Sandra Maischberger scheitert mit Jahresrück- und Ausblick

Sandra Maischberger wollte in ihrem ARD-Talk zu viel. So kam es, wie es kommen musste: Ein Jahresrückblick und eine Vorschau aufs kommende Jahr passen nicht in 75 Minuten Sendezeit. Daran scheitert selbst die bestorganisierte Moderation.

Essen. „Panikjahr 2011 – kommt 2012 der Kollaps?“ - der Titel der Ausgabe von „Menschen bei Maischberger“ verlangte zwingend nach einem Gast, der leider fehlte: Panik-Rocker Udo Lindenberg. Stattdessen hatte die Gastgeberin ins Studio mit seinem drögen Bibliotheken-Charme sechs übliche Verdächtige gebeten, allen voran Welterklärer Peter Scholl-Latour. Mal abgesehen von Ex-Bischöfin Margot Käßmann und Kabarettist Mathias Richling saßen nur Journalisten in der Runde, die ihre üblichen Positionen markierten: Roger Köppel gab den Konservativen, Jakob Augstein seinen linken Gegenpart, Frank Lehmann mimte, wie zu seiner aktiven ARD-Zeit, den Börsen-Experten.

Die Gastgeberin, wie immer bestens vorbereitet, hechelte nahezu alle Themen durch, die dieses Jahr öffentliches Interesse erregt oder gar Erregung der Öffentlichkeit hervorgerufen hatten – vorne weg Gewinner und Verlierer des Jahres. Richling sollte sie launig kommentieren, hielt sich aber mit publikumswirksamer Häme weitgehend zurück. Orientiert er sich neuerdings am amerikanischen TV-Kollegen Jon Stewart, der in Ernsthaftigkeit macht, weil er die Wirklichkeit für komisch genug hält?

Maischberges nächstes Thema: Geld

Es folgte das Großthema Geld. Lehmann, Mann klarer Worte und knapper Gesten, glaubt daran, dass der Euro Bestand hat und dass, zweitens, die Inflationsrate deutlich steigt. Augstein unterschied feinsinnig zwischen Banken- und Schuldenkrise. Er verwies darauf, dass Europas Staaten, mit Ausnahme von Griechenland, vor der Bankenkrise durchaus solide gewirtschaftet haben. Augstein erwartet, dass soziale Ungleichheit in Europa in den nächsten Jahren das große gesellschaftliche Thema werde. Erstaunlicherweise sekundierte sein konservativer Gegenpart, auch wenn er seine Zustimmung als Widerspruch tarnte. Köppel sieht nämlich das Ende des Sozialstaats nahen.

Bevor eine Diskussion aufkam, setzte Maischberger erneut einen Schnitt. Personalfragen folgten dem Sachthema. Maischberger brachte einen Vergleich von Käßmanns schnörkellosem Rücktritt nach ihrer Alkoholfahrt mit Ex-Verteidigungsministers Guttenbergs Abschied auf Raten in dessen Plagiatsaffäre ins Spiel. Käßmann machte, notgedrungen, gute Miene zum bösen Spiel.

Ein Schnitt, dann geht's um Fukushima

Maischberger setzte einen erneuten Schnitt, um zu Fukushima und der Energiewende in Deutschland überzuleiten. Köppel spielte die Atom-Katastrophe in Japan herunter. Ihm zufolge arbeiten wieder Menschen im Kraftwerk Fukushima; niemand sei dort gestorben. Die Diskussion in Deutschland habe folglich hysterische Züge getragen. Augstein widersprach. Lehmann verlangte eine Energiewende auch im Hinblick auf schwindende Ölvorräte. Als die Diskussion temperamentvoll wurde, brach Maischberger sie kurzerhand ab, um ihren Zeitplan durchziehen zu können.

Die letzten zehn Sendungsminuten galten den Rebellionen in Arabien. Damit rollte Maischberger den sprichwörtlich roten Teppich für Scholl-Latour aus. Obendrein durfte er, per Cover-Einblendung, für sein aktuelles Buch zum Thema werben. Scholl-Latour zeigte sich ernüchtert. Er befürchtet, Saudi-Arabien könne erzkonservative Moslems in Ländern wie Ägypten zur Macht verhelfen – eine bittere Pointe angesichts der Tatsache, dass vielerorts prowestliche Mittelschichtler mit ihren Protesten mehr Demokratie erreichen wollten.

Erst mal die Europameisterschaft holen

Zum Abschluss gab's eine Kurzfrage-Runde. Bei Börsen-Guru Lehmann steht, wenig überraschend, die Nationalelf hoch im Kurs. Bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr sei sie „der absolute Favorit“. Zumindest beim Sport beantwortete Lehmann die Frage der Sendung unausgesprochen: Krise? Welche Krise?

Der Gedanke ließe sich noch weiterspinnen: Wenn Deutschland die Europameisterschaft holt, ist der Rest nur noch ein Kinderspiel.

 
 

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