Sarrazin gibt bei „Maischberger“ den Trump-Versteher

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin warb am Mittwochabend in der ARD-Talkshow Maischberger um Verständnis für die Positionen von US-Präsident Donald Trump.
Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin warb am Mittwochabend in der ARD-Talkshow Maischberger um Verständnis für die Positionen von US-Präsident Donald Trump.
Foto: imago stock&people / imago/Horst Galuschka
Für Thilo Sarrazin gibt es weiterhin nur ein Thema: Muslime und Migration. Bei Sandra Maischberger verquickte er das mit Donald Trump.

Berlin.  Wer wegen der Politik von Donald Trump schon das Schlimmste befürchtet hatte, konnte sich zuletzt ein wenig entspannen. Innenpolitisch stößt der US-Präsident mit Vorhaben wie seinem Einreisedekret auf Gegenwehr. Außenpolitisch hat seine Regierung von sich aus viele Aufregerthemen entschärft: Die USA stehen weiter zur Nato, plötzlich kritisch zu Russland und suchen nun doch den Dialog mit China.

In den deutschen Talkshows sind die jüngsten Entwicklungen bisher nur bedingt angekommen. So ist zu erklären, dass Sandra Maischberger am Mittwochabend einen gewohnt alarmistischen Trump-Tenor an den Tag legte. „Trump gegen den Rest der Welt?“, fragte die Redaktion am Mittwochabend besorgt.

Was Sarrazin über Trump denkt

Die Aufregung um Trump konnte auch der kontroverseste Gast, Thilo Sarrazin, nicht verstehen. Allerdings nicht etwa, weil sich die Lage entspannt hat, sondern weil der frühere Berliner Finanzsenator sowohl beim Thema Einwanderung als auch in wirtschaftspolitischen Fragen stark mit dem US-Präsidenten übereinstimmt: „Trump wendet sich gegen illegale Einwanderung und er will mehr Wertschöpfung im eigenen Land. Das sind Megathemen, mit denen er Erfolg haben kann“, sagte Sarrazin.

Menschlich ist ihm Trump allerdings nach eigenem Bekunden unsympathisch. „Er ist ein Narzisst und nicht berechenbar“, sagte Sarrazin. Insbesondere beim Thema Migration kam der frühere Vorstand der Bundesbank, der mit seinen kruden Anmerkungen zum Zusammenhang von Genetik, Intelligenz und Ethnien für einen Aufschrei gesorgt hatte, trotzdem regelrecht ins Schwärmen. „Wenn man das vernünftig vorbereitet, kann man das nicht gerichtlich stoppen“, sagte Sarrazin zu Trumps umstrittenem Einreiseverbot für Muslime aus sieben Ländern.

Die alte anti-muslimische Agenda

Den Punkt nutzte der SPD-Politiker dann auch gleich, um seine Standard-Agenda abzuspulen. Der überwiegende Teil der Muslime in westlichen Gesellschaften sei nicht angekommen, sagte Sarrazin. Deshalb sei es auch legitim, zu überprüfen, inwiefern Migranten „kulturell kompatibel“ seien. „Eine solche Einwanderung kann man durchaus rational vollziehen“, befand Sarrazin.

Diese Sichtweise führte ihn dann auch gleich dazu, Trumps Wirtschaftspolitik der Abschottung zu loben. Die Rechnung war dabei ganz einfach: Denkt man sich alle mexikanischen Einwanderer in den USA weg, gibt es mehr Arbeitsplätze und höhere Löhne für die weißen amerikanischen Arbeiter. „Man muss den Arbeitnehmer vor falscher ausländischer Konkurrenz schützen“, sagte Sarrazin.

Gegenwind für Sarrazin

Nur gut, dass Sarrazin in der Sendung mit derart einfachen Rezepten nicht davonkam. Sofort wurde er von den anderen Gästen gestellt. Die Wirtschaftsexpertin Sandra Navidi etwa warf dem früheren SPD-Politiker vor, diese Rechnung ohne weitere Faktoren der Globalisierung zu machen. Und der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen wies daraufhin, dass nicht etwa Migranten, sondern die schlechte Qualität ihrer Produkte daran schuld seien, dass viele Teile der US-Industrie abgewandert oder eingegangen sind.

Mit Blick auf das Einreiseverbot wies der Journalist und Nahost-Experte Ulrich Kienzle daraufhin, dass die Staaten, die nachweislich eng mit islamistischem Terror verbunden sind, gerade nicht von Trumps Dekret betroffen sind. Dazu gehöre vor allem Saudi-Arabien, dass das „Herz der Finsternis“ und gar „schlimmer als der IS“ sei. Der Historiker Michael Wolffsohn sprach mit Blick auf das Dekret von einem „tölpelhaften Versuch“.

Muslime und Migration lassen ihn nicht los

Und so konnte man aus dieser Ausgabe von „Maischberger“ vor allem eines lernen, nämlich dass Thilo Sarrazin seine Thematik wohl nie ändern wird. Ganz gleich, zu welchem Thema er eingeladen wird: Muslime und Migration lassen ihn einfach nicht los.

Am Ende war es trotzdem ausgerechnet dieser Talkgast, der ein klein wenig Hoffnung schürte. „Trump sagt, er hört auf mit falschen Interventionen. Dadurch wird er tatsächlich friedenstiftend wirken.“ Hoffen wir, dass Herr Sarrazin damit mal Recht haben wird.

Zur Ausgabe von „Maischberger“ in der ARD-Mediathek

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