„Schlag den Raab“ – Kölner Kandidat räumt drei Millionen ab

Geschlagen: Stefan Raab hat in seiner ProSieben-Show "Schlag den Raab" gegen Kandidat Anish Pulickal verloren. Für die "Killerplauze" war es die erste Niederlage in 2013.
Geschlagen: Stefan Raab hat in seiner ProSieben-Show "Schlag den Raab" gegen Kandidat Anish Pulickal verloren. Für die "Killerplauze" war es die erste Niederlage in 2013.
Foto: dpa
Nach 335 Minuten war klar: Die Siegesserie von Stefan Raab ist vorbei. Kandidat Anish Pulickal hat bei der ProSieben-Show „Schlag den Raab“ drei Millionen Euro abgeräumt. Unbeliebt machte sich der erst schwache, dann überhebliche Sozialarbeiter aber schon, bevor er das Geld in die Hand bekam.

Essen. Dramatik bis tief in die Nacht: Lange Zeit hat es am Samstagabend so ausgesehen, als würde „Schlag den Raab“ eine schnelle Nummer. Am Ende wurde die ProSieben-Show dann aber ein TV-Marathon von fünfeinhalb Stunden Dauer. Erst in der allerletzten Runde hat Kandidat Anish Pulickal aus Köln das Spiel für sich entschieden: Der 32-jährige Sozialarbeiter trat mit drei Millionen Euro die Heimreise an. Für Stefan Raab war es die erste Niederlage in diesem Jahr.

Das alles entscheidende Duell werden die Zuschauer wohl nicht so schnell vergessen: Es ist beinahe zwei Uhr am Sonntagmorgen. Anish Pulickal steht auf einem Putting-Green, in der Hand hält er einen Minigolf-Schläger. Sein Ball liegt 50 Zentimeter vom Loch entfernt. Anish holt aus, schwingt den Schläger sanft durch die Luft und schubst den Ball in Richtung des Loches. Er trifft. Das "Schlag den Raab"-Publikum jubelt. Konfetti fliegt durch die Luft. Anish sinkt auf den Hallenboden, wird von Helfern wieder auf die Beine gestellt, sinkt wieder auf den Boden. Er kann es nicht fassen. Er ist jetzt ein reicher Mann. Er hat gerade mehr Geld gewonnen, als er in seinem Beruf je verdienen könnte.

"Schlag den Raab"-Kandidat Anish gewann zuerst kaum ein Spiel

Darauf, dass der zuletzt immer so souveräne Stefan Raab von Anish in die Schranken verwiesen werden könnte, hätte in den ersten Stunden der Sendung wohl niemand gewettet. Der Mann, dessen Eltern in den 1960er-Jahren aus Indien nach Deutschland gekommen sind, bekam in der Sendung zunächst kein Bein auf den Boden. Von den ersten acht "Schlag den Raab"-Spielen konnte er nur eines gewinnen. Fast schon traurig war es anzusehen, wie sehr der Kandidat schwächelte.

Auf einem Schlitten konnte er sich nicht fortbewegen, rückwärts abgespielte Weihnachtslieder erkannte er nicht. Anish scheiterte daran, Kerzen in einer Reihe aufzustellen, und er wusste nichts mit unscharfen Promi-Bildern anzufangen. Dass er mit einem Katapult erfolgreich Fässer von einem Podest schoss, brachte ihm etwas Aufwind, konnte aber auch nicht verhindern, dass er beim Eishockey sang- und klanglos unterging. Es folgten Niederlagen bei einem Geschicklichkeitsspiel und beim Wissens-Quiz „Blamieren oder Kassieren“.

Die Wende für Anish brachte erst Spiel Nummer zehn: ein Tennis-Match auf einem Kleinfeld. „Das Ding muss ich holen, sonst kann ich mich gleich erschießen“, sagte er noch vor dem ersten Aufschlag - Anish spielt Tennis seit seiner Kindheit, ist in der Bundesliga aktiv.

Endlich zeigt Anish, was er kann. Er findet neues Selbstbewusstsein - und überschreitet dabei die Grenze zur Überheblichkeit.

Nicht viel Sympathie für "Schlag den Raab"-Kandidat Anish

ProSieben-Kommentator Frank Buschmann spricht gar von „Hans-Martinesken Zügen“. Er erinnert damit an einen Kandidaten namens Hans-Martin, der im April 2010 bei "Schlag den Raab" gewann – 500.000 Euro überwies der Sender damals auf dessen Konto. Wegen seiner „gewöhnungsbedürftigen“ Art geriet er in die Kritik. Schließlich wurde Hans-Martin in Blogs und Foren zu „Hass-Martin“ – sein Auftritt gilt als legendär und zuweilen immer noch als Beleg dafür, dass spitze Ellenbogen eher ans Ziel führen als Freundlichkeit und Fairness. Sogar das Publikum buhte Hans-Martin seinerzeit aus. Dem ungeliebten Kandidaten war das egal: „Ich bin nicht hierhin gekommen, um neue Freunde zu gewinnen, sondern das Geld".

Bei Twitter nimmt während dieser "Schlag den Raab"-Sendung die Diskussion über Kandidat Anish einen interessanten Verlauf: Zunächst ist er wegen seiner anfänglichen Unfähigkeit eine Zielscheibe für Hohn und Spott, dann wird er wegen seines aufkeimenden Selbstbewusstseins, ja, seiner Arroganz, zunehmend angegriffen, und am Ende wird ihm dann doch zu seinem Sieg gratuliert. Möglicherweise bleibt die Häufung der 140-Zeichen-Twitter-Ohrfeigen auch nur aus, weil die Kritikerschar angesichts der vorgerückten Stunde schon im Bett liegt.

"Schlag den Raab" als große Samstagabend-Show

Die 44. Ausgabe von „Schlag den Raab“ hat jedenfalls wieder einmal bewiesen, dass das Format das Zeug hat, sich weiterhin als große Samstagabendshow zu positionieren - sie ist eben massenkompatibel. Auch die Musikauswahl (Auftritte von Casper, Placebo und Thomas D) dürfte den Geschmack der breiten Masse getroffen haben - „Schlag den Raab“ wird zum „Wetten, dass...?!“ einer neuen Generation.

 
 

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