Sat.1-Reporterin Marlene Lufen bei Maischberger: „Es war versuchte Vergewaltigung“

Bei Sandra Maischberger erzählte Sat1-Moderatorin Marlene Lufen, wie sie als 19-Jährige das Opfer einer versuchten Vergewaltigung wurde.
Bei Sandra Maischberger erzählte Sat1-Moderatorin Marlene Lufen, wie sie als 19-Jährige das Opfer einer versuchten Vergewaltigung wurde.
Foto: WDR/Max Kohr / BM
Frauen, denen niemand glaubt, Männer, die zu Unrecht beschuldigt werden: Bei Maischberger ging es um das Dilemma des Sexualstrafrechts.

Berlin.  Es sollte nur ein Fotoshooting sein, also dachte sich die 19-Jährige nichts dabei. Nur mit Unterwäsche saß sie da. Als sie sich wieder anziehen wollte, passierte es: Der Fotograf fiel über sie her, schmiss sein Opfer aufs Bett und hielt es an den Schultern fest. „Ich hatte zum Glück genug Kraft, um mich zu befreien“, sagt Marlene Lufen.

Die Geschichte, die die Sat.1-Reporterin am Mittwochabend bei Sandra Maischberger erzählte, liegt 28 Jahre zurück – und hatte für den Täter keine Konsequenzen. „Mir war damals nicht bewusst, dass es eine versuchte Vergewaltigung war“, so Lufen.

Sie habe nur selbst an sich gezweifelt, die Frage gestellt, was sie falsch gemacht habe. Und damit zu den Frauen gehört, die schweigen. Aus Scham, aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird. Nur jede zehnte Sexualstraftat in Deutschland wird angezeigt.

Der Fall Horst Arnold – ein Justizskandal

Doch es gibt auch die andere Seite: Männer, die zu Unrecht beschuldigt werden – und alles verlieren. Passend zum ARD-Fernsehfilm „Meine fremde Freundin“, in der ein Mann wegen einer erfundenen Vergewaltigung ins Gefängnis kommt, fragte Sandra Maischberger im Anschluss: „Sexuelle Nötigung – Männer unter Generalverdacht?“

Ein Vorwurf, der alles zerstörte: Der Lehrer Horst Arnold saß fünf Jahre lang unschuldig im Gefängnis, weil er seine Kollegin Heidi K. vergewaltigt haben sollte. Erst nach Haftende dringt die Wahrheit ans Tageslicht. Heidi K. hatte gelogen, wollte sich rächen, da Arnold ihr die fachliche Qualifikation für einen besseren Posten in der Schule absprach. „Ich habe die Hölle erlebt“, sagte der Lehrer über seine Jahre im Gefängnis. Ein Jahr nach Haftentlassung stirbt er, beruflich und finanziell ruiniert.

Frauenbeauftragte der Schule sorgte für Gerechtigkeit

Bei Sandra Maischberger saß die Frau, die für späte Gerechtigkeit sorgte – und K. hinter Gittern brachte. „Ich musste es tun, sonst hätte ich nicht mehr in den Spiegel schauen können“, sagte Anja Keinath, damals Frauenbeauftragte der Schule. Im Prozess stand sie K. noch zur Seite. Erst später fielen ihr die Widersprüche auf, es kommt zum erneuten Verfahren.

„Heidi K. hatte eine Persönlichkeitsstörung und musste immer im Mittelpunkt stehen“, urteilte die ehemalige Gerichtsreporterin für „FAZ“ und „Spiegel“, Gisela Friedrichsen über die Täterin.

Warum gibt es so wenig Anzeigen?

Ein tragischer Justizskandal, ganz klar. Und ein Einzelfall. Denn: Jede siebte Frau in Deutschland wurde schon vergewaltigt oder sexuell genötigt. Kommt es zur Anklage, werden nur acht Prozent der Verdächtigten auch verurteilt. Das Problem: Oft steht Aussage gegen Aussage.

„Den meisten Frauen wird nicht geglaubt, deswegen gibt es so wenige Anzeigen“, berichtet die Journalistin und Feministin Teresa Bücker. Für Männer hingegen sei das Risiko, im Laufe ihres Lebens Opfer einer Falschbeschuldigung zu werden, nahe bei null Prozent. „Der Fall Kachelmann beweist das Gegenteil“, hielt Gerichtsreporterin Friedrichsen dagegen.

„Welt“-Autorin gegen Feministin

Eine Aussage, die der Netzaktivistin Bücker die Zornesröte ins Gesicht trieb. Immer wieder beharkte sich die Feministin mit der heutigen „Welt“-Autorin. Friedrichsen kritisierte Verschärfungen im Sexualstrafrecht, sprach davon, dass es zeitweise eine Art „Mode“ gewesen sei, Männern sexuellen Missbrauch vorzuwerfen. Bücker hielt Friedrich vor, nicht mit genug Opfern gesprochen zu haben.

Und irgendwo hatten beide Recht. Friedrichsen, weil sie das Dilemma der Gerichte darstellte. Bücker, weil sie die Opfer in den Mittelpunkt stellte – und das sind eben fast immer Frauen.

Was darf man(n) einer Frau sagen – und was nicht?

Doch Übergriffe beginnen nicht erst bei der Vergewaltigung. Oft reicht schon ein zweideutiger Spruch, die zufällige Handbewegung zum Po. Sexismus kennt viele Spielarten. „Das vergiftet die Gesellschaft“, so Netzaktivistin Bücker.

„Darf man Frauen überhaupt noch sagen, dass sie gut aussehen?“, fragte Moderatorin Maischberger. Der Schauspieler Hannes Jaenicke brachte es auf den Punkt: „Die Grundlage ist gegenseitiges Einvernehmen“. Unsicheren Männern riet er: „Habt ein bisschen Stil, ein bisschen Manieren. Beherzigt das Wort Gentleman“.

Heute würde Marlen Lufen zur Polizei gehen

Klingt einfach, aber reicht das auch? Konkreteres hatte Maischbergers Runde leider nicht zu bieten. Mut machte dafür Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen. Ihr sei klar geworden, dass sie das Opfer einer brutalen Straftat war. Und heute, fast drei Jahrzehnte später, würde sie natürlich zur Polizei gehen und für ihr Recht kämpfen. Die Gesellschaft habe sich eben geändert.

Und hier gehts’s zur Sendung in der ARD-Mediathek.

 
 

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