Restaurantschule von Christian Rach setzt bei RTL auf Drama, Drama und noch mehr Drama

Grundkurs am Kochtopf: Christian Rach (Mitte) und sein Kollege Helge St. Johannis (2. v. li.) geben Michi, Thomas und Stina (v. li.) in der zweiten Staffel von "Rachs Restaurantschule" auf RTL eine Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
Grundkurs am Kochtopf: Christian Rach (Mitte) und sein Kollege Helge St. Johannis (2. v. li.) geben Michi, Thomas und Stina (v. li.) in der zweiten Staffel von "Rachs Restaurantschule" auf RTL eine Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
Foto: RTL/Thomas Pritschet
Um den Erfolg der ersten Staffel von „Rachs Restaurantschule“ zu toppen, fährt RTL bei den Kandidaten schwere Geschütze auf. Gescheiterte Existenzen mit teils traurigen Schicksalen kämpfen um einen Job im Berliner Restaurant „Roter Jäger“. Da ist Christian Rach als Psychologe statt als Sternekoch gefragt.

Essen.. Wie kann man den Erfolg eines Reality-TV-Formats wiederholen oder gar toppen, das in der zweiten Staffel nicht nur eine imposante Zuschauerquote einfuhr, sondern zudem noch den Deutschen Fernsehpreis gewann? Das ist eine schwere Bürde für die Fortsetzung von „Rachs Restaurantschule“, die am Montag auf RTL in die zweite Runde startete. Drama, Drama und noch mehr Drama ist die simple Antwort der Produktionsfirma. Da fließen in der ersten Folge so viele Tränen, als ob die Praktikanten säckeweise Zwiebeln schälen. Und mittendrin Christian Rach, der mehr den Psychologen als den Sternekoch gibt.

Wieder hat Christian Rach ein Häuflein gescheiterter Existenzen um sich geschart, denen er eine letzte Chance auf dem Arbeitsmarkt bieten will. Ob kriminelle Karriere inklusive Gefängnis, Hartz-IV-Empfänger ohne Schulabschluss oder traurige Drogen-Vergangenheit – „für mich seid ihr alle ein weißes Stück Papier“, fegt Christian Rach alle Vorurteile bei Seite und will elf Kandidaten die Möglichkeit auf einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag bzw. einen Praktikumsplatz in Berlin-Mitte im Restaurant „Roter Jäger“ bieten.

Viel Schubladen-Denken für die RTL-Zuschauer

Doch während sie für Rach unbeschriebene Blätter sein sollen, bekommen die Millionen Fernsehzuschauer bereits nach wenigen Minuten jede Menge Schubladen-Denken und Drama serviert. Da schlendert Ex-Knasti Artem (23) Kaugummi kauend auf die Kamera zu, ein lässiges Lächeln im Gesicht und eine coole Geste im Anschlag. „Dieser Typ in einem Gastronomie-Betrieb? Niemals!“, erhält der Zuschauer weit mehr als einen Wink mit dem Zaunpfahl serviert.

Für die Produktion „Rachs Restaurantschule“ ist das noch lange nicht genug Drama. Es folgt die Einführung von Jessica, die mit ihren 19 Jahren bereits eine bittere Drogen-Karriere hinter sich hat. Und dann ist da noch Klaus (33) der sich nach einer schweren Kindheit, Drogenkonsum und dem Borderline-Syndrom vor Jahren freiwillig in eine psychiatrische Klinik begab. Jetzt sollte wirklich jeder RTL-Zuschauer verstanden haben: Diese Staffel von „Rachs Restaurantschule“ wird noch härter und emotionaler als die Premiere.

Christian Rach wirkt als sozialer Engel glaubhaft

Das Format würde wohl im Einheitsbrei von Reality-TV und Doku-Soaps versinken und lediglich das Voyeur-Zielpublikum erreichen, wenn nicht Christian Rach seine Rolle als sozialer Engel so glaubhaft herüberbringen würde. Dass er es ernst meint mit den Teilnehmern, nimmt man dem Sternekoch ab. Bereits in der Reihe „Rach, der Restauranttester“ erarbeitete der 54-Jährige sich den Ruf, nicht als Schauspieler sondern als reale Person aufzutreten, die den Gastronomie-Besitzern tatkräftig helfen will.

So bringt es Christian Rach nicht übers Herz, einem der elf Kandidaten für seine Restaurantschule nach dem ersten Eindruck – den einige gründlich versemmelt haben – den Laufpass zu geben. „Ich will hier nicht scheitern, das muss gelingen. Lasst uns den Laden rocken“, schwört Rach seine Crew auf die kommenden zwei Monate ein.

Von Rachs erster Restaurantschule blieb nur eine Teilnehmerin übrig

Ob sich die Teilnehmer an die „Rachschen“ Spielregeln Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß und Disziplin halten, ist mehr als fraglich. Nicht nur weil die Produktion nach Drama lechzt. Einige Kandidaten scheinen bereits nach drei Tagen hoffnungslos überfordert, um später einmal dem Stress und der körperlichen Belastung in einem Gastronomie-Betrieb stand zu halten.

Wie wenig nachhaltig so ein Lernprozess sein kann, zeigt sich an der Bilanz der ersten Staffel. Nur eine von einst zwölf Fernseh-Protagonisten arbeitet noch im „Slowman“, dem Ursprung der ersten Restaurantschule von Christan Rach in Hamburg. Eine Schwangerschaft, eine neue Herausforderung waren zwei Gründe für den Absprung. Und der Rest habe den Sinn des Projekts dann doch nicht verstanden, heißt es später im RTL-Magazin Extra.

Christian Rach will aus den Fehlern der ersten Staffel gelernt haben

Aus den Fehlern der ersten Staffel habe man gelernt, betont Christian Rach: „Wir haben die gruppendynamischen Prozesse unterschätzt.“ Deshalb wohnen die Teilnehmer diesmal nicht in einer großen WG zusammen. Zudem sei einigen der Medienrummel zu Kopf gestiegen, heißt es weiter.

„Wenn es einer nicht schafft, dann ist das einfach so“, so Christian Rach. Man müsse auch bereit sein, eine Chance zu nutzen. Und letztlich wolle der Sternekoch eine gute Unterhaltungssendung für RTL machen. Es handle sich bei „Rachs Restaurantschule“ weder um eine Castingshow noch um „Sozialträumerei.“

Zuschauer-Quote von "Rachs Restaurantschule" bleibt hinter Erwartungen zurück

Christian Rach ist mit dem Start der zweiten Ausgabe seiner "Restaurantschule" hinter den Quotenerfolgen der ersten Staffel zurückgeblieben. Mit durchschnittlich 4,12 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 13,1 Prozent war die Doppelfolge mit dem Sternekoch am Montagabend zwar die meist gesehene Sendung, wie RTL am Dienstag in Köln mitteilte. Bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte die Sendung den Angaben zufolge mit 2,17 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 17,5 Prozent. Die erste Staffel hatte in Schnitt aber rund eine Million Zuschauer mehr. Sie erreichte 2010 durchschnittlich 5,13 Millionen Zuschauern. Das war ein Marktanteil von 19,5 Prozent bei den werberelevanten Zuschauern der 14- bis 49-Jährigen. (mit dapd)

 
 

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