RTL-Film: Superfrau kann hart und zart

Claudia Hiersche als Undercover Agentin Nina und Alexander Radszun als Heinrich Husen. Foto: imago
Claudia Hiersche als Undercover Agentin Nina und Alexander Radszun als Heinrich Husen. Foto: imago
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Köln.. Action lockt Männer, Romantik Frauen. Jetzt bringt RTL die beiden Genres zusammen. „Kung Fu Mama – Agentin mit Kids” soll Herz, Schmerz und Scherz verbinden. Neue Wege ging der Kölner Privatsender auch beim Casting. Zwei Hauptrollen wurden per Online-Bewerbung besetzt.

Der 90-Minüter steht nicht für billiges Unterhaltungsfernsehen. Das macht Produzent Stefan Raiser vom Münchner Unternehmen Dreamtool Entertainment bei einem Set-Termin in Köln klar. Vier Millionen Euro verschlingt das Projekt – und 38 Drehtage. Das Projekt entstand zu weiten Teilen auf dem Clouth-Gelände in Köln. Früher wurden dort Reifen hergestellt, heute ist es eine Traumfabrik.

Tatsächlich hat der Streifen, der dem Publikumsrenner „Tatort” nächstes Jahr an einem Sonntag Paroli bieten soll, viel von einem Märchen. Regisseur Simon X. Rost, der mit dem Autor Derek Meister das Drehbuch schrieb, erzählt die Geschichte der Agentin Nina (Claudia Hiersche), die als alleinerziehende Pflegemutter dreier Kinder alles im Griff hat und als Undercover-Agentin der Schrecken aller globalen Bösewichte ist – mithin eine Superfrau im Format der legendären Marvel-Comics. Als wäre all’ dies nicht genug, verliebt sich die schnuckelige Blondine obendrein in ihren coolen Bike-Nachbarn Ruby (Ben Braun).

Zart kann sie sein, hart muss sie sein. Schlagfertigkeit steht oben an, mit Worten, aber notfalls auch mit Hieben. Produzent Raiser: „Bei uns stehen nicht Explosionen und Verfolgungsjagden im Mittelpunkt; bei uns geht’s um Nahkampf-Action.” Eine sogenannte Weisscam soll den Zuschauern die Choreographie der Kämpfe in wechselnden Tempi darbringen. Als optischer Leckerbissen gilt die Superzeitlupe; Hollywood-Spezialist Sam Peckinpah wäre neidisch – zu seiner Zeit gab es derlei Equipment noch nicht.

Raiser will die „Zielgruppe von ,Cobra 11’ und die von ,Doctor’s Diary’” erreichen – . mit „Kino fürs Fernsehen”. Die Idee begeistert nicht nur den Sender RTL und die Filmstiftung NRW, sondern auch den Medienfonds der Europäischen Union. Sie haben ihr Herz und, wichtiger noch, ihre Scheckbücher fürs Projekt geöffnet.

Begeistert von der Film-Idee war, logischerweise, auch Claudia Hiersche. Der 33-Jährigen gelingt als Geheimagentin der Sprung vom Vorabend-Star in der ARD-Schmonzette „Verbotene Liebe” ins Hauptabendprogramm. „Ich habe mich riesig gefreut, dass es geklappt hat”, erzählt die sportliche Blondine strahlend in einer Drehpause. Denn der Erfolg war nicht planbar. Ihr Online-Video musste sich gegen 500 Mitbewerberinnen durchsetzen. Vorteil für die Produktionsfirma: Sie konnte deutlich mehr Bewerbungen sichten als üblich. Zugleich gibt es fürs übliche Casting mit Anspiel durch lebende Menschen keinen Ersatz. So standen für Claudia Hiersche nach überstandener Grobsortierung zwei weitere Runden an. Zuletzt ging es darum zu testen, ob sie mit dem dritten Hauptdarsteller Alexander Radszun harmoniert. „Ich habe einen Riesenspaß beim Drehen gehabt”, sagt Claudia Hiersche, während sie genießerisch an einer Zigarette zieht. Ihr Filmpartner nickt.

Er besitzt seiner Kollegin gegenüber ein Privileg: Er war gesetzt. Aber auch er hatte dasselbe Ziel wie Claudia Hiersche: Er wollte nur spielen – und zwar mit Klischees, „auf intelligente Weise“. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt.

 
 

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