Oliver Welke lästert über die Rindsrouladen der Kanzlerin

Köln. Nach über 13 Jahren im Fernsehen muss Moderator und Comedian Oliver Welke jetzt erstmals mit Krawatte vor die Kamera treten. Seriös und bissig soll seine neue Nachrichtensatire "heute-show" im "Super-Wahljahr" sein.

Die Krawatte ist Pflicht. «Das ist eines der wenigen Dinge, die mir an der neuen 'heute-show' nicht so toll gefallen», gestand Welke vor dem Start der Nachrichtensatire, mit der das ZDF ab Dienstag, 26. Mai, um 23 Uhr die Zuschauer durch das «Super-Wahljahr» begleiten will.

ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner nannte die «heute-show» «einen mit vielen Hoffnungen begleiteten Versuch, den Zuschauern stark politisch geprägten Humor zu präsentieren». Er versprach: «Es wird lustig». Dafür stehe nicht zuletzt der geborene Bielefelder Welke, der durch die halbstündige Sendung führt: «Er ist einer der wenigen mit der Doppelbegabung Moderator und Satiriker. Ihm nimmt man den 'Anchorman' ab.»

Parteien im Internet als Quell steter Freude

Ausgestrahlt wird die «heute-show», die sich in Präsentation und Aufmachung an klassischen Nachrichtensendungen orientiert, monatlich jeweils im Anschluss an «Neues aus der Anstalt» mit den Kabarettisten Urban Priol und Georg Schramm.

Für die Gestaltung wird auf aktuelle Fernsehbilder aus Politik- und Nachrichtensendungen bei öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern zurückgegriffen. Diese werden aufwendig von Studenten gesichtet und dokumentiert. Zunehmend können die Satiriker auch auf das Web zurückgreifen, freut sich Welke: »Parteien spielen Fernsehen im Internet, das ist für uns ein Quell steter Freude«.

Aus diesem Rohmaterial werden dann die Pointen gebastelt, wobei die »heute-show« auf Autoren zurückgreift, die unter anderem für »Schmidt und Pocher« und die Fernsehsatire »Switch reloaded« geschrieben haben.

Inspiriert von Jon Stewart

Er sei durchaus ein politischer Mensch, betont Oliver Welke, der bislang vor allem als Sportmoderator und Comedy-Spezialist zu erleben war. Allerdings habe er mitunter Schwierigkeiten, als Zuschauer bei politischen Sendungen durchzuhalten: »Aber es war schon bewegend, als Frau Merkel unlängst bei RTL ihre Rindsrouladen lobte.«

Er verhehlt nicht, dass die Grundidee der Sendung von ähnlichen Erfolgsformaten wie der «Daily Show» mit Jon Stewart auf Comedy Central inspiriert ist. Deren großen Einfluss werde man wohl nicht erreichen, räumt er ein: «In Amerika ist vielen Leuten gar nicht bewusst, dass diese 'Daily Show' eine Satire ist. Diese Zuschauer halten es für eine seriöse Nachrichtensendung. Wir wollen nicht hoffen, dass es uns genauso ergeht!»

Zielgruppe: junge Leute

ZDF-Unterhaltungschef Teubner erwartet, dass die «heute-show» auch verstärkt junge Zuschauer anspricht, bei denen das ZDF ansonsten kaum punkten kann. Ein Umstand, der Moderator Welke etwas erstaunt hat: «Als Mensch, der viel Privatfernsehen gemacht hat, wundert man sich schon, dass das ZDF mit einem 43-jährigen Moderator wie mir die junge Zielgruppe erreichen will.»

Unterstützt wird Welke von Schauspielerin Martina Hill (»Switch reloaded«), die als »Journalistin mit Schilddrüsenüberfunktion« (Welke) Umfrageergebnisse präsentiert: »Wir werden ja bis zum Wahlabend im Drei-Minuten-Takt« von der Demoskopie belästigt.» Dazu kommt noch Kabarettist Christian Ehring als «verhaltensauffälliger Auslandskorrespondent». Sie sollen neben den aktuellen Nachrichtenbildern für neu gedrehte eigene Beiträge sorgen. Dafür wird auch auf das Archiv und die Strukturen des ZDF zurückgegriffen. Auch sollen Politiker als Talkgäste in die Sendung eingeladen werden: «Die sind bislang noch ein bisschen zurückhaltend», bedauert Welke.

Die «heute-show» solle auch ein Forum «für eine gewisse Selbstironie» des ZDF bieten, betont Teubner: «Die ist bei uns sowieso weiter verbreitet, als allgemein geglaubt wird».

Die Aufzeichnung von der «heute-show» findet in Köln erst vier Stunden vor der Ausstrahlung statt: «Wir wollen versuchen, zumindest mit ein, zwei Gags tagesaktuell zu sein. Einen klassischen Monatsrückblick kann man heute in der schnelllebigen Medienwelt nicht mehr machen», ist Oliver Welke überzeugt. (ddp)

 
 

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