefähr kommt das nicht: Beim „Parcours des Todes“, der in einer früheren Show schon Joey Kelly eine Knieverletzung kostet, gibt Hobby-Triathlet Hildmann schon im dritten von fünf Durchgängen auf; er keucht nach dem Netzkrabbeln und Balancieren, als habe er den Kilimandscharo erklommen. „So Speedsachen, ne!“, nicht seins. Puh, erstmal Zeit, durchzuatmen. Werbung.

Bitte nicht noch einen Veganer-Witz

Und die Verschnaufpause weitet sich aus. Denn das 7. Spiel nach der gefühlt 7. Werbung ist gerade im Gang, da singt erstmal Adel Tawil. Joa, ganz nett, so wie der Auftritt von „Take That“ kurz zuvor. Aber hätte jetzt auch nicht sein müssen. Was übrigens ebenso für Eltons 75-maliges Aufzählen der Vorzüge des Wagens gilt, den es zu gewinnen gibt. Dafür ist dem Moderator aber sonst nichts vorzuwerfen: Er kann Kugeln stoßen, Röhren-Innenwände reparieren und ausrastende Kandidaten ermahnen – Hildmann will bei Spiel 8 aus Frust die Kreisel-Holz-Konstruktion zerstören. Aber bei dem Durchgang hat er das erste Mal nach einem Stand von 27:1 für den „erfolgreichsten deutschen Stand-up-Comedian“ die Chance, endlich aufzuholen. Klappt. 27:9 um 23:24 Uhr, noch ein Veganer-Witz und Hildmann geht freiwillig nach Hause.

Doch der Abend ist noch lang. Der Berliner Koch, der mehr als eine Million Bücher verkauft hat, verlängert jedes Spiel wegen einer Million Nachfragen („Was ist eine Pylone?“). Falls er nicht gerade, wie bei Spiel 2, um eine Videoanalyse seiner Armbrust-Technik bittet. Ein Glück, dass der 35-Jährige schon zu Beginn der Show ankündigt, dass es ihm nicht darauf ankommt, bei „Schlag den Star“ sympathisch zu wirken. Klappt nämlich nur bedingt, Applaus gibt es für ihn seitens des Publikums kaum.

Beim Klassiker „Blamieren oder kassieren“ profitiert er auch noch von den Fehlern des Fernseh-Entertainers, wobei – das schafft der Koch schon selbst. Die Herren Gropius/Giller/Ulbricht heißen fortan nämlich Max mit Vornamen. Doch Hildmann verkürzt. 19:36 lautet der Spielstand um kurz vor Mitternacht. Höchste Zeit für Werbung Nummer neun.

Hildmann will Tiger in Indien retten

Und dann geht auf einmal alles ganz schnell: Spaghetti-Spiel (Attila siegt), Sortier-Spiel (Attila siegt), Matchball-Spiel (Attila verliert). 14. Spiel, es geht ans Golfen! Mit dem Putten klappt es bei Konkurrent Mockridge auf Anhieb. Dennoch: 55 zu 50 Punkte zugunsten von Hildmann lautet der Punktestand vor dem alles entscheidenden 15. Wettkampf. Also rein in den Rahmen, Rücken ans Holz, das Bein schön strecken. Oder den Oberschenkelmuskel massieren, wie Mockridge es macht. Nützt aber alles nichts, das Knie kapituliert.

Dass sich der TV-Koch nach zehn Minuten noch wenige Sekunden länger im Türrahmen halten kann, kommt seiner Stiftung zugute. Diese setzt sich für Tiger in Indien ein. 50.000 Euro für Hildmann, 50.000 Euro für die Tiere. Und Luke Mockridge … der erhält ein Hoverboard. Ein nigelnagelneues.

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