"RTL Comedy Woche" enttäuscht trotz hochkarätiger Besetzung

Vier Comedians in einer Sendung - die "RTL Comedy Woche" erfüllte die Ansprüche nicht.
Vier Comedians in einer Sendung - die "RTL Comedy Woche" erfüllte die Ansprüche nicht.
Foto: RTL / Willi Weber
Seichte Themen, wenig Schlagfertigkeit und auswendig gelernte Pointen: Wer sich von der neuen Comedyshow auf RTL raffinierte Gags erhoffte, wurde enttäuscht. Trotz der hochkarätigen Besetzung - Dieter Nuhr, Paul Panzer, Atze Schröder und Bülent Ceylan - enttäuschte die erste Sendung der neuen Show, die ein Nachfolger von "7 Tage 7 Köpfe" ist.

Essen.. Ein humorvoller Wochenrückblick soll laut RTL-Homepage die neue Show „RTL Comedy Woche“ sein. Wenn die besten Comedians Deutschlands aufeinander treffen, soll angeblich kein Auge trocken bleiben und ein Lachanfall den nächsten jagen. Die Humor-Giganten Atze Schröder, Paul Panzer, Dieter Nuhr und Bülent Ceylan wurden im Vorfeld als Garanten für „Zwerchfell-Zwickerei“ angekündigt.

Wer sich nach diesen Versprechungen auf eine Neuauflage der 90er-Kultserie „7 Tage 7 Köpfe“ gefreut hatte, wurde in der ersten Sendung der „RTL Comedy Woche“ schwer enttäuscht: Raffinierte Gags und vertrautes Gezänk wie zu „7 Tage 7 Köpfe“-Zeiten gehen der Comedy-Woche völlig ab.

Wenig Überraschendes in der Show

Die RTL-Produzenten schienen jedoch selber nicht allzu viel Vertrauen in die Entertainer-Qualitäten ihren Humor-Giganten zu haben, denn ihre Schlagfertigkeit und Redegewandtheit konnten die Vier nicht unter Beweis stellen. Statt ihnen eine Stunde lang die Bühne zu überlassen, gab es Einspieler á la TV-Total und Spielshow-Elemente in der Sendung.

Zudem sollte der geneigte RTL-Zuschauer bei dieser hochkarätigen Zusammensetzung davon ausgehen können, dass sich Atze Schröder, Paul Panzer, Dieter Nuhr und Bülent Ceylan gegenseitig die Bälle zuspielen und die Witze nur so um die Ohren hauen. Doch weit gefehlt. Zwischen den Vieren fand so gut wie keine Interaktion statt. Jeder Comedian bleib in seinem eng gestrickten Rollenkorsett: Atze Schröder war wie immer zuständig für vulgäre Witze unterhalb der Gürtellinie und kam beim Thema „Opa-Väter“ richtig in Fahrt. So empfahl er SPD-Parteichef Sigmar Gabriel statt seiner Frau in Elternzeit zu gehen. Die größeren „Hupen“ habe er ja schließlich. Nichts Neues also von Atze Schröder.

Und auch Bülent Ceylan lieferte seinen Fans das, was sie von ihm sehen wollen: den Klischee-Türken mit „Isch-mach-disch-platt“-Sprüchen. Einen Angriff auf das Trommelfell startete Paul Panzer. Sein Sprachfehler vermochte in den ersten Minuten noch als trottelig und witzig durchgehen, nach einer Stunde war er nur noch nervig. Trotzdem lieferte Panzer den (gescripteten) Höhepunkt des Abends: Beim Ratespiel „Typisch Mann, typisch Memme“ stiegen er, Schröder und Ceylan auf Laufbänder, um dann Fragen zu beantwortet. Schon vor der ersten Frage verabschiedete sich Panzers Hose und offenbarte einen Blick auf seine wildgemusterte Boxershorts. Das Publikum tobte.

Aber am meisten enttäuschte Dieter Nuhr. Ihm hätte man im Vorfeld wahrscheinlich die größten rhetorischen Fähigkeiten und niveauvollsten Witze zugetraut, doch Nuhr wirkte neben den „Rollenspielern“ Schröder, Ceylan und Panzer blass. Erst fünf Minuten vor Schluss konnte er beim Thema FDP ein Stück weit seine Redegewandtheit unter Beweis stellen. Alleine hätte er seine Fähigkeiten wahrscheinlich eher unter Beweis stellen können.

Auch der weibliche Gast enttäuschte

Interaktion gab es erst, als die vier Männer beim Thema Fitnessmesse (FIBO) in Essen angelangt waren und zu diesem Zweck gemeinsam einen Bildband mit Bodybuilderinnen „studierten“. Hier übertrafen sie sich gegenseitig mich althergebrachten „Hupen“- und „große Augen“-Sprüchen. Witze, an Stumpfsinnigkeit nicht zu überbieten und wie auswendig gelernt.

Ungewissheit auch über den weiblichen Gast der Sendung. „In jeder Sendung kommt ein weiblicher Gast vorbei, der die Männerrunde ordentlich aufmischt und seinen Senf dazu gibt“ heißt es auf der RTL-Homepage. Der ein oder andere Zuschauer hatte sich vielleicht schon auf Frauen Power á la Anke Engelke oder Mirja Boes gefreut. Doch Paul Panzer holte als weiblichen Gast die 86-jährige „Zuschauerin“ Johanna auf die Bühne. Diese vollführte einige beachtliche Kunststücke am Barren. Aber war dieser liebenswürdigen Dame tatsächlich die Rolle der „Aufmischerin“ und „Senf-dazu-Geberin“ zugedacht?! Ansonsten war die seidig glänzende Mähne von Bülent Ceylan an diesem Abend das Weiblichste auf der Bühne.

Seichte Themen und auswendig gelernte Pointen

Auch bei der Themenfindung zeigte RTL nicht viel Einfallsreichtum: Die Piraten und die FDP mussten als gnädige Lach-Garanten herhalten. Und bei den Fragen zum Ratespiel „Typisch Mann, typisch Memme“ hatte man den Eindruck, als hätten die Produzenten einen Tag vor der Aufzeichnung der Show eine große deutsche Boulevard-Zeitung aufgeschlagen und überlegt, welches aktuelle Thema sich am besten für ein Fragespiel in einer Comedyshow im Privatfernsehen eignet. Beispiel gefällig: Was kostet nach Angaben des Secret Service eine kolumbianische Prostituierte? 47 oder 74 Dollar? Antwort: 47 Dollar.

Bleibt die Frage, ob seichte Themen und das Aufsagen auswendig gelernter Pointen der „RTL Comedy Woche“ einen dauerhaften Platz im Abendprogramm sichern.

Alle Infos zur "RTL Comedy Woche" bei RTL.de.

 
 

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