Pechvögel nutzen zweite Chance bei „Wer wird Millionär?“

Joker-Sparerin Daniela Wartini (32, aus Vierkirchen) durfte nach sieben Jahren noch einmal ihr Glück bei „Wer wird Millionär?“ versuchen.
Joker-Sparerin Daniela Wartini (32, aus Vierkirchen) durfte nach sieben Jahren noch einmal ihr Glück bei „Wer wird Millionär?“ versuchen.
Foto: RTL / Stefan Gregorowius
Günther Jauch ist zurück mit „Wer wird Millionär?“. Als Erstes durften Pechvögel ran – die das Glück ganz schön herausgefordert haben.

Berlin.  Der 29. August ist der perfekte Tag, um eine Depression zu bekommen. Der Urlaub ist vorbei, der Hochsommer – bis auf die verspätete Hitzewelle – ebenso, und abends ist es pünktlich zur „Tagesschau“ schon wieder dunkel. Das ist doch zum Heulen. Clever diejenigen, die für den seelischen Notfall vorgesorgt und an genau diesem Montag ein dickes rotes Kreuz im Kalender markiert haben. Denn: Günther Jauch ist wieder da.

Die Sommerpause von „Wer wird Millionär“ hat ein Ende – und die neue Staffel einen besonderen Anfang. Denn diesmal dürfen zuallererst die Pechvögel ran. Heißt: Fünf Kandidaten, die in vergangenen Shows von „Wer wird Millionär“ ganz früh oder sehr unglücklich gescheitert sind, können ihr Glück noch einmal versuchen.

Jauch war gut drauf

So wie Daniela Wartini aus dem bayrischen Vierkirchen. Die 32-Jährige saß Jauch vor sieben Jahren zum ersten Mal gegenüber, scheiterte aber grandios bei der 8000-Euro-Frage – obwohl sie noch über alle vier Joker verfügte. Martini glaubte damals, der Schauspieler David Kross aus „Der Vorleser“ höre auf den Nachnamen „Scharf“. Sei’s drum, RTL hat wieder angerufen, und dieses Mal wollte die inzwischen verheiratete Diplomingenieurin ihren Weg zur Millionenfrage anders angehen.

So viel zur Theorie. Denn schon bei der 1000-Euro-Frage nach einer vor 73 Jahren gemachten Entdeckung in 3800 Metern Meerestiefe gab es das erste Problem. Wartini war sich sicher: Das muss Antwort A, Atlantis, sein! Ähm, nein. Jauch, gut drauf, guckt wie ein Auto. Atlantis, das mythische Inselreich, hat die das echt gesagt? In letzter Sekunde kann der Moderator sie zum Fifty-fifty-Joker überreden.

Nach der Vogel-Frage war Schluss

Die Titanic und Arielle, die kleine Meerjungfrau, bleiben als Antwortmöglichkeiten. „Wenn das so ist“, sagt die Mutter von zwei Kindern, „kann es die Titanic schon mal nicht sein!“ Hat da etwa jemand zu viel Disney geguckt? Wir möchten das an dieser Stelle abkürzen, um nicht unhöflich zu werden, denn Daniela Wartini wirkt wie eine nette Frau. Und auch Jauch scheint sie zu mögen. Also gibt er ihr Bedenkzeit – und siehe da, sie hatte sich doch nur verlesen. Waren gar nicht 3800 Jahre gemeint, sondern 3800 Meter Meerestiefe! Puh, war knapp, da kreiste schon der Pleitegeier über Frau Wartini.

Aber es wurde ja noch alles gut. 32.000 Euro konnte die 32-Jährige am Schluss kassieren, nach freiwilligem Ausstieg. Bereits alle Joker verbraucht, wusste sie bei der nächsten Gewinnstufe nicht, welcher Vogel sich von anderen Vögeln ernährt (der Wanderfalke).

Serdar Bulat wählt „Schisser-Variante“

Kandidat Nummer zwei, Serdar Bulat, machen weder Flora noch Fauna noch ein 1912 gesunkenes Schiff Probleme. Der 28 Jahre alte Politikstudent kämpft in erster Linie mit sich selbst. Unerklärlich ist das nicht: Erst vor einem Vierteljahr scheiterte der Berliner bei der 200-Euro-Frage zu Salat Niçoise. Deswegen müssen es dieses Mal drei Joker sein, „die Schisser-Variante also“, meint Jauch.

Zwar läuft es für Bulat besser als bei der „Wer wird Millionär“-Premiere, doch nun gibt er zu jeder Antwort eine Erklärung ab. Das nervt, auch wenn es menschlich ist, dass er Wermut statt Wismut als Element bezeichnet. Dank Fifty-fifty- und Publikumsjoker spielt er sich bis zur 8000-Euro-Frage vor: Wer sind die Hauptkunden von Levi Strauss in den 1870er Jahren? „Minenarbeiter!“, ruft Bulat noch bevor die Antworten erscheinen. Richtig sind Goldgräber, „aber ist ja nah dran!“

Kein Faible für deutsche Literatur

Also eingeloggt, 8000 Euro kassiert, aufgehört. Glück gehabt! Denn beim „unnützen Wissen“ zur deutschen Literatur muss Bulat passen. Wer im März dieses Jahres mit einem vor über 60 Jahren geschriebenen Roman posthum auf Platz 1 der Bestsellerliste landet, weiß der Politikstudent leider nicht. Hermann Hesse, Günter Grass, Max Frisch und Siegfried Lenz (übrigens die richtige Antwort) würden sich im Grab rumdrehen.

Aber machen wir uns nichts vor: Wer muss bei dem Unterhaltungsangebot des deutschen Fernsehens noch ein Buch in die Hand nehmen? Nur semi-ironisch gemeint, hin und wieder gibt es ja tatsächlich Spannendes zu sehen.

Gemütlicher Start nach der Sommerpause

Dass die erste Folge von „Wer wird Millionär?“ nach der Sommerpause 2016 in die TV-Geschichte eingeht, ist zu 99 Prozent unwahrscheinlich. Denn die Show war harmonisch, gemütlich – so wie ein lauwarmer Spätsommerabend eben. Und weil wir davon in diesem Jahr nur noch so wenige haben, ist es doch beruhigend zu wissen, dass es Günther Jauch gibt. Krise abgewendet. Er ist wieder da.

 
 

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