Offenbar erste Suizide durch Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“!

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Berlin.  Die umstrittene Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ thematisiert den Suizid einer Schülerin, dargestellt in 13 Folgen. Kritiker fürchten, die Figur habe für Teenager ein hohes Identifikationspotenzial und könnte suizidgefährdete Menschen dazu bringen, sie sich als Vorbild zu nehmen. Vor allem die Art, wie die Macher die Geschichte inszenieren und erzählen, lässt viele Mediziner und Experten Sturm laufen. Sie befürchten Nachahmungstaten.

Nun haben auch deutsche Fachverbände erstmals eine Warnung veröffentlicht, wie die „WAZ“ berichtet. In der gemeinsamen Stellungnahme der Gesellschaften für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) raten sie psychisch labilen jungen Menschen „dringend vom Konsum der Serie ab“.

Berichte über vollendete Suizide

Unter Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen sei die Serie in den sozialen Netzwerken laut Schulsozialarbeiter, Lehrer und Therapeuten ein großes Thema, heißt es in der Stellungnahme. Noch erschreckender ist allerdings, dass es laut der Autoren mittlerweile sogar Berichte über vollendete Suizide von Jugendlichen in Deutschland geben soll, die direkt mit dem Konsum der Serie in Verbindung stehen sollen. Zahlen wurden dazu jedoch nicht genannt.

In der Vergangenheit gab es bereits häufiger Nachahmertaten, die auf bestimmte Formen der Berichterstattungen über Suizide zurückgehen, der sogenannte Werther-Effekt. Der Name ist auf die Selbsttötungen nach Veröffentlichung von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ zurückzuführen.

Aufgrund dieser Erkenntnisse wurden internationale Richtlinien entwickelt, wie über Suizide zu berichten ist. Die Netflix-Serie hält sich allerdings nicht daran. Sie zeigt den Suizid drastisch und detailliert. Hilfsangebote werden jedoch nicht thematisiert.

Serie könnte Argument für Suizid liefern

Jugendlichen, die keine Suizidgedanken hegen, sind durch den Konsum der Serie aber nicht gleich gefährdet, betont DGPPN-Präsident Professor Arno Deister. Menschen, die suizidal sind, beschäftigen sich allerdings ambivalent mit der Frage, ob sie es tun sollen oder nicht. Ein einzelnes Argument dafür oder dagegen könne die Entscheidung dann bereits beeinflussen – und dieses könnte die Serie liefern, wie Deister sagt.

Die Serienmacher sehen das allerdings anders. Sie glauben, dass vor allem die Bilder der Selbsttötung in all ihrer Grausamkeit eine abschreckende Wirkung haben. Experten widersprechen dieser Ansicht. Allein die Beobachtung, dass der Suizid mit einer bestimmten Methode möglich ist, kann eine Entscheidung hin zu diesem Weg fördern. „Jemand weiß nicht mehr weiter, und plötzlich kommt eine Möglichkeit in Sicht – egal, wie gewaltsam sie ist“, erklärt Psychiater Ulrich Hegerl.

Eltern sollten wachsam sein

Die Experten raten Eltern zu Wachsamkeit. „Wenn Eltern den Eindruck haben, das Kind ist von der Serie besonders fasziniert, sollten sie das Gespräch suchen“, rät Deister. „Damit signalisieren sie auch, dass sie bereit sind, sich mit dem Thema Suizid auseinanderzusetzen.“

Denn wichtig ist vor allem, dass die Signale, die von möglicherweise suizidgefährdeten Kindern und Jugendlichen gesendet, auch wahrgenommen werden. (jei)

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

 
 

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