Düsseldorf

Rot-Grün will den Bürgerfunk in den NRW-Lokalradios stärken

Ein Blick ins Studio der satirischen Radiosendung Panoptikum in Bochum: Friedrich Lengenfeld, Günter Bosk und Ulf Rommelfanger.
Ein Blick ins Studio der satirischen Radiosendung Panoptikum in Bochum: Friedrich Lengenfeld, Günter Bosk und Ulf Rommelfanger.
Foto: Ralph Bodemer/ WAZ FotoPool
Der NRW-Landtag will im Sommer ein neues Landesmediengesetz verabschieden. Der Entwurf sieht vor, die bewährten Sendezeiten für den Bürgerfunk nicht zu verändern. Dennoch gibt es vereinzelt Überlegungen, den Bürgerfunk auf zwei Stunden täglich auszuweiten und künftig bereits ab 18 Uhr zuzulassen.

Düsseldorf. Der Bürgerfunk in den 45 NRW-Lokalradios soll nach dem Willen der rot-grünen Koalition gestärkt werden. Die Forderung von Bürgerfunkern, Volkshochschulen und Kirchen nach einer Vorverlegung der Sendezeit von heute 21 auf 18 Uhr hat aber offenbar keine Aussicht auf Erfolg.

Von einem Vorziehen auf 18 Uhr gehe man nicht aus, hieß es in SPD-Kreisen. Dafür könnte es aber im Gegenzug künftig mehrmals täglich im privaten Lokalradio Programmhinweise auf die abendlichen Sendungen der Bürgerfunker geben.

Der Landtag will noch vor der Sommerpause ein neues Landesmediengesetz verabschieden. Zwar sieht der bisherige Entwurf keine Sendezeitverschiebung für den Bürgerfunk vor.

Die Chefredakteure der NRW-Lokalradios warnten aber in einem Offenen Brief an die Landtagsfraktionen vor Überlegungen in einzelnen Parteien, den Bürgerfunk auf zwei Stunden täglich auszuweiten und künftig bereits ab 18 Uhr zuzulassen. Auch der grüne Koalitionspartner der SPD möchte Sendezeiten verändern.

"Schwere programmliche und wirtschaftliche Nachteile" befürchtet

Die Lokalradios fürchten „schwere programmliche und wirtschaftliche Nachteile“, wenn sie künftig die Nischenprogramme der Bürgerfunker früher und länger senden müssten. „Der Bürgerfunk bleibt ein potenzieller Ab- und Umschaltfaktor“, mahnte der Vorstand des Vereins der Chefredakteure im NRW-Lokalfunk (VdC), Thorsten Kabitz.

Die Einnahmeverluste schätzt der Verein auf fünf Millionen Euro jährlich – damit seien landesweit 100 Jobs in Gefahr. Die Lokalradio-Sender verwiesen darauf, dass sie ihre Programme gezielt in die wichtige Sendezeit in den Abendstunden ausgeweitet haben.

Im Koalitionsvertrag hatten SPD und Grüne eine Stärkung des privaten Bürgerfunks vereinbart. In der vorgegebenen Sendezeit können Bürger Programminhalte selbst bestimmen.

CDU-Medienexperte Thomas Sternberg glaubt allerdings, dass der Bürgerfunk junge Leute kaum noch erreicht, weil die mit You-Tube-Filmen und auf Facebook längst mehr Menschen erreichten, „als Bürgerfunker jemals mit ihrem Wirkungskreis erzielen“.

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