Roger Horné: Der Weltenbummler vom Rhein

Düsseldorf. Roger Horné ist Moderator bei NRW.TV. Er macht die große Politik mit Witz und Wissen zur Landessache. Sein Credo: „Das lokale Thema ist immer auch das Bundesthema, und jedes Bundesthema lässt sich letztlich auf das Lokale herunterbinden.”

Er ist ein fröhlicher Skeptiker und ein heimattreuer Weltenbummler: Roger Horné. Bei NRW.TV verbindet der 62-jährige Vollblut-Journalist den Charme von Rhein und Ruhr mit dem Duft der großen, weiten Welt. Sein Credo: „Das lokale Thema ist immer auch das Bundesthema, und jedes Bundesthema lässt sich letztlich auf das Lokale herunterbinden.”

Düsseldorf, Medienhafen, zwölf Uhr mittags, Sonnenstrahlen vertreiben graue Wolkenmassen. Drinnen, in der guten Stube des Senders, erweist sich Horné im Gespräch als Spezialist für Themen aus Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland, als gewitzter und launiger Gesprächspartner, mal verschmitzt grinsend, mal laut lachend, für eine Anekdote gut. Schwarzes Sakko hin, blütenweißes Button-Down-Hemd her – der Bekenntnis-Rheinländer steht für ein unkonventionelles Leben.

In Vaters Fußstapfen

Zunächst sieht es nicht so aus, als wolle der in Frankfurt am Main geborene Journalisten-Sohn nicht in Vaters Fußstapfen treten: Horné jr. macht nämlich eine Ausbildung zum Wohnungswirtschaftler. Doch letztlich kann der Sproß einer Hugenotten-Familie dem Lockruf des Journalismus nicht widerstehen. Der Hörfunk hat es ihm angetan.

Parallel zu seinem Studium der Kommunikationswissenschaften macht Horné junges Radio für die Pop-Welle SWR 3. Sein erstes Interview? „André Heller”, antwortet der Mann mit dem weißen Vollbart, der ihm den Charme eines Seebären verleiht, prompt ohne zu zögern. Aufgeregt? „Nöööö”, entgegnet Horné gedehnt, „nö, aufgeregt war ich nicht.”

Nicaragua, Kroatien, Kuba

Tatsächlich wirkt Horné bemerkenswert abgeklärt. Er hat viel gesehen, viel gehört, vom Hörfunk wechselte er zum Fernsehen, für die Deutsche Welle, für RTL, das damals noch RTL plus hieß, für n-tv.

Horné berichtete aus London und zuletzt, 14 Jahre lang, aus Washington, meldete sich aus Nahost und Nicaragua, Kroatien und Kuba. Welche Erkenntnis hat der gut vernetzte Medienmann mitgebracht von langen Auslandsjahren? „Politik wird immer mehr am Tresen gemacht”, weiß Horné, „in Bonn war's die Kneipe ,Provinz'.”

Heute wohnt er wieder dort, in Bonn, wo er auch aufwuchs. Mit offenen Augen geht er durchs Land, stellt Veränderungen fest, vielfach Veränderungen zum Guten. Roger Horné: „Die Leute sind weltoffener geworden.” Der Moderator, dessen Spezialität es ist, Menschen aus allen Lebensbereichen Menschliches zu entlocken, sieht NRW als Boom-Region. Die Krise irritiert ihn nicht. „Die Krise”, glaubt Horné, „wird mittelfristig gesehen kaum mehr als eine Delle sein. Wir haben unheimlich viel Potenzial. Wir haben einen Wissenschaftsminister, der sich sehr um eine blühende Hochschullandschaft kümmert.” Zugleich vermisst Horné „charismatische Politiker” – junge Leute, die die Demokratie zwischen Rhein und Weser gestalten wollen.

Fernseh-Journalist aus Leidenschaft

Und Horné selbst – was will er gestalten? Der Moderator schätzt die Freiheit, die er bei dem privaten Landessender genießt, Freiheiten, die er nach eigener Einschätzung bei einer öffentlich-rechtlichen Anstalt wohl so nicht hätte: „Wir gehen schneller, direkter auf die Leute zu. Und da gibt es beim WDR stellenweise immer noch die langen Wege, die in unserem Sender nicht existieren. Wenn etwas passiert, kann ich sofort reagieren und muss nicht erst über Ressortleiter und Programmdirektoren gehen. Ich bestimme: Ich ändere mein Programm und tue das sofort.”

Was Roger Horné ebenfalls an seinem Sender schätzt: NRW.TV ist nicht nur über das Kabelnetz empfangbar, sondern auch als Livestream im Internet. Der Fernseh-Journalist aus Leidenschaft weiß, dass dieses Angebot zunehmend genutzt wird von Menschen, die auf diese Weise Kontakt zur alten Heimat halten. Zahlreiche E-Mails aus aller Welt deuten darauf hin. Horné freut es. Denn bei aller Heimatverbundenheit – der Mann ist immer noch ein Weltenbummler.

 
 

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