Sandra Maischberger in der ARD: „Der Ehrliche ist der Dumme“

Christine Holthoff
Moderatorin Sandra Maischberger diskutierte am Mittwoch mit ihren Gästen über die Enthüllung der „Panama Papers“. Zu Gast war auch Millionen-Betrüger Josef Müller.
Moderatorin Sandra Maischberger diskutierte am Mittwoch mit ihren Gästen über die Enthüllung der „Panama Papers“. Zu Gast war auch Millionen-Betrüger Josef Müller.
Foto: Imago
Sandra Maischberger hatte am Mittwoch einen Millionenbetrüger eingeladen. Mit ihm wollte sie klären, ob nur Reiche richtig Steuern sparen können.

Berlin. Gleich zwei Sendungen widmete das Erste am Mittwochabend den „Panama Papers“. Erst zeigte ein „Weltspiegel extra“ die weltweiten Reaktionen auf die Enthüllungen, dann drehte Sandra Maischberger das Thema weiter, das mit dem Aufkommen der Böhmermann-Erdogan-Debatte fast schon wieder in Vergessenheit zu geraten schien. Sie wollte wissen: „Gier ohne Grenzen: Sind unsere Banken nur für Reiche da?“

Antwort geben sollten der ehemalige ARD-Börsenjournalist Frank Lehmann, die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht, Rentnerin Urbe Sommermeyer, Rechtsanwalt Helge Petersen, ARD-Reporter Christoph Lütgert, Finanzwissenschaftler Professor Hans-Peter Burghof und Millionenbetrüger Josef Müller. Letzterer half einst als Steuerberater seinen wohlhabenden Kunden, ihr Geld vor dem Fiskus zu verstecken.

Maischberger-Redaktion hatte Ex-Kriminellen geladen

Mit Müller hatte die Maischberger-Redaktion bereits den zweiten Ex-Kriminellen innerhalb weniger Tage ins Studio geladen. Anders als vor einer Woche der frühere Berufseinbrecher Siegfried Massat plauderte Müller aber nicht aus dem Nähkästchen und blieb auch sonst eher blass, während der Rest der Runde diese Fragen diskutierte:

Können nur die Reichen Steuern sparen?

Der frühere ARD-Börsenexperte Frank Lehmann empfindet das so. „Der Ehrliche ist der Dumme“, sagt er. „Tatsächlich wollen die, die haben, immer mehr. Das ist eine Frage der Gier. Das ist ein Hobby der Superreichen geworden.“ Der Kleine hingegen würde sofort vom Finanzamt erwischt. Außerdem sei es inzwischen so, dass die großen Banken ihre Zielgruppe nur noch in den besonders Vermögenden sehen.

Sind die Banken also die Schuldigen?

Finanzwissenschaftler Hans-Peter Burghof, von der Redaktion mangels Zusagen von Bankvertretern eigentlich als Fürsprecher der Branche bestellt, findet: „Sie sind nicht der eine Sündenbock, aber sie sind natürlich traditionell an dem dran, der Geld hat. In dieser Hinsicht ist die Korrumpierbarkeit groß.“ Allerdings gibt Burghof auch zu bedenken, dass sich in der Bankenwelt seit Ausbruch der Krise viel gebessert habe, sagt aber auch: „Es wird andererseits schlimmer, weil die Globalisierung diese Chancen bietet.“

Wagenknecht sieht bei Maischberger den Fehler im System

Während sich also den Vermögenden offenbar diverse Möglichkeiten auftun, ihr Geld fachmännisch verschwinden zu lassen, werden die Normalverdiener noch immer mit undurchsichtigen Finanzprodukten übers Ohr gehauen. Für Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht liegt der Fehler im System: „Es ist darauf ausgelegt, dass man den Menschen Dinge verkauft, die sie eigentlich nicht brauchen und die sie nicht durchschauen.“

Wie konnte es so weit kommen?

Helge Petersen, der als Rechtsanwalt geprellte Anleger vertritt, erklärt: „Früher hat man das Geld relativ simpel direkt investiert, später ist man dann dazu übergegangen, die Dinge noch und nöcher zu verpacken, so dass man am Ende nicht mehr direkt investiert, sondern nur noch in eine Wette auf ein Investment.“ Was verkauft werde, habe nichts damit zu tun, was der Kunde wolle, sondern allein damit, dass eine Betriebsvorgabe erfüllt werden müsse. Dem stimmt Lehmann zu: „Früher hatte die Geldwirtschaft eine dienende Funktion und hat der Realwirtschaft zugespielt. Das wurde irgendwann zu langweilig. Also hat man neue Finanzprodukte erfunden.“

Warum tut die Politik nichts gegen die Steuertrickserei?

Genau das ist für Wagenknecht das entscheidende Problem: „Die Politik weiß seit vielen Jahren, was da läuft und hat trotzdem keine Gesetze gemacht, die das unterbinden.“ Stattdessen habe sie geradezu dagegen angekämpft. Als Beispiel führt sie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an, der jetzt in seinem Zehn-Punkte-Plan ein weltweites Firmenregister fordere, sich zuvor aber massiv dafür eingesetzt habe, dass es ein solches, insbesondere öffentliches Register nicht gibt.

Die Grund dafür liegt laut der Linken-Fraktionsvorsitzenden auf der Hand: „Da ist erfolgreicher Lobbyismus am Werk.“

Welche Lösungen gibt es?

Um den Steuertrick Offshorefirma zu unterbinden, schlägt Wagenknecht neue Steuern vorn: „Wir können nichts verbieten, was in Panama passiert, aber wir können die Kapitalflüsse besteuern, die in solche Länder fließen.“ Schließlich werde doch jede Überweisung registriert. Wenn man die offenlegen müsste, könnte man darauf Steuern erheben. „Und wenn das Geld in legale Geschäfte fließt, entfällt die Steuer“, so Wagenknechts Idee. Der gelernte Steuerberater und Millionenbetrüger Josef Müller glaubt hingegen nicht an die Macht von mehr Regeln. „Gier frisst Hirn. Durch Gesetze wird man das Kapital nie eindämmen, das findet immer eine Lücke“, sagt er. Es könne nur gelingen, wenn die Menschen ihre Einstellung änderten.