rbb zeigt ICE-Fahrt von München nach Berlin – in Echtzeit

Ein ICE fährt auf der Neubaustrecke München-Berlin. Die knapp vierstündige rbb-Fahrt erleben Zuschauer hingegen aus der Zugführer-Perspektive.
Ein ICE fährt auf der Neubaustrecke München-Berlin. Die knapp vierstündige rbb-Fahrt erleben Zuschauer hingegen aus der Zugführer-Perspektive.
Foto: Martin Schutt / dpa
rbb-Zuschauer können am Samstag von München nach Berlin fahren – ganz bequem von der Couch aus. Slow-TV nennt sich diese Art Programm.

Berlin.  Es gibt Menschen, die machen Yoga zur Entspannung. Andere gönnen sich ein duftendes Schaumbad. Und wieder andere schalten einfach den Fernseher an. Doch wirklich entspannt sind viele Programme dort schon lange nicht mehr.

Schnelle Schnitte, grelle Bilder und immer wieder Werbung – ein aufmerksamkeitsheischendes Motiv folgt aufs nächste. Da scheint das Programm, mit dem der rbb an diesem Samstag punkten will, wie aus der Zeit gefallen – und will genau das erreichen.

„Das ist komplette Entschleunigung“

„Bitte einsteigen!“ ist eine Reportage in Echtzeit. Knapp vier Stunden Filmmaterial, ohne Schnitt, ohne Kommentar, nur der unverfälschte Blick aus dem Führerstand des ICE 3 von München nach Berlin. Immerhin – so viel technisches Chichi sei gegönnt – aus zwei Perspektiven: vorne und hinten. „Das ist komplette Entschleunigung“, sagt Projektleiter Hermann Meyerhoff.

Von 5.55 Uhr bis 9.50 Uhr erleben die Zuschauer die Fahrt auf der im Dezember 2017 eröffneten Neubaustrecke – von Bayerns Landeshauptstadt München über Nürnberg, Erfurt, Halle, Berlin-Südkreuz bis zum Hauptbahnhof Berlin.

Zuschauer kann Perspektive wechseln

Gedreht wurde das Epos an einem sonnigen Tag im August. Und das ebenfalls ohne viel Schnickschnack. Am ersten und letzten Waggon wurden Smartphones montiert, die die komplette Fahrt aufzeichneten.

Wer die Sonne zu Gesicht kriegen will, sollte rbb Brandenburg einschalten. Dort läuft die Blickrichtung Süden, rbb Berlin zeigt die Sicht des Zugführers gen Norden.

Norwegen gilt als Erfinder des Slow-TV

Vorreiter dieser Art von Fernsehen ist – man ahnt es – Skandinavien. Schon seit rund zehn Jahren findet das sogenannte Slow-TV dort Fans. Ob Postschiffreisen auf den Hurtigruten oder die Nationale Nacht des Strickens, Echtzeit-Reportagen begeistern durch ihre meditative Langeweile.

2016 sicherte sich selbst Netflix elf dieser entschleunigten Dokumentationen, darunter auch den mehr als siebenstündigen Pilotfilm „Eine Zugfahrt von Bergen nach Oslo“.

Slow TV: Bahnfahrt Bergen-Oslo in Echtzeit

Die ICE-Reise nach Berlin ist dann doch deutlich schneller. Übrigens auch im Vergleich zu jenem Zug, der parallel am Samstag nur um eine Minute zeitversetzt in München gen Hauptstadt startet. Geplante Ankunftszeit: 12.23 Uhr. Eventuelle Verspätungen noch nicht eingerechnet.

rbb, Samstag, 20. Oktober, 5.55 Uhr

 
 

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